„Lesen statt strafen“ zeigt Wirkung

Projekt „Lesezuweisung“ der Resohilfe Lübeck hilft jugendlichen Straftätern

shz.de von
22. Juli 2015, 16:05 Uhr

In Zusammenarbeit mit der Lübecker Jugendgerichtshilfe bietet die Resohilfe Lübeck seit einem halben Jahr ein richtungsweisendes s Projekt an: „Leseweisung“ für Jugendliche und Heranwachsende, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Die Ursachen hierfür und die Delikte sind vielfältig.

Juleka Schulte-Ostermann, Geschäftsführerin der Resohilfe, erklärt: „Straffällige Jugendliche und Heranwachsende erhalten vom Gericht die Auflage, unter Anleitung Bücher zu lesen.“ In einem ersten Gespräch wird für die jugendlichen Mädchen oder Jungen ein geeignetes Buch ausgewählt, am besten eins, das mit der Tat und der Person der Jugendlichen zusammenpasst. „Die Auswahl des richtigen Buches ist ein entscheidender Punkt“, erläutert Torger Bünemann, Mitarbeiter der Resohilfe. „Alles, was mit erhobenem Zeigefinger daher kommt, ist unbrauchbar.“

Manche Jugendliche denken, dass sie nun unter Aufsicht lesen müssen, aber das ist nicht so. Die Jugendlichen entscheiden selber, wann und wo sie lesen, müssen jedoch immer wieder zu Gesprächen in die Resohilfe kommen. „Dabei geht es nicht nur um die Bücher, sondern auch um allgemeine Lebensthemen.“

Das übergeordnete Ziel der Leseweisung ist, dass die Jugendlichen ihre Tat reflektieren und zukünftig straffrei bleiben. „Aber es werden natürlich weitaus mehr Ziele mit der Leseweisung erreicht. Die Lese- und Kommunikationskompetenz wird gestärkt und die Reflexion eigener Verhaltensweisen und Einstellungen findet statt“, ergänzt Bünemann.

Ein Jugendlicher zieht eine positive Bilanz: „Die Leseweisung ist eine völlig andere Art eines Gerichtsurteils. Anfangs war mir das Ganze eher suspekt. Als ich dann das Buch bekam, bemerkte ich, dass jedes der drei Bücher, die ich hätte wählen können, etwas mit mir zu tun hat und ziehe durchweg eine positive Bilanz.“

Das zunächst auf zwei Jahre befristete Projekt wird durch Zuweisung von Geldauflagen finanziert. Die Buchhandlung Hugendubel spendete zum Projektstart 30 Bücher. Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit der Jugendgerichtshilfe der Hansestadt Lübeck umgesetzt.

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