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Lübeck

22. Oktober 2017 | 09:01 Uhr

Lübeck kippt die „Kailine“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Bürgerschaft der Hansestadt beschließt den Stopp des ambitionierten Bauprojekets

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2013 | 00:33 Uhr

„Das ist ein historisch schwarzer Tag für Lübeck“, sagt Lübecks Wirtschaftssenator Sven Schindler. Die Bürgerschaft der Hansestadt hatte nach fast fünf Stunden Debatte das Projekt „Kailine“ – die Bebauung der Nördlichen Wallhalbinsel gekippt. Jetzt soll ein Bürgerentscheid zum Thema geprüft werden. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) hat unterdessen angekündigt, trotz des Beschlusses weiter an der Verkaufsvorlage zu arbeiten.

Die SPD hatte zwei Stunden vor der Sitzung noch einen Kompromissvorschlag eingereicht. Auf einem der zehn Baufelder solle sozialer Wohnungsbau entstehen, der Hafenschuppen A solle erhalten bleiben, und auf einem Feld solle ein Hotel das Areal beleben. SPD-Fraktionschef Jan Lindenau kritisierte, dass es in den übrigen Fraktionen keine Kompromissbereitschaft gebe.

CDU-Fraktionschef Andreas Zander warnte vor einem Kostenrisiko für die Stadt. Neben den Sachargumenten stand aber vor allem das Gefühl im Raum, dass vor allem die Lübecker das Projekt „Kailine“ ablehnen. Man könne nach „Stuttgart 21“ keine Großprojekte ohne breiten Konsens und öffentliche Beteiligung mehr realisieren, argumentierte Zander auch mit Blick auf die gescheiterte Grünstrand-Bebauung in Travemünde.

Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) verwies darauf, dass das Projekt in den Fraktionen vorgestellt worden sei. Mit der Ablehnung der „Kailine“ werde es keine Investoren mehr geben, die Geld für die Ausarbeitung qualitativ hochwertiger Pläne ausgeben. So habe ihn bereits der Investor für das AquaTop-Grundstück in Travemünde angerufen, ob seine Pläne noch realisierbar seien.

Erst nach über vier Stunden Sitzung einigten sich CDU, Grüne, Linke, Bruno Böhm (Freie Wähler) und Bastian Langbehn (Die Partei) auf ein gemeinsames Vergehen: Das Projekt wird gestoppt, und der Bürgermeister soll prüfen, ob ein Bürgerentscheid zur Bebauung der nördlichen Wallhalbinsel möglich ist.

Die erste Stellungnahme der Kaufmannschaft, der Kreishandwerkerschaft und der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck (IHK) fällt so aus: „Mit keinerlei Verständnis nehmen wir den Entschluss der Lübecker Bürgerschaft zur Kenntnis, das Kailine-Projekt umgehend zu beenden. Damit wird nicht nur das Vertrauen der Investoren nachhaltig zerstört, sondern auch die Entwicklung des Standortes insgesamt um viele Jahre verzögert.“ Nun müsse der Neustart genutzt werden, um zügig ein Gesamtkonzept für das gesamte Areal vom Schlachthofgelände und der Roddenkoppel bis hin zur nördlichen Wallhalbinsel zu erarbeiten, „damit die Entwicklung nicht zum Stillstand kommt.“

Bürgermeister Bernd Saxe will indes weiter am Projekt „Kailine“ arbeiten. Die entsprechende Verkaufsvorlage beabsichtigt er, im November vorzulegen. „Das werden wir noch bewerten“, kommentierte e CDU-Fraktionschef Andreas Zander.

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