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Beschwerden gegen Beltquerung : Gegner des Fehmarnbelt-Tunnels sind von Anhörung enttäuscht

vom

12.600 Einwendungen gegen den geplanten Tunnel sind eingegangen. Befürchtungen konnten im Anhörungsverfahren bisher nicht ausgeräumt werden.

shz.de von
erstellt am 09.Jul.2017 | 08:50 Uhr

Lübeck | Im Anhörungsverfahren zum geplanten Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark liegen die Positionen nach wie vor weit auseinander. Auch in den sechs bisherigen Terminen hätten weder die ökologischen noch die ökonomischen Bedenken gegen das Milliardenprojekt ausgeräumt werden können, sagt Stephanie Göhler von der Initiative „Beltretter“. In dem seit dem 27. Juni laufenden Anhörungsverfahren sollen die schriftlichen Antworten auf die rund 12.600 Einwendungen noch einmal erläutert und diskutiert werden. An diesem Dienstag wird das Verfahren in Lübeck fortgesetzt.

Dänemark finanziert den über sieben Milliarden Euro teuren Tunnelbau allein. Deutschland muss die Straßen- und Schienenanbindung auf seinem Territorium bezahlen. Das könnte 2,5 Milliarden Euro kosten. Während die Befürworter die wirtschaftlichen Chancen betonen, kritisieren Naturschützer das Vorhaben vehement und führen dafür sowohl ökologische als auch ökonomische Gründe an.

Insgesamt 150 Experten haben in den zurückliegenden Monaten die Einwendungen bearbeitet und beantwortet. „Wir freuen uns, in Lübeck die detaillierten und gründlichen Planungen präsentieren zu können und mit unseren Experten für Fragen und Erklärungen zur Verfügung zu stehen“, sagt ein Sprecher von Femern A/S, der dänischen Planungsgesellschaft.

Den bisherigen Verlauf der Diskussionen bezeichnete Verhandlungsleiterin Dörte Hansen vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein als überwiegend sachlich. „Manchmal gehen allerdings die Emotionen auch hoch“, sagt sie. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als mit Emotionen zu argumentieren“, entgegnet Beltretter Wolfgang Kausch. „Das ist ein Kampf David gegen Goliath. Femern A/S kann jede Menge mit Steuergeldern finanzierte Gutachten auffahren. Diese Möglichkeit haben wir nicht“, sagt er. 

Göhler wirft den Vorhabenträgern vor, schlampig gearbeitet zu haben. „Die bisherige Anhörung hat gezeigt, dass die Wirtschaftlichkeitsberechnungen auf reiner Kaffeesatzleserei beruhen“, empört sie sich. „Unserer Ansicht nach basieren mehr als die Hälfte der uns vorliegenden Daten auf veralteten Zahlen oder bloßen Annahmen.“ 

Diese Vorwürfe weist Femern A/S zurück. Die Zahlen würden regelmäßig überprüft und aktuelle Parameter einbezogen, sagt Sprecher Felix Irmer. Zudem sei die Wirtschaftlichkeit des Projektes zuletzt 2016 durch unabhängige externe Wirtschaftsprüfer nach einer sorgfältigen Prüfung der Finanzen, der Risiken und der Rücklagen bestätigt worden. 

Spätestens Ende Juli sollen die Anhörungen beendet sein. „Dann wird der zuständige Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr sowohl die Einwendungen als auch die Erwiderungen und natürlich die Einlassungen der Erörterungstermine sorgfältig begutachten und in die Gesamtabwägung mit einbeziehen“, sagt der Sprecher des Landesverkehrsministeriums, Harald Haase.

Der Planfeststellungsbeschluss soll nach den bisherigen Planungen im Sommer 2018 vorliegen. Mit der Eröffnung des rund 19 Kilometer langen Straßen- und Eisenbahntunnels wird nicht vor 2028 gerechnet. 

Für Unverständnis sorgt bei vielen Bürgern die Tatsache, dass es für die Schienenanbindung des Tunnels ein eigenes Planfeststellungsverfahren geben wird und daher Einwendungen dazu zurückgewiesen wurden. „Der Tunnel und die Bahnanbindung bedingen einander, man kann das nicht getrennt betrachten“, sagt Ulrike Stephanie Schulze. Vom bisherigen Verlauf der Anhörungen ist sie enttäuscht. „Unsere Befürchtungen und Einwände sind bislang nicht ausgeräumt worden“, sagt sie.

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