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„Wir haben überreagiert“ : Handyfoto-Streit in Lübeck: Angreiferin zu Bewährungsstrafe verurteilt

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Zwei verschleierte Frauen fühlen sich durch ein Handyfoto provoziert. Der Streit mit der Fotografin eskaliert.

Lübeck | Nach einem eskalierten Streit um ein Handyfoto hat das Amtsgericht Lübeck eine 22 Jahre alte Frau zu einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten verurteilt. Die zum Islam konvertierte Frau hatte gestanden, im Januar 2016 in Lübeck eine 51 Jahre alte Autofahrerin aus Grevesmühlen angegriffen zu haben, weil diese sie und ihre Begleiterin mit dem Handy fotografiert hatte. „Das war ein nichtiger Anlass, der die Angriffe nicht gerechtfertigt hat“, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung am Mittwoch.

Das Verfahren gegen die zweite, 25 Jahre alte Angeklagte wurde gegen Zahlung von 150 Euro an den Kinderschutzbund Lübeck vorläufig eingestellt. „Es war nicht richtig, was ich getan habe. Aus heutiger Sicht würde ich nicht noch einmal so reagieren“, sagte sie am Mittwoch. Beide Frauen waren in bodenlangen Gewändern, aber ohne Gesichtsschleier vor Gericht erschienen.

An einer Kreuzung hatten die vollverschleierten Frauen am Tattag die Tür des haltenden Autos aufgerissen und versucht, der 51-Jährigen das Handy zu entreißen, um das Foto zu löschen. Dabei fielen wüste Beschimpfungen - von beiden Parteien, wie Zeugen in dem zweitägigen Prozess bestätigten. „Ich hatte Todesangst“, hatte die 51-Jährige am ersten Prozesstag ausgesagt. Die 22-Jährige sagte am Mittwoch: „Natürlich habe ich damals überreagiert, aber irgendwann ist das Fass eben so voll, das es überläuft.“ Sie sei in den Wochen vor der Tat auf der Straße immer wieder wegen ihrer Verschleierung beschimpft worden, ein Mann habe gedroht, seinen Hund auf sie zu hetzen, sagte sie.

Der Staatsanwalt hatte eine Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro gefordert. Der Verteidiger hatte für eine niedrige Haftstrafe plädiert, aber keinen konkreten Antrag gestellt.

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erstellt am 12.Jul.2017 | 17:51 Uhr

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