„Keine Aufregung vor Amtsantritt“

Lübecks designierter Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) tritt sein Amt am 1. Mai an. Mit 38 Jahren ist Lindenau der jüngste Bürgermeister in der 875-jährigen Geschichte der Stadt.
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Lübecks designierter Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) tritt sein Amt am 1. Mai an. Mit 38 Jahren ist Lindenau der jüngste Bürgermeister in der 875-jährigen Geschichte der Stadt.

Lübecks designierter Bürgermeister Jan Lindenau will Verwaltung modernisieren, Schulden abbauen, mehr Transparenz schaffen

shz.de von
01. Januar 2018, 12:40 Uhr

In fünf Monaten beginnt im Lübecker Rathaus eine neue Ära: Am 1. Mai löst Jan Lindenau (SPD) Bernd Saxe nach 18 Jahren als Bürgermeister ab. Mit 38 Jahren ist Lindenau der jüngste Bürgermeister in der 875-jährigen Geschichte der Stadt.

Auf Lindenau warten schwierige Aufgaben: Marode Straßen, Brücken und Schulgebäude müssen saniert werden, Bürger müssen zum Teil Wochen lang auf Termine in den Ämtern warten, die Stadt schiebt einen Schuldenberg von 1,5 Milliarden Euro vor sich her. Doch Lindenau blickt seinem Amtsantritt gelassen entgegen. „Ich bin nicht aufgeregt, aber ich bereite mich vor“, sagt er. „Ich werde Gespräche mit allen Bereichsleitern und den Spitzen der städtischen Gesellschaften führen, um mir einen Überblick zu verschaffen. Es gibt im Vorwege ordentlich was zu klären, so dass ich etwa zwei Monate vor meinem Amtsantritt aus meinem jetzigen Job aussteigen werde“, sagt Lindenau, derzeit noch Handlungsbevollmächtigter bei einer großen Bank.

Oberste Priorität hat für Lindenau die Modernisierung der Verwaltung und der IT-Ausstattung. „Hier geschieht die Zeiterfassung noch per Lochkarte“, sagt er etwas amüsiert. „Ich will das Verwaltungshandeln für die Bürger transparenter machen, zum Beispiel mit einem öffentlich zugänglicher Mängelmelder. Dort können Bürger ihre Anliegen direkt digital erfassen und den Bearbeitungsstand online abrufen“, so Lindenau. Die wegen Personalmangel geschlossenen Bürgerbüros will er mittelfristig wieder eröffnen. Der noch amtierende Bürgermeister Saxe (SPD) hatte in den vergangenen Jahren wegen des Haushaltsdefizits eine Wiederbesetzungssperre verhängt. „Rückblickend betrachtet war das der richtige Weg, nur die parallel dazu notwendige Aufgabenkritik hat gefehlt“, sagt sein designierter Nachfolger. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung könne man die jetzt ganz anders diskutieren. „Ich stelle mir vor, dass wir in Bereichen wie der Pflege oder der Kindertagesbetreuung wieder mehr Fachkräfte einstellen, um auf die absehbare Pensionierungswelle vorbereitet zu sein“, sagt Lindenau.

Die Stadt Lübeck hat rund 3500 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon wird bis 2026 aus Altersgründen ausscheiden.

In Sachen Schuldenabbau sieht Lindenau, der seit 2013 Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft ist, die Stadt auf dem richtigen Weg. Oberstes Ziel der Haushaltspolitik sei für ihn, die Kassenkredite, also die städtischen Überziehungskredite in Höhe von aktuell 200 bis 250 Millionen Euro, zurückzufahren, betont er. „Das geht nur, indem wir Haushaltsüberschüsse erzielen, die zu 50 Prozent für die Schuldentilgung und zu 50 Prozent für Investitionen genutzt werden müssen“, sagt der gelernte Banker. Dabei ist der Verwaltungschef jedoch auf die Haushaltsdisziplin der Bürgerschaft angewiesen. Mit welchen politischen Kräften es Lindenau da zu tun bekommt, weiß er noch nicht, denn am 6. Mai – wenige Tage nach seinem Amtsantritt – finden Kommunalwahlen statt. „Es werden zwei bis drei zusätzliche Gruppierungen in die Bürgerschaft einziehen, die aber jeweils nur wenige Sitze bekommen werden“, vermutet Lindenau. Derzeit sind zehn Parteien und Wählerinitiativen dort vertreten. „Ich setze aber darauf, dass die Bürger die Notwendigkeit klarer Mehrheiten erkennen und die beiden großen Faktionen CDU und SPD gestärkt aus der Wahl hervorgehen werden“, sagt Lindenau, der sich für Kommunalwahlen die Wiedereinführung der Fünf-Prozent-Hürde wünscht. „Wenn man eine arbeitsfähige Stadt will, braucht man klare Mehrheiten“, sagt der künftige Bürgermeister von Lübeck.

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