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Lübeck: Stillstand an der Untertrave

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Nach dem Bürgervotum für Erhalt der Winterlinden geht die Diskussion über einen Umbau der Straße weiter

Das Ergebnis steht, aber gestritten wird weiter: Beim Lübecker Bürgerentscheid hat es am Sonntag eine denkbar knappe Mehrheit für den Erhalt der 48 Winterlinden an der Untertrave gegeben. Während die Baum-Retter sich schon für Gespräche über modifizierte Umgestaltungspläne bereit machten, zeigt die Lübecker Stadtverwaltung klare Kante: Mit diesem Votum sei das 15,6 Millionen Euro teure Umgestaltungsprojekt perdu – mindestens vier, fünf Jahre werde nun gar nichts passieren an der Untertrave. Und an einen neuen Bürgermeister müssen sich die Lübecker auch gewöhnen.

Rückblick zum Wahlsonntag: Das vorläufige Endergebnis steht früh fest. Um 20.07 Uhr verkündet Bürgermeister Bernd Saxe (SPD): 50,3 Prozent der Wähler haben bei der Frage „Sollen die vorhandenen Winterlinden der Straße ,An der Untertrave’ zwischen der Braunstraße/Holstentor und der Drehbrücke erhalten bleiben und die Umgestaltungspläne entsprechend geändert werden? Ja oder Nein?“ mit „Ja“ gestimmt – und damit gegen die entschiedenen Pläne des Verwaltungschefs. Fast gleichzeitig geht der Streit um die 48 Linden und die städtische Verschönerung, der sie zum Opfer fallen sollten, in eine neue Runde. Nicht nur in einschlägigen Diskussionsforen, auch von Vertretern städtischer Einrichtungen ist von einer „Minderheit“ die Rede, von einer „Handvoll Verweigerer“ und „Moralaposteln“, die die Entwicklung der Stadt unerträglich verzögert hätten. Tatsache ist, dass von 177  827 Wahlberechtigten nur 41  269 abgestimmt haben, 206 ungültige Stimmen abgezogen, bleiben 41  063, davon „Ja“-Stimmen: 20  659, was einen Vorsprung von 255 Stimmen ausmacht.

David habe Goliath besiegt, sagt Lutz Fähser, ehemaliger Chef der Stadtforsten, der sich mit lauten Zweifeln an zwei Baumgutachten an die Seite des Aktionsbündnis „Lübecks Linden Leben Lassen“ gestellt hat. Und er beschreibt, was vielen durch den Kopf geistert, nämlich, dass es weniger um die Linden an sich, als vielmehr um ein „Gespür für Unehrlichkeit und Ehrlichkeit in der Politik“ gehe.

Das große Schweigen seitens der Stadt war da eine der Kröten, die den Baumaktivisten im Hals stecken geblieben war, ein 2014 beschlossenes Aus für die 48 Bäume etwa, das erkennbar aber erst im Frühjahr 2016 an die Öffentlichkeit sickerte und als ein dem Zeitmangel geschuldetes Versäumnis präsentiert wurde.

„Das Ergebnis des Bürgerentscheids ist die klare Quittung für mangelnde Dialogfähigkeit im Rathaus“, sagt auch Michelle Akyurt, die Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Lübecker Bürgerschaft. Nun liegt die Quittung vor. Der Frust im Gegenlager, das mit einem „Jetzt oder nie“ zum Bürgerentscheid gerufen hatte, ist entsprechend groß. Dort fällt im Zusammenhang mit den Lindenaktivisten sogar das Wort „Mobilmachung“. Und während die Baum-Retter noch von überarbeiteten Plänen in Sachen Umbau der Untertrave reden, sagt Saxe: „Eine Förderung der Umgestaltung besteht nicht mehr.“ Für ihn ist die Sache damit gestorben. Gestorben seien auch Aufträge, die vielen Firmen in Aussicht standen, sagt Lübecks Bausenator Franz-Peter Boden.

Dass sein Verzicht auf eine neuerliche Kandidatur für das Bürgermeisteramt etwas mit dem Bürgerentscheid zu tun habe, wischt Saxe vom Tisch. Er hatte den Entschluss vor Schließung der Wahllokale verkündet. „Eine Woche früher wäre klarer gewesen“, murrt es aus den Reihen seiner Parteigenossen.




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