Geiselnahme in JVA Lübeck : GdP kritisiert Spoorendonk nach Fluchtversuch

Die JVA in Lübeck.
Die JVA in Lübeck.

Die Gewerkschaft der Polizei warnt nach Geiselnahme im Lübecker Gefängnis vor „liberalem Strafvollzug auf Kosten der Bediensteten“.

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26. Dezember 2014, 13:45 Uhr

Lübeck | Die Gewerkschaft der Polizei in Schleswig-Holstein hat nach einem Fluchtversuch aus der Justizvollzugsanstalt Lübeck die zuständige Ministerin Anke Spoorendonk (SSW) scharf kritisiert: Spoorendonk werde „mehr als Kultur- denn als Justizministerin wahrgenommen“, heißt es in einer Mitteilung. Sie scheine die Probleme im Strafvollzug nicht wahrzunehmen, sie forciere einen liberalen Strafvollzug auf Kosten der Bediensteten.

Die Gewerkschaft weist darauf hin, dass einer der Geiselnehmer noch „Einschluss“ gehabt hätte. Dieser sei aber wegen des „Weihnachtsfriedens“ im Lübecker Gefängnis nicht vollzogen worden. Weihnachtsfrieden bedeute, dass Disziplinarmaßnahmen vor und nach Weihnachten nicht vollstreckt würden. „Die Justizvollzugsbeamten haben immer weniger Vertrauen zu ihren Vorgesetzten, zum Ministerium und zur Landesregierung“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Spoorendonk wies die Kritik an einem zu liberalen Strafvollzug zurück. Sie nehme „die Interessen und Belange der JVA-Bediensteten sehr ernst“. Die Personalsituation in Schleswig-Holstein sei mit rund 70 Bediensteten auf 100 Gefangene besser als der Bundesdurchschnitt mit rund 55 Bediensteten. Sie zeige sich erleichtert darüber, dass die Geiselnahme schnell beendet werden konnte und niemand verletzt wurde, hieß es in einer Pressemitteilung.

Am Heiligabend hatten vier Untersuchungsgefangene einen Beamten in ihre Gewalt gebracht - offenbar, um sich von ihm zur Flucht verhelfen zu lassen. Die Gefangenen hatten den Mann gegen 17 Uhr in einen Haftraum gelockt, in dem einer der Täter einen epileptischen Anfall vortäuschte. Sie überwältigten den Beamten und drängten ihn auf den Stationsflur.

Dort verlangten die Männer von dem Beamten, die Gittertür der Station aufzuschließen - und drohten mit einem Besteckmesser, das zur Ausstattung des Haftraums gehörte. Der Fluchtversuch war allerdings erfolglos: Weiteren Beamten der JVA gelang es, ihren Kollegen zu befreien. Unmittelbar nachdem der Alarm ausgelöst wurde, konnten die Gefangenen unter Kontrolle gebracht werden.

Der 22 Jahre alte Haupttäter wurde in ein anderes Bundesland verlegt. Bei ihm handelt es sich um einen Gefangenen aus Russland, der wegen eines mutmaßlichen Tötungsdelikts einsitzt, allerdings noch nicht rechtskräftig verurteilt ist. Seine drei Komplizen im Alter von 50, 37 und 24 Jahren sitzen wegen des Verdachts des Raubes beziehungsweise des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz in Untersuchungshaft.

Laut JVA wurde niemand verletzt. Die Polizei hat die weiteren Ermittlungen übernommen.

Bereits 2012 hatte ein Strafgefangener während eines Gottesdienstes in der Lübecker JVA eine Vollzugsbeamtin angegriffen. Trotz der Kritik des damaligen Gefängnisleiters an der schlechten Personalsituation sei nichts passiert, kritisiert heute die Gewerkschaft der Polizei.

Blaulichtmonitor

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