Totschlagsprozess in Lübeck : Gutachterin hält Angeklagten für schuldunfähig

Der 44-Jährige, der einen 78-jährigen Rentner erschlagen haben soll, litt zur Tatzeit unter paranoider Schizophrenie.

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21. August 2018, 14:01 Uhr

Lübeck | Der Mann, der am ersten Weihnachtstag 2017 in Lübeck einen Rentner auf offener Straße mit einem Ast erschlagen haben soll, litt nach Aussagen einer Sachverständigen zur Tatzeit unter paranoider Schizophrenie. Das sei die Tat eines psychiatrisch schwer kranken Mannes gewesen, sagte die Gutachterin am Dienstag im Prozess vor dem Lübecker Landgericht. Sie empfahl dem Gericht, die Unterbringung des Angeklagten in einer psychiatrischen Klinik anzuordnen. Dem 44 Jahre alten Angeklagten wird Totschlag vorgeworfen.

„In einem Explorationsgespräch am 8. August dieses Jahres hat mir der Angeklagte von Stimmen berichtet, die ihm die Rettung der Welt vor einem Monster befohlen haben“, sagte die Sachverständige. An die Tat selbst habe er bei dem Gespräch dagegen nur vage Erinnerungen gehabt. „Er schilderte mir eine Wahnwelt voller Halluzinationen“, sagte die Fachärztin für Psychologie und Psychiatrie.

Sie schilderte den Angeklagten als hochintelligent und sehr gebildet. In seiner Heimat Kasachstan habe er nach eigenen Angaben Abitur gemacht und ein Pädagogikstudium begonnen. 1973 sei er mit seiner gesamten Familie nach Deutschland übergesiedelt. Hier habe er sich als Autohändler selbstständig gemacht, berichtete die Sachverständige.

Auch ein Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Lübeck schilderte den Angeklagten am Dienstag als freundlich, hilfsbereit und unauffällig. „Er ist ein vorbildlicher Gefangener, man kann nichts Negatives über ihn sagen“, sagte der Zeuge.

Als mögliche Ursache für die Psychose nannte die Gutachterin den langjährigen Drogenmissbrauch des Angeklagten. „Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis 2014 hat er auch noch angefangen, Drogen wie Crystal Meth zu nehmen, die psychische Schäden hervorrufen“, sagte die Sachverständige am Dienstag.

Am Dienstag wurde auch der Strafregisterauszug des 44-Jährigen verlesen. Darauf geht hervor, dass der heute 44-Jährige 1999 in Lübeck zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er in Hamberge bei Lübeck zwei litauische Autohändler erschossen und einen dritten schwer verletzt hat.

Der Prozess gegen ihn wird fortgesetzt.

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