Geldmangel – Lübeck bröckelt!

Zäune ja, Sanierung nein: Statt 34 Millionen Euro investiert Lübeck nur 8,5 Millionen Euro in die Bauunterhaltung – hier das Johanneum, das erhebliche Dachmängel aufweist.
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Zäune ja, Sanierung nein: Statt 34 Millionen Euro investiert Lübeck nur 8,5 Millionen Euro in die Bauunterhaltung – hier das Johanneum, das erhebliche Dachmängel aufweist.

Vor allem Schulen akut sanierungsbedürftig – doch an jämmerlichen Zuständen wird sich vermutlich so schnell nichts ändern

shz.de von
06. Mai 2015, 13:48 Uhr

Die Bauverwaltung der Hansestadt sieht sich in Bedrängnis, es mangelt an Geld für den Erhalt städtischer Gebäude. Die akuten Mängel und die prekäre Lage der Stadt schilderte Dennis Bunk vom Gebäudemanagement der Stadtverwaltung jetzt im Bauausschuss.

Dass die finanzielle Situation Lübecks vor allem in Anbetracht der Schuldenbremse nicht etwa rosig aussieht, ist hinlänglich bekannt. Wie stark sich die enge Finanzplanung jedoch auf das Stadtbild auswirkt, zeigt sich am deutlichsten anhand der Lage der städtischen Gebäude.

Vor allem Schulen sind von erheblichen Baumängeln betroffen und akut sanierungsbedürftig. Um zeitnah notwendige Maßnahmen durchzuführen, fehlt jedoch das Geld. So befindet sich eine Vielzahl von Bauprojekten in einer Art Warteschleife. Diese wird vor allem mit dem Aufstellen von Baugerüsten um sanierungsbedürftige Gebäude, um wenigstens Verkehrssicherheit zu gewährleisten, überbrückt. Anhand verschiedener Beispiele machte Dennis Bunk die schwierige Lage der Baubehörde deutlich. Die bereits laufende Schul-WC-Sanierung stellt dabei nur die Spitze des Eisbergs an abzuarbeitenden Mängeln dar. An der Grund- und Gemeinschaftsschule St. Jürgen sind die Fassaden durch Einrisse bereits derart beschädigt, dass sie mithilfe eines Gerüstes abgesichert werden mussten, um herabfallende Fassadenteile zu sichern. Das pro Jahr rund 6000 Euro teure Gerüst wird stehen bleiben müssen, bis die finanziellen Mittel zur Sanierung aufgebracht werden können.

1,5 Millionen Euro allein fürs Dach

Das Johanneum zeigt erhebliche Mängel am Dach des Gebäudes auf. Die Kosten für eine Reparatur des Daches von 1,5 Millionen Euro sind mit dem städtischen Budget nicht zu tilgen. Lediglich die Planungskosten von 321  000 Euro kann die Stadt in diesem Jahr aufbringen. Durch den Zeitverzug könnte sich die Lage jedoch noch verschärfen, wie am Beispiel der Marienschule deutlich wird, welche ebenfalls von Dachschäden betroffen ist. Aufgrund der Durchfeuchtung der Dachstühle sind die Sanierungskosten von ehemals 55  000 Euro durch Neuschäden auf 220  000 Euro angewachsen. Die Arbeiten aufzuschieben sei daher, so Bunk, alles andere als förderlich.

Von Dach- und Fassadenmängeln gleichsam ist die Willy-Brandt-Schule in Schlutup betroffen. Auch sie ziert bisher ein Gerüst, da die Arbeiten nicht finanziert werden können. Von Baugerüsten aufgrund von Dachschäden sind auch die Julius-Leber-Schule und die Emmanuel-Geibel-Schule umstellt. Noch undurchsichtig ist die exakte Situation des Katharineums, an dessen Innenwänden nach kleineren Arbeiten am Putz, Mängel festgestellt worden waren. Diese beziehen sich offenbar auch auf veraltete Verkabelung und die Beschaffenheit des historischen Gebälks. Bunk vermutet, dass bei diesem Objekt ebenfalls große Baumaßnahmen auf die Stadt zukommen. An der Dorothea-Schlözer-Schule passierte unlängst ein Wasserschaden – Kosten derzeit noch unklar.

Theatersanierung nicht umsetzbar

Neben den Schulen ist auch das Gebäude des städtischen Theaters in absehbarer Zeit sanierungs- und modernisierungsbedürftig. Neben der Fenstersanierung die mit 1,6 Millionen Euro veranschlagt ist, muss auch die Gebäudetechnik für 230  000 Euro erneuert und Brandschutzmaßnahmen für rund 130  000 Euro durchgeführt werden. Auch dieses Projekt ist mit dem aktuellen Etat nicht umsetzbar.

Bunk: Beschwerden von Anliegern, Schulen und der Elternschaft seien angesichts der Mängel verständlich, es fehle jedoch schlicht an Mitteln. Der derzeitige Etat von 8,5 Millionen decke die nötigen 34 Millionen, die allein jetzt schon projektbezogen nötig wären, nur zu einem geringen Teil ab.

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