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„Königstraße für Verkehr sperren“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Grüne legen ein Verkehrskonzept für die Lübecker Innenstadt vor und wollen Diskussion voran treiben

Wie lässt sich der Handel in der Stadt befördern? Wie viel Verkehr verträgt die Altstadt? Über diese Fragen wird – ungeachtet aller Veränderungen – seit Jahren gestritten. Jetzt hat die Bürgerschaftsfraktion der Grünen Vorschläge unterbreitet, wie die Attraktivität der Innenstadt weiter gesteigert werden könne. Zentrales Element des Konzepts: die Befreiung der Königsstraße vom Durchgangsverkehr.

Thorsten Fürter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, und Silke Mählenhoff: „Wenn die Lübecker Innenstadt im Konkurrenzkampf mit Einkaufszentren auf der Grünen Wiese und dem boomenden Online-Handel bestehen will, müssen wir ihre Attraktivität erhöhen. Unser Konzept sieht vor, dem Beispiel anderer Städte zu folgen und den Verkehr erheblich zu beruhigen.“ Lübeck müsse seine Stärke als Handelszentrum im historischen Umfeld künftig voll ausspielen.

Das Konzept wurde von einer Arbeitsgruppe der Fraktion im Anschluss an einen öffentlichen Kongress zur Zukunft der Innenstadt erarbeitet. Die Fraktion der Grünen beabschichtigt, im Jahr 2016 die Diskussion mit betroffenen Menschen, Unternehmen und Interessengruppen zu führen.

„Die Königsstraße bleibt wegen des Durchgangsverkehrs heute deutlich unter ihrem Potenzial. Einen Bereich in der Mitte der Altstadt zwischen Breite Straße und Königsstraße zu schaffen, der komplett verkehrsberuhigt ist, wäre ein städtebaulicher Meilenstein“, so Fürter und Mählenhoff.

Trotz vorgeschlagener Sperrung der Königstraße müsse die Mobilität in der Innenstadt verbessert werden. So soll der Busverkehr im Zentrum auf anderen Linien erhalten und durch eine Anbindung der Kanalstraße auch der nördliche Teil besser versorgt werden. Fürter: „Um das Umsteigen vom Auto auf den Bus gerade am Wochenende für Familien zu erleichtern, wollen wir für Samstage probeweise ein Ein-Euro-Ticket einführen.“

Die geforderten Einzelmaßnahmen im Überblick:

>  Sperrung der Königsstraße ab Wahmstraße für motorisierten Durchgangsverkehr.
>  Raumgewinn durch den Abbau aller Parkplätze in der Königstraße.
>  Verbleibende Verkehre werden in der Königstraße nach dem Prinzip des Shared Space organisiert (Lieferverkehr mit klar gekennzeichneten Lieferstreifen weiter möglich).
>  Prüfung der Führung des innerstädtischen Busverkehrs über Schüsselbuden als Ausweichroute für die entfallende Königstraße.
>  Zusätzliche Anbindung der Kanalstraße an Busverkehr.
>  Zufahrt zu den Rippenstraßen (Hüxstraße, Fleischhauer Straße, Dr.-Julius-Leber-Straße) nur noch in elektronisch gesicherter Weise für AnwohnerInnen zugänglich.
Beruhigung der Wahmstraße/Krähenstraße durch bauliche Veränderungen.
>  Einführung eines Leihcycle-Sytems.
>  Mehr Fahrradparkplätze in der Innenstadt, zum Beispiel auf dem Schrangen.
>  Stärkung des KWL-Parkhauses „Am Burgtor“ statt Neubaus in der „Fährstraße“. Falls Parkraum nördlich der Altstadt trotzdem erhöht werden muss, wird ein Bau unterhalb des Gustav-Radbruch-Platzes bevorzugt.
>  Fahrradstraße St.-Annen-Straße bis Burgtor vom Autoverkehr befreien (gesichert durch versenkbare Poller) und dortiges Kopfsteinpflaster vollständig abschleifen.
>  In den Rippenstraßen und am Koberg das Kopfsteinpflaster wo erforderlich abschleifen oder abfüllen.
>  Absenkung der Bordsteine, wo noch nicht geschehen (etwa Königstraße, nördliche Breite Straße).
>  Investitionsplanung für eine ansprechende Straßengliederung und ansehnliche Straßen- und Wegebeläge (Beispiele: Welterbe- und Hansestadt Wismar, in Lübeck: Fleischhauerstraße).
>  Probeweise Einführung eines Tagestickets für ein Euro an Sonnabenden in der Verkehrszone 6000.
>  Ausweitung des Anwohnerparkens auf Randbereiche der Altstadt (Hauptbahnhof, Falkenwiese), wenn verwaltungsrechtlich zulässig.
>  Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit auf der gesamten Altstadt und auf der Wallstraße und der Falkenstraße.
>  Weitere Temporeduzierungen durch Spielstraßen und Shared Space sollen möglich bleiben. Deren Ausweitung (zum Beispiel in der Beckergrube) ist zu prüfen.
>  Bau der Stadtgrabenbrücke.

Unterstützung erhalten die Grünen von der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU (KPV). Lars Rottloff, KPV-Kreisvorsitzender: „Es ist richtig solche Diskussionen anzustoßen, um der City mit dem Einzelhandel neue Impulse zu geben. Zu lange wurde in Teilen der Lübecker Politik die Meinung vertreten, kein Wettbewerb mit der Innenstadt und Stopp an der Grünen Wiese ist der Königsweg. Das hat dem Einzelhandel insgesamt geschadet und dem Standort Lübeck.“

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