zur Navigation springen

Hansestadt mit einigen Straßennamen auf Holzweg

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Drei sollen umbenannt werden / Leben und Werk von 14 Personen wird als kritisch angesehen

Die Umbenennung des Quandt-Platzes in Schlutup im Jahr 2011 hatte für viele Diskussionen gesorgt. Jetzt wurden alle 1810 Straßennamen in Lübeck überprüft. Das Ergebnis: Drei Straßen sollen umbenannt werden, bei zwei weiteren Namen besteht die Tendenz zur Umbenennung.

Bei der langen Liste der Straßennamen wurde das Leben und Werk von 14 Personen als kritisch angesehen. So soll der Hindenburgplatz umbenannt werden. Er erhielt 1933 von den Nationalsozialisten diesen Namen. „Hindenburgs Verantwortung für das Ende der Weimarer Republik war für die Lübecker Nationalsozialisten ein, wenn nicht der entscheidende Grund für die Ehrung durch einen Straßennamen“, so das Gutachten.

Auch der Lenardweg am Nils-Bohr-Ring wird umbenannt. Die Straße erhielt die Bezeichnung zwar erst 1961, aber der Physik-Nobelpreisträger Philip Lenard war Antisemit und Hauptvertreter einer „Arischen Physik“.

Die Pfitznerstraße, die 1957 ihren Namen nach dem 1949 verstorbenen Komponisten und Autor Hans Pfitzner erhielt, braucht ebenfalls neue Straßenschilder. Pfitzner habe sich auch nach 1945 noch antisemitisch geäußert. Sein „Lübeck-Bezug“ sei eher negativ. Er hatte sich 1933 an einer Unterschriftenaktion gegen Thomas Mann beteiligt.

Empfohlen wird die Umbenennung für die Lüderitz- und Wißmannstraße. Beide Bezeichnungen erinnern an die Kolonialzeit. Die Wißmannstraße hätte 1946 nach dem damals geltenden Recht nicht nach dem Befehlshaber der Kolonialtruppe in Deutsch-Ostafrika benannt werden dürfen. Die Lübecker taten es trotzdem. Die Alternative „Safaristraße“ gefiel ihnen nicht. Hier sollten zumindest erklärende Schilder angebracht werden, so das Gutachten. Der „Arbeitskreis Straßennamen“ empfiehlt die Anbringung eines QR-Codes. Dann könnten Zusatzinformationen mit dem Smartphone gegeben werden. Neun Straßen sollen nur erklärende Informationen zu den Personen bekommen. Das sind die Boelckestraße, der Fritz-Rörig-Weg, die Jahnstraße, der Johannes-Klöcking-Weg, die Kalkbrennerstraße, die Paul-Behncke-Straße, die Schäferstraße, die Von-Morgen-Straße und die Walderseestraße. Bei den ersten drei genannten Straßen sind 38 Erwachsene und zwölf Kinder sowie zwei Firmen betroffen. Die Stadt müsste den Betroffenen ihren Kosten erstatten. Das wäre eine Änderung von Fahrzeugscheinen (11,70 Euro) sowie neue Visitenkarten und Briefbögen (etwa 85 Euro pro Person). Der Austausch der Schilder und das Anbringen von Erklärungszusätzen schlägt mit rund 4000 Euro zu Buche.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen