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Nobelpreis für Literatur : Günter Grass soll in Behlendorf bei Lübeck beerdigt werden

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Im engsten Familienkreis soll der Literaturnobelpreisträger beigesetzt werden. Auch eine öffentliche Gedenkfeier ist geplant.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2015 | 15:04 Uhr

Behlendorf/Lübeck | Günter Grass soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in seinem langjährigen schleswig-holsteinischen Wohnort Behlendorf (Kreis Herzogtum-Lauenburg) beigesetzt werden. Eine offizielle Bestätigung gab es hierfür nicht. Der Bürgermeister von Behlendorf, Andreas Henschel, erklärte am Mittwoch auf Anfrage lediglich: „Die Beerdigung von Günter Grass wird im engsten Familienkreis stattfinden. Der Termin steht noch nicht fest, ich rechne diese Woche aber nicht mehr damit. Zum Ort der Beerdigung kann ich mich nicht äußern.“ Die Menschen in Behlendorf fühlten sich mit ihrem Nachbarn Günter Grass und seiner Familie verbunden, sagte Henschel.

Grass war am Montag im Alter von 87 Jahren in einem Lübecker Krankenhaus an den Folgen einer Infektion gestorben. Mehr als ein Vierteljahrhundert hatte Grass am Rande von Behlendorf, etwa 20 Kilometer südlich von Lübeck, gelebt.

Der Dichter habe mehrere Male im örtlichen Brinkhuus gelesen „und uns daher viele andere Kulturveranstaltungen ermöglicht. Er hat außerdem jeden Sommer im Rahmen von ,Dörfer zeigen Kunst' bei uns ausgestellt.“ Behlendorf sei in „Mein Jahrhundert“ der Ort, von dem aus Grass den Erfolg Gerhard Schröders bei der Bundestagswahl 1998 beschreibe. Behlendorf sei auch Ausgangspunkt vieler Tagebucheinträge aus „Von Deutschland nach Deutschland“, die dem Roman „Ein weites Feld“ (1995) vorausgingen. Ebenso erzähle Grass in dem Band „Eintagsfliegen“ im Gedicht „Wo ich hause“ von Behlendorf.

Mit dem Tod des Nobelpreisträgers beginne für die Forschung ein neues Kapitel, sagte der Leiter des Günter-Grass-Hauses in Lübeck, Jörg-Philipp Thomsa am Mittwoch. „Es gilt noch viele Fragen zum Werk und zur Biografie zu klären, da wartet viel Arbeit.“ Die Berliner Akademie der Künste betreut die Manuskripte bis „Ein weites Feld“ 1995, das Grass-Haus die Texte von 1995 bis 2002. Über die seitdem entstandenen Manuskripte verfüge die Ute und Günter Grass-Stiftung. „Wir sind vor allem interessiert an den Fassungen der drei autobiografischen Bücher ,Beim Häuten' der Zwiebel' (2006), ,Die Box' (2008) und ,Grimms Wörter (2010) und wollen sie langfristig von der Stiftung kaufen, sagte Thomsa.

Grass habe allein von ,Beim Häuten der Zwiebel' insgesamt zwölf Fassungen geschrieben. Allerdings seien speziell zur Soldatenzeit - Grass war kurz vor Kriegsende noch als 17-Jähriger bei der Waffen-SS - keine wichtigen neuen Erkenntnisse zu erwarten. „Die Fassungen der betreffenden Kapitel haben wir bereits für das Modul zur Soldatenzeit unserer Grass-Ausstellung ausgewertet.“ Die große literarische Qualität dieses Buches sei bisher nicht genug gewürdigt worden. „Es ist für mich vergleichbar mit der „Blechtrommel“, sagte Thomsa. Ein Schatz sei auch der bildkünstlerische Nachlass mit 1200 Grafiken, über die das Grass-Haus verfüge. Das Medienarchiv der Günter Grass Stiftung Bremen hat Ton- und Filmdokumente gesammelt.

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