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Lübeck

20. Oktober 2017 | 02:29 Uhr

In der Unterwelt der Uniklinik

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das UKSH in Lübeck versorgt das Zentralklinikum über ein unterirdisches Tunnelsystem – mit ferngesteuerten Transport-Robotern

von
erstellt am 09.Okt.2013 | 00:34 Uhr

Menschenleere Tunnel, dazu futuristisch anmutende Rohrleitungen an Decken und Wänden sowie Maschinen, die sich wie von Geisterhand in den Gängen bewegen: Was wie Szenen aus einem Science-Fiction-Film anmutet, spielt sich jeden Tag wenige Meter unter dem Gelände des Universitätsklinikums ab. Und das vollkommen unbemerkt von der Öffentlichkeit.

„Das ist hier wie eine kleine Eisenbahn-Anlage“, scherzt Manfred Funck, Technischer Angestellter und zuständig für den reibungslosen „Schienenverkehr“ unter Tage. 32 so gegannte Robotrailer pendeln jeden Tag durch das fast fünf Kilometer lange Tunnelsystem. Ihre Mission: Das Zentralklinikum und das Gebäude 13 zu ver- und entsorgen. Mehr als 1000 Patienten bleiben so von Fahrten mit Lkw und Co. über Tage verschont. Das war im Grunde auch der Hintergedanke, der 1988 zu ersten Planungen der Automatischen Warentransport-Anlage – so der offizielle Name der unterirdischen Roboterwelt – geführt hat. Seit 1991 surren die Roboter durch die Tunnel.

Und wären die U-Bahn-Strecken des Universitätsklinikums nicht so gut beleuchtet, könnte die Atmospähre durchaus gruselig erscheinen. Beinahe lautlos bewegen sich die Robotrailer mit Schrittgeschwingkeit in den Tunneln. Wohin sie fahren, ist selbst den Mitarbeitern im Tunnelsystem nicht auf den ersten Blick klar – Destinationsschilder wie bei U-Bahnen sind nicht an den flachen Gefährten zu finden. Ein Hochleistungsrechner sorgt dafür, dass die batteriebetriebenen Fahrzeuge zu den einzelnen Stationen fahren. Sogar via Aufzüge bringen sie ihre Fracht – Essen hin, Wäsche und Müll retour. Alles in klinisch reinen Containern.

Damit die Hygiene gewahrt bleibt, werden die Container in einer ebenfalls unter Tage gelegenen Waschanlage gesäubert.

Per Zahlencode fordern die Mitarbeiter auf den einzelnen Stationen die Roboter an, der Computer berechnet die Route. Und das System schaut, welcher Robotrailer sich gerade in der Nähe befindet. Dieser erhält dann den Zuschlag für die Tour, ganz ähnlich wie bei einem Taxi-Unternehmen; damit der Kunde nicht zu lange warten muss.

Zwischen 5.30 und 20.30 Uhr ist Leben in den Tunneln. Zur Mittagszeit ist Rush-Hour, dann nämlich, wenn Stationen aus der Großküche mit Essen versorgt werden müssen. Ständig überwacht wird das Ganze von Manfred Funck und seinen Kollegen. In ihrem zentralen Leitstand laufen alle Fäden zusammen: Nicht nur die Robotrailer werden von hier aus überwacht und koordiniert, sondern auch die so genannte Kleinkasten-Förder-anlage, deren Schienensystem sich an der Decke des Tunnelsystems befindet. Aktenordnergroße Container gleiten ebenso lautlos wie die Robotrailer so von Station zu Station, befördern Befunde, Röntgenbilder oder auch Arzneimittel – ohne dass ein Mensch bei Botengängen überirdisch Unruhe auf den Fluren des Klinikkomplexes verursacht.

Verständlich, dass Menschen zwischen den ferngesteuerten Transportern nichts zu suchen haben. Damit die beispielsweise die 500 Kilogramm schweren Robotrailer nicht doch mal jemandem über den Fuß fahren, haben sie eine federnde, rot-lackierte Stoßstange an Vorder- und Rückseite. Kommt es zu einem Kontakt, stoppt das Gerät automatisch. „Dann müssen wir aber sofort in den Tunnel und den Robotrailer wieder in Gang setzen“, sagt Funck. Und bei viereinhalb Kilometer langen Gängen wird dazu schon mal das Fahrrad benutzt. Über Schienen würde aber niemand in den Tunneln stolpern: Die Trassen sind durch einen im Boden eingelassenen Leitdraht vorgegeben. Über Antennen verfolgen die Robotrailer den Weg durch das Gangsystem.
Wie das Zentralklinikum in den Jahren gewachsen ist, so wuchs auch die Anlage unter Tage. Wenn bis 2018 die „Kopf-Kliniken“ (HNO) dorthin umgezogen sind, sollen auch diese Bereiche mit den Robotern angefahren werden – ebenso unbemerkt und störungsfrei wie in den vergangenen 20 Jahren.


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