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Lübeck

23. Oktober 2017 | 08:46 Uhr

Kleinod-Rettung durch Umzug

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Lübeck: „Die kleine Drogerie, die alles hat“ bleibt der Pfaffenstraße erhalten, zieht aber dennoch um

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Es ist der Kultladen in der Hansestadt: die „Drogerie Grabner“ in der Pfaffenstraße. Hier gibt es lose alles zu haben, was es sonst nirgendswo mehr in dieser Form gibt. Martin Redetzki war seit den 50-er Jahren die Seele dieses Ladens. Nach seinem Tod im Juni war ungewiss, wie es weiter geht.

Sie haben einfach weitergemacht, als wäre nichts verändert: Als Inhaber Martin Redetzki überraschend verstarb, führten die drei Angestellten – Simone Jäger, Katja Paustian und Rita Petersen – die Drogerie Grabner in seinem Sinne weiter. „Es war der Wunsch nicht nur von uns, sondern auch der Familie und vor allem der Kunden, dass ,Die kleine Drogerie, die alles hat' erhalten bleibt“, sagt Simone Jäger.

Und nach einem halben Jahr der Testphase, ob es auch ohne Urgestein Redetzki geht, wagen alle den symbolischen Neustart. „All die Monate konnten wir keine Antwort auf die täglichen bangen Fragen unserer Kunden und Nachbarn geben. Nun endlich können wir sagen: Die kleine Drogerie bleibt ein Teil Lübecks“, sagt Katja Paustian. Neu wird allerdings nur der Standort sein – aber keine Sorge, die „Drogerie mit dem Wimmel-Charakter“, so Hilmar von Netz, Sohn von Inhaber Redetzki, bleibt dem Standort Pfaffenstraße treu. Ab März soll das Geschäft gegenüber – in Hausnummer 11 – in neuen Räumen residieren. Der Verkauf gehe bis dahin ohne Unterbrechung in den alten Räumlichkeiten weiter, so von Netz. Und damit der Wiedererkennungswert gegeben ist, werde die gesamte Einrichtung in das neue Haus gebracht und wieder aufgestellt. „Die Ware wird auch dort wieder von der Decke hängen“, sagt Simone Jäger. Und die Regale werden wieder voller Ware sein, die es in vielen anderen Geschäften kaum noch zu finden gibt – wie Pfeifenbürsten oder weihnachtliche Oblaten.

Verändern soll sich möglichst wenig, versprechen Simone Jäger und Katja Paustian. Das umfangreiche Sortiment traditioneller Spezialartikel soll aber durchforstet werden. Farben und Lacke würden reduziert. „Die kaufen die Kunden heute eh’ im Baumarkt“, sagt Katja Paustian. „Wir wollen aber eine Drogerie bleiben“, ergänzt die Angestellte. Folglich bleibe somit das Maler-Zubehör wie Terpentin und Pinsel im Programm. „Bestellungen erreichen uns aus ganz Deutschland, da es immer schwieriger wird, Produkte wie Altarkerzen oder Staubwedel aus Straußenfedern bei den großen Handelsketten zu erhalten“, freut sich Simone Jäger.

Jüngst schaute auch Bürgermeister Bernd Saxe in dem Kleinod in der Altstadt vorbei. Er zeigte sich wie viele Kunden erleichtert über den Fortbestand des Geschäfts, das es seit 1872 an dieser Stelle gibt. „Die Aufgabe der Drogerie Grabner wäre ein großer Verlust für Lübecks Innenstadt und seine Bürger. Insbesondere die inhabergeführten Fachgeschäfte, die sich durch Individualität und fachliche Beratung auszeichnen, prägen Lübecks Atmosphäre“, so Saxe. „Und solange die Kunden kommen, werden wir weitermachen“, sagt Simone Jäger.

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