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Tod des Literaturnobelpreisträgers : Lübeck plant Trauerfeier für Günter Grass im Mai

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Es soll eine große Gedenkfeier im Lübecker Theater werden, um den Schriftsteller zu ehren. Die Vorbereitungen laufen bereits.

Lübeck | Nach dem Tod von Literaturnobelpreisträger Günter Grass laufen die Vorbereitungen für eine große Trauerfeier der Stadt Lübeck. Die Gedenkfeier soll Anfang Mai im Lübecker Theater stattfinden. „Wir sprechen mit der Familie des gestorbenen Literaturnobelpreisträgers und offiziellen Stellen in Berlin noch das Datum und den Ablauf ab“, sagte der Leiter des Günter Grass-Hauses, Jörg-Philipp Thomsa, am Dienstag. Grass habe ihm zu Lebzeiten gesagt, im Todesfall mit einem Gedenken im Lübecker Theater einverstanden zu sein. Zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland, darunter der Schauspieler Mario Adorf und der „Blechtrommel“-Filmregisseur Volker Schlöndorff, würden erwartet, sagte Thomsa.

Grass war am Montagmorgen im Alter von 87 Jahren in einem Lübecker Krankenhaus an den Folgen einer Infektion gestorben. Seine Familie war bei ihm. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert hatte der Autor des Romans „Die Blechtrommel“ in Behlendorf bei Lübeck gewohnt.

Die Todesnachricht löste ein internationales Echo aus. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker würdigte Grass als „großen Europäer“, der sich immer für die Schwachen und die Verlierer eingesetzt habe. Der linke griechische Regierungschef Alexis Tsipras erklärte am Abend, „Griechenland hat einen wertvollen Freund verloren“. Grass hatte 2012 mit seinem Gedicht „Europas Schande“ den Griechen beigestanden.

Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa sagte der Deutschen Welle: „Günter Grass wird ohne jeden Zweifel als einer der bedeutendsten Autoren unserer Zeit in Erinnerung bleiben. Ich denke, dass er einer der wichtigsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts ist.“

In Polen wurde Grass besonders gewürdigt. Wenige hätten so viel wie Grass zur Verbesserung der deutsch-polnischen Beziehungen beigetragen, sagte der polnische Schriftsteller Pawel Huelle („Weiser Dawidek“). Grass stammte aus Danzig und war Ehrenbürger der Stadt.

Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz bezeichnete Grass als „einen von uns“. „Er war unser Landsmann“. In der städtischen Galerie in Danzig ist ein Kondolenzbuch ausgelegt.

In Israel wurde auch Kritik laut an Grass. Der Verband hebräischsprachiger Schriftsteller in Israel würdigte zwar die literarischen Verdienste von Grass. Zugleich bleibe der Autor jedoch auch nach seinem Tod umstritten. Denn Grass habe bis zu seinem Tod „keine Reue über seine harten anti-israelischen Äußerungen gezeigt“.

Der Zentralrat der Sinti und Roma bezeichnete Grass als engen Freund und Förderer. „Europas Umgang mit seiner größten Minderheit hat Günter Grass seit vielen Jahren bewegt“, teilte der Zentralratsvorsitzende Romani Rose mit. 1997 gründete Grass in Lübeck gemeinsam mit seiner Frau die „Stiftung zugunsten des Romavolks“.

In Deutschland hatten Politiker und Kulturschaffende Grass' literarische Verdienste und sein politisches Engagement für sozial Benachteiligte und die Demokratie hervorgehoben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, „mit dem Tod von Günter Grass verliert die Bundesrepublik Deutschland einen Künstler, von dem ich mit tiefem Respekt Abschied nehme“. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Grass als einen großen Autor und streitbaren politischen Geist. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel nannte Grass einen Wegbegleiter, engen Freund und Ratgeber der deutschen Sozialdemokratie.

Auch der Schriftsteller Uwe Tellkamp verneigte sich vor Grass. „Er war ein Klassiker schon zu Lebzeiten“, erklärte Tellkamp der Deutschen Presse-Agentur. „Er hatte eine Meinung - man musste sie nicht teilen, aber er hatte eine. (...) Verbeugung, Günter Grass: Sie waren ein seltener Kerl.“

Am Dienstag hat Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sich mit bewegenden Worten im Kondolenzbuch im Grass-Haus in Lübeck verabschiedet. „So viele unvergessliche Geschichten, so viele wundervolle Bilder hast Du meinem Leben geschenkt“, schrieb Albig. „Mein Verständnis von Literatur wäre ohne Dich nicht denkbar. Ich bin so dankbar, dass ich Dich kennenlernen durfte. Einen großen Mann, der immer bescheiden blieb. Du bist mein Vorbild. Du bleibst unvergessen. Danke! Dein T. Albig“.

Zuvor hatten sich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini dem gestorbenen deutschen Literaturnobelpreisträger im Grass-Haus ihre Reverenz erwiesen. Auch sie trugen sich - außerhalb des offiziellen Programms des G7-Außenministertreffens - in das Kondolenzbuch ein.

Der Leiter der Ausstellungs- und Forschungseinrichtung, Jörg-Philipp Thomsa, schenkte allen drei Politikern jeweils ein Exemplar der Lithografie „Vogel“. Grass hatte die Grafik 2014 geschaffen.

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erstellt am 14.Apr.2015 | 07:06 Uhr

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