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Mauerfall 1989 : Grenzöffnung bei Lübeck – Videos für die Ewigkeit

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Manfred Krellenberg arbeitete 1989 beim Zoll. Damals dachte er, sein Leben würde sich bis zur Pension direkt an der Grenze bei Lübeck abspielen – bis zum Mauerfall. Mit seiner Kamera hielt er die historischen Ereignisse fest.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2013 | 16:00 Uhr

Lübeck | Manfred Krellenberg faszinierte die innerdeutsche Grenze schon als Jugendlichen. Bei einem Schulausflug zogen den gebürtigen Lübecker die Wachtürme und Absperrungen zwischen Eichholz (Westen) und Herrnburg (Osten) in den Bann. „Das ist etwas ganz Besonderes“, dachte sich der heute 49-Jährige damals.

Der Westdeutsche lauschte den Vorträgen über die Teilung Deutschlands und die „kuriose“ Grenze. Schnell war klar: Da will er auch mal arbeiten. Nicht viel später erfüllte er sich seinen Berufswunsch. Krellenberg wurde Zollbeamter in der Grenzaufsichtsstelle 1 Eichholz – im Jahr 1981 im Alter von 17 Jahren.

„Ich wollte das bis zu meiner Pension machen“, sagt er im Rückblick. Er genoss es, Schulklassen am Grenzstreifen bei Lübeck über die Teilung des Landes zu informieren – so, wie er als Junge alles darüber erfuhr – und mit seinem Diensthund an der Grenze Streifendienst zu absolvieren. Er will nicht falsch verstanden werden – als die Grenze am 9. November 1989 geöffnet wurde und der „Todesstreifen“ damit Geschichte war, habe er sich wahnsinnig darüber gefreut. Aber gleichzeitig wurde ihm klar: „Bald bin ich überflüssig.“

Nach nur acht Jahren im Dienst änderte sich sein Tätigkeitsfeld komplett. Mittlerweile arbeitet er beim Zoll als Vollziehungsbeamter. Er habe sich damit zwar arrangiert, aber die Grenze lässt den Vater zweier Söhne nicht los.

Als Mitglied des Vereins Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup betreut er dessen Internetauftritt und will als Zeitzeuge die nachfolgenden Generationen daran erinnern, dass Deutschland einmal geteilt war und wie dankbar sie sein sollten, in Freiheit leben zu dürfen.

Krellenberg hat seine Erinnerungen an die Zeit vor der Wende, an den 9. November 1989 und an das, was in den nächsten Wochen folgte, nicht nur in seinem Kopf festgehalten. Mit der Videokamera filmte der Zollbeamte unter anderem die Grenzöffnung am Übergang Lübeck-Schlutup/Selmsdorf sowie die Demontage der Schranke.

Wenn sich die Grenzöffnung des Übergangs Lübeck-Eichholz/Herrnburg am 16. Dezember wieder einmal jährt, wird Krellenberg sicherlich wieder in Erinnerungen schwelgen. So wie er es häufig tut, wenn er dort spazieren geht, wo einst Soldaten der DDR-Grenztruppe nur wenige Meter vom Minenfeld entfernt entlang patrouillierten. „Was für ein herrliches Gefühl, sich dort nun frei bewegen zu können, wo früher einmal der Tod gelauert hat“, sagt er.   

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