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Lübeck

22. August 2017 | 07:30 Uhr

Geschichte erlebbar gemacht

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Lübecks führenden Historiker Rolf Hammel-Kiesow im Hansemuseum feierlich in den Ruhestand verabschiedet

Rolf Hammel-Kiesow hat in Lübeck im wahrsten Wortsinn Geschichte geschrieben. Der promovierte Historiker war erst im Amt für Vor- und Frühgeschichte, dann bei der Denkmalpflege tätig, bevor er mehr als zwei Jahrzehnte die Forschungsstelle für Geschichte der Hanse und des Ostseeraums leitete und zugleich stellvertretender Leiter des städtischen Archivs war, er ist – neben seiner Honorarprofessur in Kiel – ehrenamtlich für den Hansischen Geschichtsverein engagiert. Vor allem aber war er Triebfeder für das Europäische Hansemuseum, dessen wissenschaftliches Konzept er verantwortete. Als Leiter der Hanse-Forschungsstelle wurde der 67-Jährige jetzt verabschiedet – mit einem Festkolloquium im Hansemuseum.

Natürlich geht es um die historische Hanse, wenn einem Hanse-Historiker ein Festkolloquium ausgerichtet wird. Und weil Hammel-Kiesow ein „führender Akteur der Hanseforschung“ (Felicia Sternfeld, Leiterin des Hansemuseums) ist, entstammen die Referenten der ersten Garde: Oliver Auge von der Christian-Albrechts-Universität Kiel, Angela Ling Huang und Carsten Janke von der Uni Kopenhagen, Stuart Jenks von der Universität Erlangen Nürnberg, Justyna Wubs-Mrozewicz von der Universität Leiden, Ulla Kypta aus Basel, Matthias Puhle, Otto von Guericke Universität Magdeburg. Man kennt einander von gemeinsamer Arbeit, entsprechend locker sind die kurzen Vorträge. Da geht es um „Die Hanse und die Schwaben“, weil Hammel-Kiesow ebenso wie Referent Auge gebürtiger Schwabe ist, um Geldgeschäfte im Spätmittelalterlichen Hanseraum, um „Die hansische Firma: irgendwie und sowieso“ oder wie man Nicht-Hanseaten die Hanse vermittelt.

Vor die Referate haben die Organisatoren aber zunächst Reden gesetzt, schließlich ist dies ein Festakt, und es schwebt ein Hauch Wehmut über der Gesellschaft. Felicia Sternfeld würdigt Hammel-Kiesow als frisch-modernen Geist, der, wenn es denn stimmt, dass man so alt ist, wie man sich fühlt, seinen Erstsemesterausweis vorzeigen müsse statt sich in den Ruhestand zu verabschieden. Den „ersten und hartnäckigsten Verfechter der Idee Hansemuseum“ nennt sie ihn. „Lübeck verdankt und schuldet Ihnen ungeheuer viel“, sagt Kultursenatorin Kathrin Weiher. Dass seine Mitarbeiter ihn als wunderbaren Menschen, beseelt mit echter Klugheit und hervorragendem Geist ausgestattet beschreiben, dass er sich „nicht nur durch dieses Museum sondern auch durch publizistisch angenehme Werke“ unsterblich gemacht hat und deshalb eben nicht nur in Fachkreisen, sondern auch in der Bevölkerung wahrgenommen wird, sagt sie auch, bevor sie Dank und Anerkennung von Bürgermeister Bernd Saxe weitergibt.

Jan Lokers, Leiter des Archivs der Hansestadt Lübeck, würdigt den früheren Mitarbeiter Hammel-Kiesow als rührigen Kollegen: „Du warst dir für nichts zu schade.“ Ein Platz im Archiv sei Hammel-Kiesow stets sicher, so Lokers und eine Mitarbeiterin trägt einen weißen Holz-Klappstuhl herbei, der diesen Platz garantiert. Wirklich vorstellen will sich keiner, dass Lübecks erster Historiker geht. „Wir hoffen, dass er uns als Ratgeber erhalten bleibt“, sagt Felicia Sternfeld. Und der Gefeierte sieht nicht aus wie einer, der auf den Ruhestand gewartet hätte.

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