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Lübeck

18. Oktober 2017 | 17:51 Uhr

Lübeck 2016 ist weltoffen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein bunter Aktionstag von „Klopf Klopf. Lübeck ist weltoffen“ findet am 19. März in der Hansestadt statt

Der Aktionstag „Klopf Klopf. Lübeck ist weltoffen“ – vor vier Jahren vom gleichnamigen Verein auf die Beine gestellt – lädt am 19. März zum fünften Mal zur Errichtung und Pflege einer Erinnerungskultur ein. Die Betonung liegt auf „Kultur“. Denn Auslöser für die Gründung der Initiative war der alljährlich in Lübeck stattfindende Neonazi-Aufmarsch, vermeintlich aus Anlass der Bombardierung Lübecks 1942. Seit 2013 marschieren Neonazis nicht mehr am Sonnabend nach Palmarum in der Hansestadt, geblieben ist die Gegenbewegung – in diesem Jahr so bunt wie nie.

Rückblick auf die Unrechtsherrschaft ist eine Seite der Klopf-Klopf-Medaille. „Der Blick auf die aktuelle Situation die andere“, sagt Ante Peters-Hirt, die für die Programmgestaltung steht. Man wolle nicht bei Erinnerung stehen bleiben, sondern den Wert der Demokratie aufzeigen. Im Fokus: das Leben von Flüchtlingen im Deutschland des Jahres 2016 und die Probleme, die dieses Zusammenleben bereitet. Schon vor dem 19. März beleuchten Vorträge, Diskussionen und Filme das Themenfeld. Mit Sport, genauer mit Fußball, als integrativer Kraft geht es am Aktionstag zur Sache. Mit Hilfe des VfB Lübeck richtet die Initiative eine Mini-WM auf dem Markt aus: Acht Teams mit jeweils fünf bis sechs Spielerinnen oder Spielern in zwei Gruppen, die, unterbrochen von der offiziellen Eröffnung des Aktionstages, bis in den Nachmittag um den Sieg spielen. „Wir wollen zeigen, wo das Miteinander unterschiedlicher Kulturen klappt“, sagt Sven Theißen vom VfB-Marketing und –Vertrieb, „Sport ist da einfach eine der besten Gelegenheiten.“

Herzstück des Aktionstages sind die historischen Stadtspaziergänge. Zehn sind für den Nachmittag geplant, allesamt „Klassiker“, die auch Aktuelles aufgreifen. Der Spaziergang zum Thema „Vertreibung und Ermordung“ etwa führt zur (und erstmals in die) Synagoge an der St. Annen-Straße, wo es neben Geschichte auch um die Sanierung des Gebäudes geht. In der Kunsthalle St. Annen nebenan kreist die Sonderausstellung des US-amerikanischen Aktionskünstlers Ken Aptekar um „Nachbarn“, ihr Besuch ist ebenso Teil des Spaziergangs wie die Erinnerung an den Juristen und Politikwissenschaftler Arnold Brecht, der an der Musterbahn 1 geboren wurde. Brecht hatte von Hitler am 2. Februar 1933 nach dessen Antrittsrede im Reichsrat die Achtung von Recht und Gesetz gefordert, wurde wenige Tage später als Reichsbeamter entlassen und emigrierte in die USA. Er starb 1977 in Eutin. Der Spaziergang führt auch an die Musterbahn 8 (Museum für Natur und Umwelt), wo noch 1932 die jüdische Abteilung im Museum für Völkerkunde eröffnet wurde.

Weitere Nachmittagsspaziergänge lauten „Gedenken. Orte der Mahnung“, „Menschen und Verfolgung. Recht und Unrecht in Lübeck“, „Kunst und Erinnerung“, „Die Folgen der Machtübertragung“, „Wort, Bild, Theater und Musik“, „Bauen und Zerstörung“, „Informieren und Aufklären“, „Stolpersteinrundgang“, „Flüchtlingssolidarischer Stadtrundgang“. Alle starten um 13.45 nach dem ökumenischen Gottesdienst mit Pröpstin Petra Kallies und Dechant Joachim Kirchhoff in der Marienkirche (12.30 Uhr), Eröffnung auf dem Marktplatz (13 Uhr) und Begrüßung u.a. von Bürgermeister Bernd Saxe, Pröpstin Kallies und Klopf-Klopf-Aktivisten.

Rund 120 Menschen sind mit Organisation und Durchführung des Aktionstages beschäftigt. Wie viele Menschen seine Angebote wahrnehmen, können Antje Peters-Hirt und Olivia Kempke bestenfalls schätzen: Man sammelt sich zu den historischen Stadtspaziergängen. Aber, sagt Peters-Hirt, „üblicherweise startet der Spaziergangsleiter mit einer Gruppe von sagen wir 25 Personen und kommt mit der doppelten Anzahl ans Ziel, weil sich Leute unterwegs dazugesellen“. Alles kein Problem, im Gegenteil: Es ist erwünscht. Anmeldung ist nur erforderlich bei der auf 25 Teilnehmer begrenzten Radtour zum Gelände der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik (DWM) in Schlutup, bei der der Weg nachvollzogen wird, den einst Zwangsarbeiter täglich zurücklegen mussten.

>Das komplette Programm des Aktionstages sowie die Termine der Auftaktveranstaltungen gibt es im Internet unter www.klopfklopf.net


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