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Nach Insolvenz : Käufer für Flughafen Lübeck-Blankensee gefunden

vom

Seit September wurde nach einem neuen Investor gesucht. Um 15 Uhr soll der Kaufvertrag unterzeichnet werden.

Lübeck | Der Lübecker Flughafen Blankensee bekommt einen neuen Eigentümer. Der insolvente Regionalflughafen werde verkauft, sagte der Insolvenzverwalter Klaus Pannen am Montag. Der notarielle Kaufvertrag werde gegen 15 Uhr unterzeichnet. Wer der Käufer ist, wollte Pannen nicht sagen.

Der Flughafen Lübeck ist Schleswig-Holsteins einziger Airport mit regelmäßigen internationalen Verbindungen. Der Flughafen hat eine Reihe von Pleiten und Pannen hinter sich. Immer wieder hat man versucht, den Standort zu retten, doch ein gutes Konzept fehlte.

Nach unseren Informationen handelt es sich um Winfried Stöcker. Der Lübecker Unternehmer hatte im Mai bestätigt, dass er intensive Gespräche mit dem Insolvenzverwalter führe und hoffe, den Zuschlag zu erhalten. Er wolle den Flughafen und die Betriebsgenehmigung unbedingt erhalten, weil beides wichtig für Lübeck sei, sagte Stöcker. Sein Unternehmen Euroimmun liegt in unmittelbarer Nähe des Flughafens.

Nach dpa-Informationen soll der Flughafen zunächst für Geschäftsflieger weitergeführt werden. Ziel ist es aber, auch wieder Fluglinien nach Lübeck zu holen. Wichtig sei jetzt, dass die Betriebsgenehmigung für den Flughafen erhalten bleibe. 

Winfried Stöcker, Chef des Medizintechnik-Unternehmens Euroimmun, will die Betriebsgenehmigung des Airports erhalten.
Winfried Stöcker, Chef des Medizintechnik-Unternehmens Euroimmun, will die Betriebsgenehmigung des Airports erhalten. Foto: scholz
 

Die Begeisterung der Lübecker ist groß, doch Stöcker hat wegen zweifelhafter bundespolitischer Aussagen einen zweifelhaften Ruf. Im Dezember 2014 verbot er ein Willkommenskonzert für Kriegsflüchtlinge. Im Interview mit der Sächsischen Zeitung legte er nach: Diese Flüchtlinge seien ihm nicht willkommen. „Die reisefreudigen Afrikaner sollen sich dafür einsetzen, dass der Lebensstandard in ihrem Afrika gehoben wird, anstelle bei uns betteln zu gehen“, hatte er gesagt, sich hinterher öffentlich für die Wortwahl entschuldigt, in der Sache jedoch nicht nachgelassen.

In besten Zeiten 700.000 Passage im Jahr

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Lübeck-Blankensee als Ryanair noch flog.

Foto: Imago/sp
 

Der Flughafen Blankensee liegt im Süden der Hansestadt Lübeck an der Grenze zur Gemeinde Groß Grönau (Kreis Herzogtum Lauenburg). Zu den besten Zeiten im Jahr 2009 wurden am Flughafen knapp 700.000 Passagiere abgefertigt, 2014 waren es noch 169.000. Aktuellere Zahl liegen nicht vor, derzeit gibt es keinen Linienflugbetrieb mehr. Lübeck-Blankensee wurde 1917 als „Kaiserliche Flugschule“ für das Militär gegründet. Seit dem Jahr 2000 hoben Charterflieger und Linienmaschinen der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair in Lübeck ab.

Von 2005 bis 2009 war der neuseeländische Infrastrukturkonzern Infratil Mehrheitsgesellschafter des Flughafens. Nach dessen Rückzug fiel der Airport an die Stadt zurück, Lübeck musste den Kaufpreis von rund 27 Millionen Euro erstatten. Ein Bürgerentscheid rettete den Regionalflughafen zunächst vor der Schließung. 

Die Geschichte des Abstiegs

Ende 2012 erteilte die Lübecker Ratsversammlung dem ägyptischen Geschäftsmann Mohamad Rady Amar den Zuschlag. Doch Mitte 2014 verkaufte der seine Anteile plötzlich an dubiose Strohmänner und tauchte ab. Der Flughafen musste zum ersten Mal Insolvenz anmelden.

Wegen des Wegfalls aller Linienverbindungen hat der Flughafen seit Mitte April keine Einnahmen mehr. Am 1. August 2014 übernahm der chinesische Geschäftsmannes Chen Yongqiang den Flughafen. Er wollte eine Flugschule in Lübeck-Blankensee ansiedeln und chinesische Medizintouristen nach Lübeck holen. Doch nur ein Jahr später überwies er kein Geld mehr, der Flughafen musste zum zweiten Mal Insolvenz anmelden. Seither sucht Pannen einen neuen Investor und hat die Frist zum Vertragsabschluss bereits mehrfach verlängert.

Klaus Pannen, Insolvenzverwalter, Chen Yongqiang, Käufer des Flughafens Lübeck, Bernd Saxe (SPD), Bürgermeister Lübecks und Yong Huiqun, Generalkonsul Chinas in Hamburg, (l.-r.)beim Festakt anlässlich des Kaufs des Flughafens Lübeck durch die chinesische PuRen-Group.
Klaus Pannen, Insolvenzverwalter, Chen Yongqiang, Käufer des Flughafens Lübeck, Bernd Saxe (SPD), Bürgermeister Lübecks und Yong Huiqun, Generalkonsul Chinas in Hamburg, (l.-r.)beim Festakt anlässlich des Kaufs des Flughafens Lübeck durch die chinesische PuRen-Group. Foto: dpa
 

Um die noch verbliebenen 31 Mitarbeiter und den Betrieb des Flughafens weiter bezahlen zu können, hatte Pannen zuletzt ein Grundstück am Flughafen verkauft. Der Erlös daraus ist seit Mitte Mai aufgebraucht.

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erstellt am 13.Jun.2016 | 10:17 Uhr

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