Ibis gibt vielen eine zweite Chance

Blickt wieder positiv in ihre Zukunft: Janette Arndt möchte dank  Ibis Friseurin werden.
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Blickt wieder positiv in ihre Zukunft: Janette Arndt möchte dank Ibis Friseurin werden.

Halbzeit beim Projekt Ibis in der Hansestadt / Bisher 155 Jugendliche fit für Beruf und Co. gemacht

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16. November 2013, 00:31 Uhr

Stolz ist sie auf ihre Leistung: „Jetzt habe ich mein Friseur-Zertifikat in der Tasche“, sagt Janette Arndt mit leuchtenden Augen. „Und jetzt kommt der Hauptschulabschluss dran.“ Jugendlichen wie der 20-jährigen Lübeckerin eine zweite Chance zu geben, ist Sinn und Zweck des Projekts Ibis – Kurzform für Interkulturelle Bildung in Systemen

Als „nicht immer einfaches Klientel“ beschreibt Pastor Kai Gusek, Geschäftsführer Gemeindediakonie Lübeck, die Zielgruppe von Ibis. „Das können junge Menschen sein, die Motivationsprobleme haben, aber auch psychische Schwierigkeiten“, sagt Joachim Tag, Geschäftsführer des Jobcenters Lübeck. Etwa 80 Prozent von ihnen haben keinen Hauptschulabschluss. Oder ihnen fehlt der Rückhalt einer Familie: „Frühe Mutterschaft und Obdachlosigkeit: Diese nicht selten anzutreffende Kombination lässt kaum Zeit, sich auf eine Berufsausbildung zu konzentrieren“, sagt Gabriele Sester, Projektleiterin Ibis.
Meist über das Jobcenter der Arbeitsagentur kommen die 17- bis 25-Jährigen zu Ibis. Hier geben feste Ansprechpartner – so genannte Coaches – Rückhalt, hier gibt es die Chance, innerhalb von sechs bis 18 Monaten durch tägliche Theorie- und Praxismodule wieder in die Schul- beziehungsweise Arbeitswelt zu kommen. Und das wollen die vier Lübecker Einrichtungen unter Federführung der Gemeindediakonie vor allem durch Motivation schaffen. Am Beispiel des Berufsbildes Friseur werde dies deutlich, so Sester: Viele hätten Spaß an der Praxis, nicht an der Theorie. Dass man aber zum Herstellen einer Farbmischung zum Haarefärben Prozentrechnung benötige, werde vielen erst in den Kursen deutlich.

Den Erfolg von Ibis zu messen, sei schwierig: „Ein Erfolg kann auch sein, dass jemand eine stationäre Therapie beginnt“, sagt Sester. So motiviert wie Janette Arndt scheinen aber nicht alle Teilnehmer zu sein.

„Vielen ist das Projekt egal, kommen nur wegen des Geldes“, sagt Arndt. Von den seit 2012 angetretenen 155 Jugendlichen im Projekt haben bisher acht den Hauptschulabschluss nachgemacht. Janette will die neunte sein und hofft danach auf einen Job als Friseurin.

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