Versuchter Mord in Dahme : Gifanschlag auf Ehemann: Drei Jahre Haft für Frau

Den Tötungswillen bestritt die Verurteile. Dass das Gericht ihr nicht glaubte, hatte auch mit ihrem Beruf zu tun.

shz.de von
02. März 2018, 13:37 Uhr

Lübeck/Dahme | Im Lübecker Prozess um einen Giftanschlag auf einen 57 Jahre alten Mann gab es am Freitagvormittag das Urteil. Das Landgericht verurteilte die Angeklagte aus Dahme in Ostholstein zu drei Jahren Gefängnis. Die Floristin hatte im Prozess gestanden, ihrem damaligen Mann am 15. August 2015 einige Samen des Zerberusbaums (Cerbera odollam) ins Chili con Carne gemischt zu haben. Sie hatte bis zuletzt beteuert, sie habe ihren Mann nicht töten wollen. „Es sollte ihm nur mal richtig schlecht gehen, so wie es mir in unserer Ehe gegangen ist“, hatte sie ausgesagt.

„Als Floristenmeisterin wusste die Angeklagte, um was für ein hochwirksames Gift es sich gehandelt hat“, sagte Richter Christian Singelmann in der Urteilsbegründung. Und wenn es ihr darum gegangen wäre, dass es ihrem Mann mal richtig schlecht gehen sollte, dann hätte sie auch mit einer Überdosis eines Abführmittels erreichen können, sagte der Richter. Sie habe sich bewusst für das gefährliche Pflanzengift entscheiden, von dem sie wusste dass es schwer nachzuweisen ist, sagte er. „Damit hat sie heimtückisch gehandelt und den Tod ihres Mannes billigend in Kauf genommen.“ Weitgehend ohne erkennbare Regung nahm die 50 Jahre alte Angeklagte das Urteil und die anschließende Begründung des Gerichts auf.

Augenkontakt mit ihrem früheren Ehemann, der ihr als Nebenkläger gegenüber saß, vermied sie. Die Eheleute, die erst kurz vor der Tat geheiratet hatten, sind inzwischen geschieden. Beide haben neue Partner. „Doch dem Nebenkläger fällt es noch immer schwer, seiner jetzigen Ehefrau völlig zu vertrauen“, sagte Singelmann am Freitag.

Das Opfer litt mehrere Tage unter erheblichen Vergiftungssymptomen wie Erbrechen, Durchfall und Sehstörungen, überlebte aber den Anschlag. Die auch Selbstmordbaum genannte Pflanze enthalte Herzglykoside, die innerhalb von Stunden zum Tod durch Herzstillstand führen könnten, hatte eine Toxikologin im Prozess ausgesagt.

Der Nachweis des verabreichten Giftes war sehr schwierig. Erst ein Hinweis des Opfers, der den Computer seiner Frau ausspioniert und ihre Suchanfragen zur Nachweisbarkeit von Cerbera odollam entdeckt hatte, brachte seinen Arzt auf die richtige Spur. Ein Speziallabor in Frankreich fand schließlich Spuren des Giftes in Blut- und Urinproben des Opfers.

Als Motiv machte das Gericht ein ganzes Bündel von Gründen aus. Die Angeklagte hätte sich in einen anderen Mann verliebt, sie sei in ihrer Ehe unzufrieden gewesen und habe wohl auch Angst vor dem Gesichtsverlust und den finanziellen Folgen einer erneuten Scheidung gehabt, sagte der Richter. Im Prozess hatte die Angeklagte ausgesagt, die Scheidung von ihrem ersten Ehemann im Jahr 2004 habe sie 70 000 Euro gekostet.

Mit dem noch nicht rechtskräftigen Urteil folgten die Richter der Schwurgerichtskammer des Landgerichts im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die hatte eine Haftstrafe von vier Jahren gefordert. Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung beantragt. 

Blaulichtmonitor

Was ist der Blaulichtmonitor?

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen