Lübeck: Torte zum 875. Geburtstag

Sie haben viel vor im Geburtstagsjahr: (vorn v.l.) Christian Martin Lukas, Klaus Puschaddel, Bernd Saxe, Kathrin Weiher.
Sie haben viel vor im Geburtstagsjahr: (vorn v.l.) Christian Martin Lukas, Klaus Puschaddel, Bernd Saxe, Kathrin Weiher.

Auftakt zu einer Vielzahl an Veranstaltungen und Aktionen unter dem Motto „Lübeck hat Geburtstag“

shz.de von
12. Januar 2018, 16:27 Uhr

Das kann heiter werden! Zum Auftakt in das Jahr des 875. Stadtgeburtstages haben die Zeremonienmeister und –meisterinnen in den Audienzsaal des Lübecker Rathauses geladen. Natürlich gab es Torte, natürlich war die aus Marzipan und stammte aus dem Haus vis-à-vis. Vor allem aber gab es einen Blick auf das, was es wie zu feiern gibt: Lübeck. „87,5 Geschichten zum Stadtjubiläum“ liegen schon mal als Katalog und online vor. Es darf gestöbert werden – und geplant. Das Programm ist prall.

Bernd Saxe weiß, was er seinem Amt schuldig ist. Als Bürgermeister ist er Vormann des internationalen Städtebundes „Die Hanse“, der die Fackel des mittelalterlichen Erbes in die Gegenwart tragen will. Und so erinnert er daran, dass die Hanse schon 20 Jahre nach Gründung der Stadt entstand und nicht nur deren Schicksal, sondern auch das globale prägen sollte. An das Wesen der Hanse, den freien Handel untereinander in der ganzen (bekannten) Welt erinnert er bei seiner Begrüßung im Audienzsaal. An das Überwinden von Feindseligkeiten und Streitigkeiten und den Konsens, den es braucht, um als Global Player zu agieren. Und er macht einen Ausflug in die Zeit der einstigen gewaltigen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung seiner Stadt, in der das mittelalterliche Herz des nordeuropäischen Handels schlug.

Schon ist er mittendrin im Feierjahr. „Born to be queen“ steht vorne im Buch der 87,5 Lübeck-Geschichten, das den Titel „Lübeck erzählt uns was“ trägt. So wird später im Jahr auch die Ausstellung heißen, an der die Lübecker Museen, das Europäische Hansemuseum, Archiv, Stadtbibliothek, die städtischen Bereiche Archäologie und Denkmalpflege gemeinsam arbeiten, und die verspricht, man werde „aus dem Staunen nicht herauskommen“. Das Museumsquartier St. Annen-Museum in der südlichen Altstadt und das Hansemuseum in der nördlichen werden Ausstellungsorte sein – Jubiläum Lübeck umfassend gewissermaßen, wie das übrige Festjahr auch.

Dass Kultur im weiteste Sinne der dickste Brocken im Festprogramm ist, liegt in der Natur der Sache. Lübeck ist, wenn auch nicht Kulturhauptstadt, so unübersehbar Kulturstadt, und die Lübecker seien Kulturmenschen, sagt Kultursenatorin Kathrin Weiher.

Backstein vom feinsten, Geschichte und Geschichten aus neun Jahrhunderten, die im Buch kurz erzählt und auf einer Punkteskala von 1 bis 5 auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden, Theater, Musik, Festival, Filmtage – gut gepolstert ist das Programm auch, weil das, was ohne Stadtjubiläum auch zu erleben wäre, mit aufgenommen ist. Daniel Hopes Lübecker „Familienstücke“ zum Beispiel, die im SHMF-Sommer zum vierten Mal als Festival im Festival durch die Stadt ziehen, das Brahms-Festival, der 100. Geburtstag der Overbeck-Gesellschaft, der 60. der Nordischen Filmtage Lübeck und der 25. des Buddenbrookhauses – Institutionen, die aber eben alle auch Teil der Lübecker Geschichte und in diesem Jahr ganz besonders glanzvoll sind. Da bitten die Nordischen Filmtage im Juni schon mal zur „Midsommar“-Kinonacht an den Krähenteich, Gabriele Pott präsentiert bei ihrem Musikfest „Kunst am Kai“ auf der Wallhalbinsel die Lübeck-Jugendoper „Tausend Jahre und ein Tag“ und die zweite Auflage des Hanse-Kulturfestivals zieht im Juni ins Aegidienviertel und wird ein Fokus auf ein Quartier lenken, das „immer ein bisschen verkannt“ ist (Weiher).

Und dann gibt es noch die Extras, die sich zum 875. Geburtstag besonders gut machen. Einen dicken Vogel hat das Theater an der Beckergrube abgeschossen, das im Juni die Jahreshauptversammlung des Deutschen Bühnenvereins an die Trave und die Teilnehmer in die Vorstellungen und gewiss auch zu anderen Geburtstags-Attraktionen lockt. Die Bedeutung des kompakten Festprogramms unterstreicht Senatorin Weiher mit dem ebenso kompakten Begriff „Umwegrentabilität“: Gäste lassen Geld in der Stadt.
Last but not least präsentiert Christian Martin Lukas, Chef des Lübeck Travemünde Marketing (LTM) Ideen, die im ehrwürdigen Backstein-Lübeck durchaus unkonventionell sind. Online ist ein Logo-Generator offen für persönliche Liebeserklärungen an die Stadt. „875 – Lübeck hat Geburtstag“ – diese Urversion kann individuell gestaltet werden. „Lübeck feiert durch“ schlägt die Redaktion des Stadtmagazins „Piste“ in einem Spot vor oder „Lübeck ist besser als Kiel“. Womit man wieder in der Geschichte wäre. Die Konkurrenz zwischen den beiden Städten hat Tradition und Klaus Puschaddel erinnert als stellvertretender Stadtpräsident vorsichtshalber an das Verbindende. Immerhin hat Ministerpräsident Daniel Günther den Lübeckern bescheinigt, stolz auf ihre Stadt sein zu können (und zu sollen). Das soll 2018 gefeiert werden.

>Tipp: Programm, Geschichten und Logo-Generator gibt es auf der Website luebeck-hat-geburtstag.de.



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