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Lübeck

22. Oktober 2017 | 21:39 Uhr

„Kein Tag wie jeder andere“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ortstermin: Von Hutschachteln und einem „Plan B“ / Besuch auf dem Tower des Lübecker Flughafens

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Auf dem Rollfeld macht sich eine Ryanair-Maschine gerade bereit zum Abflug, eine Sportmaschine brummt über den Platz und einige Segelflieger turnen in Richtung Blankensee in der Luft herum – doch Patrick Czupkowski spricht von Hutschachteln. In diesen denkt der Lübecker Fluglotse nämlich. Zumindest für Außenstehende.

Seine kleine Hutschachtel hat allerdings andere Abmessungen als die, in die gewöhnlich Kopfbedeckungen passen: Sie ist etwa 600 Meter hoch, knapp 24 Kilometer lang und rund zwölf Kilometer breit. Es ist Czupkowskis Luftraum, den der gebürtige Duisburger im Blick haben muss – und damit letztendlich auch die Flugzeuge und Hubschrauber, die sich in ihm bewegen.

Morgens um 6.15 Uhr, wenn der Dienst beginnt, wird nicht zuerst Kaffee gekocht wie in anderen Büros in und um Lübeck. Als erstes wird in den Himmel geschaut. „Wir sind akkreditierte Wetterbeobachter des Deutschen Wetterdienstes“, sagt Czupkowski nicht ohne Stolz. Denn schließlich stammen die Angaben in den Wetterberichten von Funk, Fernsehen und Zeitungen über Niederschlag, Temperatur und Co. aus dem Tower des Lübecker Flughafens.

Alle 30 Minuten müssen diese Beobachtungen und Messungen nach Hamburg zur Wetterdienst-Zentrale gemeldet werden – also auch, wenn gerade Maschinen nach Informationen vom Tower verlangen. „Die haben dann aber natürlich Vorrang“, sagt Czupkowski, der seit 20 Jahren als Fluglotse arbeitet – fast sieben Jahre davon auf dem Lübecker Tower.

Ab 7 Uhr ist der Lübecker Airport betriebsbereit – und er bleibt es bis 22 Uhr. Bereits 20 Minuten später landet bereits der erste Linien-Flieger. Bis die Maschine die Piste verlässt, muss sie den Anweisungen der Fluglotsen gehorchen. Anschließend hört sie auf das Kommando der Bodenmannschaft.

Räumliches Vorstellungsvermögen und die Gabe, Geschwindigkeiten einschätzen zu können, sind das A und O in diesem Job – neben besten Kenntnissen von Mathematik, Physik und letztendlich auch der Luftfahrt. Neben den Towerlotsen wie ihm gibt es dann noch die so genannten Radar-Lotsen, so Czupkowski. Letztere koordinieren wiederum die „Hutschachteln“ der einzelnen Towerlotsen und die Bereiche drum herum. Lübeck wird von Bremen aus betreut. Anfliegende Maschinen werden Czupkowski und seinen Kollegen von dort gemeldet. Und wie die Piloten müssen auch die Lotsen jährlich zum Fliegerarzt. Körperlich und geistig fit muss man sein für diesen Job, auch wenn sich der sportliche Aspekt des Berufsbildes eher auf das Treppensteigen zum Tower beschränkt.

„Kein Tag ist wie der andere“, sagt Czupkowski und lehnt sich zurück, um im gleichen Augenblick durch das Krächzen der Funkanlage wieder nach vorn zu schnellen. Eine Sportmaschine möchte landen. Anweisungen folgen. Manchmal werden die nicht gleich befolgt. „Rechts! Nein, das andere Rechts“, ruft Czupkowski über Funk. Kein Wunder also, dass der Fluglotse die Flieger in zwei Gruppen unterteilt: Die Profis (die Linien-Flieger) und die „Anspruchsvollen“ (die Hobby-Flieger). Freizeit-Pilot hin, Ryanair-Flieger her: Für jeden Flieger lohne es sich, „immer einen Plan B in der Tasche zu haben – und am besten noch einen Plan C“, sagt Czupkowski augenzwinkernd. Neben der Abwechslung und täglich neuen Herausforderungen in seinem Beruf gefällt Czupkowski, „dass man nach Feierabend, nicht wie in anderen Berufen, keine Arbeit mit nach Hause nehmen kann“.



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