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Lübeck

21. Oktober 2017 | 02:10 Uhr

Lebhafte Debatte über das Museum

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das neu konzipierte Holstentor Museum soll die historischen Verbindungen Lübecks mit dem Rest der Welt veranschaulichen

Die Stadtgeschichte Lübecks im internationalen Kontext darzustellen und neben Lübecker Objekten auch Exponate aus der seit 2008 geschlossenen Völkerkundesammlung zu zeigen: Dies ist ein Kerngedanke des Konzepts zur Neugestaltung des Museums Holstentor. Der erste Entwurf wurde im Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung (ZKFL) der Öffentlichkeit vorgestellt und von Fachleuten und interessierten Bürgern lebhaft diskutiert.

Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Leitender Direktor der Lübecker Museen, und Dr. Brigitte Templin, Leiterin der Lübecker Völkerkundesammlung, stellten das Konzept vor: In den drei Stockwerken des Holstentors sollen unter den Schlagwörtern „Abgrenzung“, „Kontakt“ und „Miteinander“ die historischen Verbindungen Lübecks mit dem Rest der Welt veranschaulicht werden.

Neben den wirtschaftlichen Beziehungen sollen auch die kulturellen thematisiert werden, etwa unter der Fragestellung, wie der Zuzug von Menschen aus anderen Kulturen das städtische Leben verändert und bis heute geprägt hat. Im Zusammenspiel von Stadtgeschichte und Weltgeschichte soll ein zeitlicher Bogen von der Gegenwart bis zum Zeitpunkt der Errichtung des Holstentors gespannt werden. Der Schwerpunkt liegt auf der Zeit vom 18. bis 20. Jahrhundert. Auch die dunklen Kapitel der Stadtgeschichte sollen beleuchtet werden: die Zeit des Kolonialismus, der Erste Weltkrieg und das Dritte Reich, die Jahrhunderte zurückreichende Ausgrenzung und Verfolgung von Juden in Lübeck oder die bis heute bestehenden Klischees und Vorurteile über Volksgruppen wie die Sinti und Roma.

Das Konzept wurde von den Experten mehrheitlich als ambitioniert und zeitgemäß gelobt. Viel Zuspruch erhielt die Idee, Exponate aus der Völkerkundesammlung zu zeigen, da sie einmalige Stücke umfasse, die Kunstliebhaber aus aller Welt anziehen könnten. Zugleich wurde angemahnt, dass mit der neuen Ausstellung im Holstentor die Frage nach der Zukunft der Völkerkundesammlung keinesfalls abgehandelt wäre. So hoben
die Museumsdirektoren aus Hamburg und Bremen die große Bedeutung ethnologischer Museen angesichts der Herausforderungen der Integration von Flüchtlingen hervor.

Die Frage, inwiefern Lübeck in Vergangenheit und Gegenwart als weltoffen bezeichnet werden dürfte, wurde kontrovers diskutiert. In diesem Zusammenhang wurde gefordert, dass in der neuen Ausstellung auch der koloniale Hintergrund der Gründungszeit der Völkerkundesammlung thematisiert wird.

Einige Kritiker bemängelten die wenig behindertengerechten baulichen Gegebenheiten des Holstentors. Zudem wurde aus dem Publikum der Wunsch geäußert, für den Verbleib lieb gewonnener Exponate auch in der neuen Ausstellung Platz zu reservieren. Hierzu zählt neben den gern gesehenen Folterinstrumenten auch das alte Stadtmodell aus Holz, mit dem viele Lübecker Kindheitserinnerungen an Besuche im Holstentor verbinden würden.

Insgesamt ergab die Fachdiskussion als Ergebnis, dass das vorgestellte Konzept vom Grundsatz her eine große Chance für Lübecks Museumslandschaft darstelle, da es diese Verknüpfung von Stadtgeschichte und Ethnologie bisher nirgends gebe. Lübeck könne mit diesem Vorhaben Maßstäbe setzen. Allerdings sei es notwendig, den Zusammenhang von Lübecker Stadtgeschichte und Sammlung noch genauer zu fassen, als dies bisher geschehen sei.

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