„Flughafen mit Augenmaß“

Aufwärts soll es mit dem Lübecker Flughafen gehen. Eigentümer Winfried Stöcker plant ab 2020 wieder regulären Passagierbetrieb in Blankensee.
Aufwärts soll es mit dem Lübecker Flughafen gehen. Eigentümer Winfried Stöcker plant ab 2020 wieder regulären Passagierbetrieb in Blankensee.

Lübeck-Blankensee erhält Sicherheits-Zertifikat und stellt Pläne für den weiteren Ausbau vor

shz.de von
11. März 2019, 15:32 Uhr

Das Fernziel ist ein großes Terminal mit Gangways und großzügigen Bereichen für die Passagiere: Auf dem Weg zu einem modernen Regionalflughafen ist der Lübecker Airport ein Stück weitergekommen. Mit der Übergabe des Zertifikats der Europäischen Agentur für Flugsicherheit habe man einen Meilenstein erreicht, so Flughafen-Geschäftsführer Jürgen Friedel.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) hatte gestern das Zertifikat – vergleichbar mit der Tüv-Plakette für Fahrzeuge – überreicht. „Damit erfüllt der Flughafen alle europäischen Sicherheitsstandards und hat die Chance, wieder zu einer kleinen Drehscheibe des Luftverkehrs zu werden“, sagte Buchholz.

Die Wiederaufnahme des Linienflugverkehrs peilt der Flughafen bereits für kommendes Jahr an. „Im Sommer 2020 wollen wir den Linienflugbetrieb wieder aufnehmen“, sagte Winfried Stöcker, der seit 2016 Eigentümer des Flughafens ist.

Das Zertifikat gilt als Voraussetzung für den gewerblichen Betrieb eines Flughafens, wenn mehr als 10 000 Fluggäste im Jahr befördert werden. Die Zertifizierung sei auch wichtig für Gespräche mit Airlines, so Friedel.

150 Starts und Landungen pro Tag hat der über 100 Jahre alte Flughafen aktuell in der Spitze – meist sind es Privat-Flieger, die hier abheben. Geht es nach Stöcker, sollen in einem Jahr wieder Linienmaschinen Ziele wie Frankfurt, Wien, Zürich, München oder auch London und Stockholm ansteuern. Billigflieger wie in den Jahren zuvor – Stichwort Ryanair – will Stöcker jedoch nicht an seinem Flughafen sehen. „Wir wollen ein anderes Klientel“, sagte der 72-jährige Lübecker Unternehmer. Stöcker wolle mit dem Airport „den Norden stärken“ und spricht davon, insbesondere den Menschen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wieder eine Möglichkeit zu bieten, auf kurzen Wegen in Urlaub und Co. abzuheben. Aber auch die bereits bei den (glücklosen) Vorbesitzern des Airports avisierten Medizin-Touristen kamen gestern wieder ins Gespräch.

Einen „Flughafen mit Augenmaß“ plant Stöcker nach eigenen Angaben. Denn vor dem Bau des großzügig geplanten Terminals kommt zunächst eine Interimslösung: Drei Hallen sind in Auftrag gegeben; sie sollen auf das Flugfeld vor das bestehende Abfertigungsgebäude gesetzt und zur An- und Abflughalle samt Gepäckbereich werden. Aktuell laufen Bauarbeiten für die Entwässerung des Flughafens. Im Mai folge der Spatenstich für den weiteren Ausbau.

Zusätzlichen Aufwind soll auch die 2017 von Stöcker gegründete Lübeck Air GmbH beitragen, die mit der dänischen Chartergesellschaft Air Alsie kooperiert. Es soll eine vollwertige Airline-Lizenz beantragt werden. „Die konkreten Strecken werden in den nächsten Monaten ausgearbeitet. Denkbar ist unter anderem eine Verbindung nach Stockholm“, sagte Stöcker.

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