Lübeck: Scheitert Wallhalbinsel-Projekt?

Die Neugestaltung der Nördlichen Wallhalbinsel ist umstritten.
Die Neugestaltung der Nördlichen Wallhalbinsel ist umstritten.

Stadtverwaltung fordert Neubewertung des Vorhabens der „Projektgruppe Initiative Hafenschuppen“

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09. Mai 2019, 15:31 Uhr

Lübeck | Die Nördliche Wallhalbinsel soll neu gestaltet werden. Das ist seit vielen Jahren erklärtes Ziel in der Hansestadt. Seit Januar 2016 arbeitet die „Projektgruppe Initiative Hafenschuppen“ an der Umsetzung ihrer Pläne. Doch urplötzlich könnte die bauliche Entwicklung dieses besten Areals am Rand der Altstadt scheitern. Die Stadtverwaltung äußert jetzt Bedenken und fordert von der Politik „eine Neubewertung“. So droht unter anderem die Verlegung der Kraweel „Lisa von Lübeck“ nach Rostock.

Die Planungen für die Nördliche Wallhalbinsel haben eine lange Geschichte: Vor mehr als zwölf Jahren hatte die Bürgerschaft einer Neugestaltung der Halbinsel zugestimmt. Ein isländischer Investor wollte für 160 Millionen Euro eine sogenannte „Hafen-City“ bauen. Es gab einen städtebaulichen Wettbewerb, dann kam die Bankenkrise und der Investor verschwand auf Nimmerwiedershen. Die nächste Idee: Die Hansestadt verkauft einzelne Grundstücke des Areals zwischen Wallhafen und Hansahafen (Stadttrave). Die ersten Pläne waren fertig, als nach zwei Jahren eine Bürgerschaftsmehrheit das Umsetzung des Vorhabens stoppte. Die „Bürgerinitiative rettet Lübeck“ forderte vehement den Erhalt historischer Hafenschuppen. Sie versammelte zahlreiche Experten und konnte mit der daraufhin gegründeten „Projektgruppe Initiative Hafenschuppen“ (PIH) ein Entwicklungskonzept vorlegen, das im Januar 2016 in der Bürgerschaft eine Mehrheit fand und sich damit gegen die Stadtverwaltung durchsetzte.

Jetzt meldet sich die Verwaltung zu Wort und kritisiert eine Abweichung vom ursprünglichen Konzept derPIH. So sei das geplante Parkhaus einem Bürogebäude gewichen. Noch gewichtiger sei aber, dass die gemeinnützige „Gesellschaft Weltkulturgut Hansestadt Lübeck“ sich nicht mehr auf Nördlichen Wallhalbinsel halten könne. Der Verein droht mit Auflösung. Die Folge: Das repräsentative Kraweel „Lisa von Lübeck“ würde nach Rostock ausweichen müssen.

Der Verein und auch andere Anlieger würden ihre Räume auf der Wallhalbinsel lieber von der Stadt pachten. Das ist zwar grundsätzlich möglich, dann müsste sich aber die Stadt an den Erschließungskosten des Areals beteiligen. Die wurden im Jahr 2015 mit sechs Millionen Euro angegeben. Die Stadt schätzt, dass sie tatsächlich inzwischen wesentlich höher liegen. Die Verwaltung spricht daher von einem Millionen-Risiko. Jetzt ist die Politik wieder gefordert, Entscheidungen zu treffen.

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