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Lübeck

17. Oktober 2017 | 23:30 Uhr

Kaum Gedenkorte für Fluchtopfer

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

25 Jahre nach dem Mauerfall: Historikerin mahnt Erinnerungsorte entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze im Norden an.

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2014 | 15:07 Uhr

Lübeck | Ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der innerdeutschen Grenze wird an nur ganz wenigen Orten im Norden an den „Eisernen Vorhang“ und die Fluchtopfer gedacht. Zumindest in Mecklenburg-Vorpommern sollen mehr Gedenksteine und -tafeln an die Menschen erinnern, die bei Fluchtversuchen ums Leben gekommen sind – das hat jetzt die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Anne Drescher, angeregt. Bisher gebe es nur sehr vereinzelt solche Erinnerungsorte am ehemaligen Grenzverlauf, sagte sie in Schwerin.

Nach Recherchen der Historikerin Sandra Pingel-Schliemann kamen an der rund 230 Kilometer langen ehemaligen Grenze zwischen Lübecker Bucht und Elbe mindestens 27 Menschen ums Leben. Für ihr neues Buch „Ihr könnt doch nicht auf mich schießen! – Die Grenze zwischen Lübecker Bucht und Elbe“ hat sie erfolgreiche und erfolglose Fluchtversuche in den damaligen DDR-Nordbezirken Schwerin und Rostock zusammengetragen. Ihren Recherchen zufolge starben im Grenzabschnitt zwischen Pötenitz an der Lübecker Bucht und Lütkenwisch an der Elbe mindestens 27 Menschen.

Pingel-Schliemann erzählt traurige Geschichten, etwa die von Hary Atno Krause, dem vermutlich jüngsten Grenzopfer im Norden. Mit elf Jahren wurde er von einem Grenzpolizisten erschossen, als er am 31. Januar 1951 auf dem zugefrorenen Goldensee bei Groß Thurow (Nordwestmecklenburg), einem Grenzgewässer, mit anderen Kindern Schlittschuh lief.

Heinz-Georg Steinhagen und Manfred Kerbstadt erfroren im Februar 1968 bei dem Versuch, die Pötenitzer Wiek, eine Ostseebucht zwischen Pötenitz in Mecklenburg und Travemünde im Westen, mit einer Luftmatratze zu überqueren.

Die 18-jährige Barbara Schütz ertrank im Dezember 1973 in der winterlichen Elbe bei Boizenburg. Sie wollte in den Westen zu ihrem Freund, der zwei Monate zuvor die DDR verlassen hatte.

An nicht einmal eine Handvoll Opfer erinnern heute Gedenksteine oder Gedenktafeln am Ort des Geschehens, sagte Drescher. Das solle im 25. Jahr des Mauerfalls anders werden. „Es ist wichtig, dass man das Gedenken regional verortet.“ Regionale Initiativen in den ehemaligen Grenzorten sollen angestoßen werden. Zunächst soll dazu im Mai eine Radtour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze im Norden und zu den Orten der nachgewiesenen Todesfälle stattfinden.

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