Lübeck: Handel ist nur bedingt fit für die Zukunft

Die Lübecker Innenstadt wartet mit vielfältigem Angebot auf dank zahlreicher von Inhabern geführten Geschäften. Doch immer mehr Menschen verzichten auf Einkaufserlebnis und kaufen online.
Die Lübecker Innenstadt wartet mit vielfältigem Angebot auf dank zahlreicher von Inhabern geführten Geschäften. Doch immer mehr Menschen verzichten auf Einkaufserlebnis und kaufen online.

Wirtschaftsförderung Lübeck macht auf wachsende Bedeutung des Onlinehandels aufmerksam

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30. März 2018, 17:11 Uhr

Nur ein Viertel der Handeltreibenden in Lübeck bietet seine Waren auch online an. Viele haben noch Wissenslücken in diesem Bereich. Das zeigt eine aktuelle Studie. Die Wirtschaftsförderung drängt zum Handeln: Der Online-Handel werde weiter wachsen.

Charlotte Leuchten, Studentin der Fachhochschule Lübeck, hat in Zusammenarbeit mit der städtischen Wirtschaftsförderung Lübeck die Herausforderungen für den stationären Einzelhandel in Lübeck untersucht. In ihrer Abschlussarbeit bewertet die Studentin die allgemeine Situation des inhabergeführten stationären Handels in Deutschland mit Blick auf die Digitalisierung und untersucht dazu lokale und regionale Marktplatzlösungen.

Auf den Straßen der Altstadtinsel wurden zudem Passanten und Geschäftsinhaber direkt befragt. Mit der Befragung wurden Bedarfe, Probleme und Wünsche exemplarisch erhoben und abschließend auf Basis aller Ergebnisse in Handlungsempfehlungen für den Standort Lübeck überführt.

Mit Blick auf den Standort Lübeck lassen sich folgende Ergebnisse festhalten:

>Nur ein Viertel der Befragten Händler (26 Prozent) verkaufen ihre Waren auch online

>Ein Drittel der Befragten (29,6 Prozent) verfügt über keine eigene Website.

>36 Prozent nutzen keine sozialen Medien für ihr Geschäft.

Als häufigsten Hinderungsgrund für verstärkte online Aktivitäten geben die Lübecker Einzelhändler den Aspekt personelle Ressourcen an. 54 Prozent geben an, dass sie in diesem Bereich sehr schlecht oder schlecht aufgestellt sind. Es folgen finanzielle Ressourcen (33 Prozent) und die eigene Qualifikation (29 Prozent). Auch scheint die Notwendigkeit für Onlinehandel seitens des Handels nicht gesehen zu werden: 73 Prozent der befragten Geschäftsinhaber sehen den Einstieg in den Onlinehandel in naher Zukunft als nicht oder eher nicht sinnvoll an.

„In Lübeck sind die Auswirkungen des Onlinehandels – auch dank der noch guten Tourismuszahlen – noch nicht so massiv zu spüren wie andernorts“, sagt Dario Arndt, Prokurist bei der Wirtschaftsförderung Lübeck, der die wissenschaftliche Arbeit begleitet hat. Aber auch hier werde sich die Situation in den kommenden Jahren verschärfen. „Um an der Verlagerung Richtung Online-Geschäft teilzuhaben und nicht darunter zu leiden, müssen die Einzelhändler sich jetzt um diese Themen kümmern und ihre Geschäftsmodelle anpassen“, so Dario Arndt weiter.

Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer haben in diesem Zuge bereits Anfang des Jahres Gespräche stattgefunden. Durch gezielte Formate sei geplant, das Bewusstsein der Händler in diesem Bereich zu stärken und sie mit dem nötigen Know-how auszustatten.

Angedacht ist auch eine „Location-Based-Advertising App“, die den Weg in die Fachgeschäfte mit ihren Angeboten zeigt. Vor allem die zukünftigen Zielgruppen, die Passanten unter 36 Jahren, würden eine App gerne nutzen – immerhin 46 Prozent. „Wichtig ist der Dialog mit den Händlern und den Partnern am Standort Lübeck. Wir können nur gemeinsam erfolgreiche Lösungsansätzen entwickeln“, sagt Arndt. Die Studie gebe dazu wichtige und grundlegende Impulse, die genutzt werden sollten. Vor dem Hintergrund der Aufhebung des Geo-blocking im Online-Handel durch die EU-Kommission, werde der Druck zudem weiterwachsen.

„Ein Trading down Effekt (Runterwirtschaften), wie bereits in vielen Oberzentren zu beobachten, darf in Lübeck nicht passieren“, so Arndt. Erste Tendenzen zeichneten sich aber bereits in einigen Straßen der Hansestadt ab.

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