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Flughafenmisere in Lübeck : Insolvenzverwalter sieht gute Chancen für Flughafen Lübeck

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Der alte Eigentümer des Flughafens ist über alle Berge. Jetzt wittern die 2012 unterlegenen Mitbewerber ihre Chance. Der Insolvenzverwalter ist optimistisch, Lübeck-Blankensee erneut an den Mann bringen zu können.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 16:13 Uhr

Lübeck | Unmittelbar nach dem Insolvenzantrag des Lübecker Flughafens haben frühere Bewerber wieder ihr Interesse bekundet. In den beiden vergangenen Tagen hätten sich mehrere Interessenten gemeldet, darunter auch frühere Bieter, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Pannen am Freitag. Die Yasmina Flughafenmanagement GmbH habe erhebliche Verbindlichkeiten bei Lieferanten, Mitarbeitern und der Stadt Lübeck, sagte er weiter.

Dennoch halte er auch eine Eigensanierung über einen Insolvenzplan für möglich.Die Flughafengesellschaft hatte am Mittwoch Insolvenzantrag gestellt, nachdem der frühere Eigentümer Mohamad Rady Amar Mitte April überraschend die Muttergesellschaft der Yasmina verkauft hatte. „Es wäre wünschenswert, wenn der Flughafen frisches Kapital durch einen privaten Investor erhielte“, sagte Pannen. Nach den ersten Gesprächen sehe er auch gute Chancen, dass ein Investor einsteigen werde, sagte er.

Zu den alten und neuen Interessenten gehört auch der Lübecker Geschäftsmann Björn Birr von Bismarck. Er hatte sich bereits 2012 an dem Bieterverfahren für den Flughafen beteiligt, war dann aber Rady Amar unterlegen. „Wenn das Gespräch mit dem Insolvenzverwalter entsprechende Perspektiven aufzeigt, werde ich ein Angebot auf der Grundlage meines Konzeptes von 2012 unterbreiten“, sagte er.

Die Fluggäste wären froh, wenn es mit dem Flughafen weiterginge. „Die Insolvenz hat mich nicht sonderlich überrascht, es gab ja schon länger Spekulationen, dass es dem Flughafen nicht gut geht. Aber wir nutzen Lübeck gerne für Kurztrips in die Sonne“, sagte Christine Liebrecht aus Gronenberg im Kreis Ostholstein, die gerade aus Palma de Mallorca zurückgekehrt ist. Auch Manuela Roese aus Hamberge im Kreis Stormarn hat erst nach der Landung von der Flughafeninsolvenz erfahren. „Es wäre schade, wenn man nicht mehr von Lübeck aus fliegen könnte. Wir fliegen nicht gerne von Hamburg aus, für Kurzreisen ist es uns zu aufwendig, erst nach Fuhlsbüttel zu fahren“, sagte sie.

Eine Frau aus Lübeck sorgt sich um ihre für den Sommer bereits gebuchten Flüge nach Mallorca. „Wir haben dort Verwandte, die wir häufig besuchen. Jetzt überlege ich, ob ich Tickets zurückgebe oder erst mal abwarte“, sagte sie.Doch nicht nur Pannen, sondern auch der vom Gericht als Notgeschäftsführer eingesetzte Siegmar Weegen gibt sich optimistisch.

„Wenn das Konzept aufgeht, das wir bereits 2012 entwickelt haben und sich die positive Entwicklung von 2013 fortsetzt, könnte der Flughafen in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht nur seine Verluste reduzieren, sondern auch operative Gewinne erzielen“, sagte Weegen. Der 49-Jährige war von Oktober 2013 bis Ende März 2014 schon einmal Geschäftsführer von Lübeck-Blankensee. Zuvor hatte er als Vertreter der Hamburger Beraterfirma Aviation & Aircraft Assets den Verkauf des Flughafens an Rady Amar begleitet.

Auf die Frage, wann ihm denn als Geschäftsführer erstmals der Verdacht gekommen sei, die Yasmina GmbH könne in finanziellen Schwierigkeiten stecken, wollte er am Freitag nicht antworten. Nach Angaben der Hansestadt Lübeck wurde seit November keine Pacht mehr gezahlt. Die Staatsanwaltschaft Lübeck prüft derzeit routinemäßig, ob es einen Anfangsverdacht auf Insolvenzverschleppung gibt.

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