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68-Jähriger aus Lübeck : Herr Opp „sammelt“ Städte

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Wolfram Opp aus Lübeck war in jeder der 76 deutschen Großstädte - und ist bald auch in jeder ein zweites Mal gewesen. Welche er am hässlichsten findet, bleibt sein Geheimnis.

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erstellt am 16.Dez.2013 | 10:34 Uhr

Lübeck | Andere sammeln Bierdeckel oder Briefmarken. Wolfram Opp (68) „sammelt“ Städte. Deutsche Großstädte, um genau zu sein. Weil man die in kein Album kleben kann, muss man hinreisen. Das hat er getan. Sämtliche 76 deutschen Städte mit mindestens 100 000 Einwohnern - erst dann sind es Großstädte - haben in den vergangenen 25 Jahren Besuch erhalten von Herrn Opp. Und „weil einmal keinmal ist“, hat sich der Lübecker vorgenommen, sämtlichen Großstädten mindestens zwei Besuche abzustatten. Bald ist es soweit: „Es fehlt nur noch der zweite Besuch in Ingolstadt, Erlangen und Offenbach.“ Im kommenden Jahr soll das geschafft sein.

Soeben war Wolfram Opp in Moers - wie immer mit dem Zug. Moers ist mit zuletzt knapp 104.000 Einwohnern eine der kleinen Großstädte und liegt westlich von Duisburg. Damit hat Opp das Kapitel Nordrhein-Westfalen geschlossen. Sämtliche 28 Großstädte in NRW - kein anderes Bundesland hat mehr - seien von ihm nun mindestens zweimal heimgesucht worden, erzählt er.

Wie er zu seinem ungewöhnlichen Hobby kam? „Das Reisen hat mich schon immer interessiert“, sagt Opp, der inzwischen im Ruhestand ist. Und damals in der DDR, als er im damaligen Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) lebte, erst als Mathe- und Sport-Lehrer, dann als Justiziar arbeitete, hörte er in den westlichen Medien immer die Städtenamen aus der nahen und doch so fernen Bundesrepublik.

„Da habe ich eine gewisse Sehnsucht entwickelt. Damals habe ich ja noch gedacht: Da kommst du nie hin.“ Doch 1988 wird - kurz vor der Wende - sein Ausreiseantrag bewilligt. Wolfram Opp kann loslegen und steuert die unbekannten Städte mit den vertrauten Namen an. Auf einer langen Liste deutscher Städte trägt er jedes Mal das Besuchsdatum ein.

Nun ist er binnen zweieinhalb Jahrzehnten zum Kenner deutscher Urbanität geworden, bleibt aber diplomatisch, wenn man ihn nach der hässlichsten Stadt fragt: „Ich will in jeder Stadt gewesen sein. Ob die schön ist oder nicht, interessiert mich nicht.“ Außerdem sei der Eindruck sehr subjektiv: „Das hängt vom Wetter ab und vom eigenen Befinden.“ Aber fast jede Stadt habe auf den zweiten Blick ihre schönen Ecken - manchmal müsse man eben etwas laufen, bevor man sie findet.

Grundsätzlich seien die großen Metropolen im Vorteil - schon allein von der Anzahl der Sehenswürdigkeiten. Nach einigem Zögern sagt er: „Dresden ist wunderschön.“ Und Recklinghausen, naja, da ging es ihm aber auch nicht so gut. Die letzte deutsche Großstadt, die Opp erkundete, war übrigens Bergisch-Gladbach.

Auf den ersten Eindruck am Bahnhof dürfe man ohnehin nicht allzu viel geben, sagt Opp. Das sei selten die schicke Visitenkarte einer Stadt. Nach ein paar Minuten Fußmarsch ändere sich das Bild meistens.

Einen Geheimtipp, eine Stadt, die gemeinhin als nicht sonderlich schön gilt, ihn aber positiv überrascht hat, hat er auch parat: „Braunschweig.“ Die Pfalz, der Dom und das Denkmal von Heinrich dem Löwen seien die Reisen wert gewesen. Herausgeputzt hätten sich in den vergangenen 25 Jahren vor allem die ostdeutschen Städte.

Manchmal besucht der Lübecker auch kleinere Städte. Lüdenscheid habe er allein wegen des Loriot-Sketches mit „Herrn Müller-Lüdenscheidt“ besucht. Zwickau hätte er sich eigentlich schenken können: Die Stadt ist inzwischen unter die 100 000-Einwohner-Marke gerutscht und somit keine Großstadt mehr.

2007 war er schon einmal in Moers, der erste Eindruck: „Trostlos.“ Aber an der ersten großen Kreuzung kommt die Erinnerung: „Jetzt erkenne ich das wieder“, sagt er und freut sich. Ausgerüstet mit Funktionsjacke, Cargo-Hose und Rucksack erkundet Opp die Stadt zu Fuß. Am Abend hat er auch an Moers noch die schöne Seite wiederentdeckt. „Einen wunderschönen Schlosspark und eine nette Fußgängerzone“, berichtet er, als er wieder im Zug sitzt.

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