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Lübeck

22. August 2017 | 10:00 Uhr

Kailinie: Tag der Entscheidung

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Heute stimmt die Bürgerschaft über das Projekt ab – doch die Standpunkte der Parteien dazu sind sehr unterschiedlich

Wird das 150-Millionen-Euro-Projekt gestoppt oder nach 25 Jahren der Planungen durchgewunken? Heute ist die „Kailine“ – die Bebauung der Nördlichen Wallhalbinsel – Thema in der Bürgerschaft. Anträge von CDU und Grünen liegen vor, die das Projekt stoppen sollen. Und während sich Gegner und Befürworter in Stellung bringen, befeuerte der Schleswiger Immobilienentwickler Volker Schlüschen jetzt die Diskussion zusätzlich. Wie von der Lübecker Wohnungswirtschaft befürchtet, plant der Geschäftsführer des Unternehmens „Auf der Freiheit“, eine Schadenersatzklage einzureichen, wenn die Bürgerschaft das Projekt kippen sollte. Ein Anwalt sei bereits beauftragt, der Schaden werde mit 5,5 Millionen Euro veranschlagt – die Kosten für den Architektenwettbewerb und entgangenen Gewinn.

>Standpunkt der SPD: Fraktionsvorsitzender Jan Lindenau: „Die SPD-Bürgerschaftsfraktion steht zum Projekt Kailine. Durch den Bau neuer Wohnungen in zentraler Altstadtnähe werden unsere Ziele von einer wachsenden Stadt, für eine fortschrittliche, zukunftsweisende und wirtschaftliche Entwicklung unter Berücksichtigung einer sozialen Durchmischung Realität. Das Konzept der Investoren überzeugt. Wird Kailine gestoppt, stünde eine millionenschwere Klage des Investors vor der Tür und der Ansehensschaden des Immobilien- und Wirtschaftsstandortes Lübeck wäre über Jahre beschädigt.“

>Standpunkt der CDU: Kreisvorsitzende Anette Röttger: „Wir halten das Projekt Kailine für unsolide finanziert und schädlich für die Stadtplanung, die touristische Attraktivität Lübecks und die Entwicklungsfähigkeit der Innenstadt. Eine ursprünglich beauftragte und versprochene Bürgerbeteiligung hat zu keinem Zeitpunkt stattgefunden. Die Ergebnisse des Architekturwettbewerbs sind enttäuschend. Die Nördliche Wallhalbinsel braucht dringend Investitionen und Erneuerung, dafür sind auch wir. Doch ausschließlich hochpreisiges Wohnen anzubieten, wird der Entwicklung Lübecks Schaden zufügen.“


>Standpunkt der Grünen: Fraktionschef Thorsten Fürter: „Wir wollen die Architektur der Hafenschuppen erhalten. Das Projekt Kailine zerstört auf der Nördlichen Wallhalbinsel Baukultur und setzt phantasielos Klötze mit Wohnungen für die Superreichen an die Stelle. Dafür ist der Standort zu schade. Wir haben dort die Möglichkeit, mit den Hafenschuppen eine interessante neue Architektur zu schaffen und die Tradition der Hafenstadt aufzunehmen. Die Bebauung war im Wahlkampf für viele Bürger das entscheidende Thema. Wir werden halten, was wir vor der Wahl versprochen haben.“

>Standpunkt der Piraten: Pressesprecher Detlev Stolzenberg: „Die Entwicklung der nördlichen Wallhalbinsel ist für Lübeck wichtig. Bei der Aufstellung des Bebauungsplanes war seinerzeit eine lebendige Nutzungsmischung Ziel der Planung. Deshalb wurde ein Mischgebiet und kein Wohngebiet ausgewiesen. Bei der Diskussion über Kailine steht nicht das Baurecht zur Disposition. Wir wollen Nutzungsvielfalt und besondere Strukturen, um ein lebendiges Quartier mit einmaligen Standortqualitäten zu entwickeln. Deshalb muss die Investorensuche schleunigst modifiziert werden.“


>Standpunkt der BfL: Fraktionschef Marcel Niewöhner: „Wie in allen anderen Parteien gibt es auch bei uns Befürworter und Kritiker des Projektes Kailine. Unsere Meinungsbildung ist noch nicht abgeschlossen, da uns auch die Anträge der anderen Fraktionen zur Bürgerschaft noch nicht endgültig vorliegen. Nach Vorliegen dieser Anträge werden wir diese diskutieren und unser Abstimmungsverhalten festlegen. Einfach Nein sagen wollen wir nicht, wir wollen Perspektiven entwickeln. Wir stehen nicht unter Entscheidungs-Druck, denn wir haben Lübeck das Projekt nicht eingebrockt.“

>Standpunkt der Linken: Vorsitzender Sascha Luetkens:
„Wir sprechen uns für den Stopp des Kailinien-Projektes aus. Für uns steht fest: In Lübeck ist genug teurer Wohnraum gebaut worden. Die Menschen in unserer Stadt brauchen mehr sozialen Wohnungsbau. Wir sind mit dem Projekt unzufrieden, da weder eine behutsame Bebauung angestrebt wird, noch der soziale Wohnungsraum Berücksichtigung findet. Bedenken und Vorschläge aus der Politik und der Bevölkerung wurden nicht berücksichtigt. Deshalb muss das Projekt erst einmal gestoppt werden, damit eine ergebnisoffene Debatte geführt werden kann.“

>Download unter www.lübeck13.de. Der Offene Kanal Lübeck überträgt die Sitzung der Bürgerschaft am Donnerstag ab 15.30 Uhr live aus dem Rathaus über Antenne auf 98,8 Mhz.


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erstellt am 29.Aug.2013 | 00:37 Uhr

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