Flughafen Lübeck: Zweifel an den Plänen des Investors

Dunkle Wolken über dem Flughafen Lübeck, weil die Zahl der Passagiere, die den Airport nutzen, weiter gesunken ist.
Dunkle Wolken über dem Flughafen Lübeck, weil die Zahl der Passagiere, die den Airport nutzen, weiter gesunken ist.

Den Ankündigungen sind bislang wenig Taten gefolgt / Nur Firma für Flugzeugwartung wurde gegründet

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23. Juni 2015, 19:20 Uhr

Knapp ein Jahr nach dem Einstieg des chinesischen Investors Chen Yongqiang am Flughafen Lübeck gibt es nach Informationen des NDR Probleme bei der Umsetzung der Unternehmenspläne. Nach Recherchen des Politikmagazins „Panorama“ und der „Zeit Hamburg“ betrifft das sowohl seine Pläne für Medizintourismus als auch für eine Flugschule.

Vor knapp einem Jahr hatte Chen mit seiner Firma PuRen den insolventen Flughafen übernommen. Bislang ist es nicht gelungen, neue Fluglinien für den Airport zu gewinnen. In einem Handyvideo, das eine Ansprache Chens vor Mitarbeitern in China zeigt, verkündet der Investor Gespräche mit Fluggesellschaften über Linienflüge nach Lübeck. Dabei nennt er laut NDR die „Turkish Airlines“. Auf Nachfrage hieß es bei Turkish Airlines aber, die Firma PuRen sei ihnen unbekannt und Verbindungen nach Lübeck nicht geplant.

Bei der Übergabe wollte der Investor das Geschäft mit teilweise ungewöhnlichen Konzepten ankurbeln, beispielsweise mit Medizintourismus: Zahlungskräftige Chinesen sollten zur Behandlung nach Deutschland geflogen werden. Zumindest mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein mit Sitz in Lübeck und Kiel gab laut Recherche von NDR und Zeit keine Gespräche und es gebe auch keine konkreten Pläne mit Chen, hieß es.

Auch die Pläne für eine Flugschule kommen offenbar nicht voran. Vorgesehen war, dass chinesische Flugschüler zum Unterricht nach Deutschland kommen, der Kurs soll fünf bis 20 Monate lang dauern und bis zu 110  000 Euro kosten. Experten zweifeln jedoch, ob ein solcher Plan in Lübeck umsetzbar ist. So sagt Dr. Michael Erb, Geschäftsführer des deutschen Verbands für allgemeine Luftfahrt (AOPA), der die Interessen von Flugschulen, Fluglehrern und Piloten vertritt, dass aufgrund des Wetters in der Region Flugschüler häufig gar nicht starten dürften. „Da sind andere Standorte wie der Südwesten der USA, wo man an 360 Tagen im Jahr fliegen kann, mit Vorteilen ausgestattet.“

Auch die hohe Zahl von Flugschülern – bis zu 5000 sollten es pro Jahr sein – erscheint ihm unrealistisch: Dafür reichten die Flugplatz- und die Lehrkapazitäten nicht aus. Erb: „2000 Privatpiloten werden im Schnitt in der ganzen Bundesrepublik Deutschland ausgebildet. Wir freuen uns grundsätzlich über jeden Investor, aber ich sehe nicht, wie es realistisch funktionieren soll.“

Weder dem Luftfahrtbundesamt noch dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein liegen bislang Anträge für Ausbildungslizenzen vor. Unabhängig davon gibt es offenbar auch Probleme mit dem Aufenthaltsrecht von Chinesen in Deutschland. Das Auswärtige Amt teilte auf Anfrage mit, dass chinesische Staatsbürger für eine Flugausbildung für eine private Pilotenlizenz kein Visum erhalten können, das länger als drei Monate gültig ist.

Anfang Juni verkündete Chen eine Erfolgsmeldung: Man habe eine Firma für Flugzeugwartung gegründet. Tatsächlich liegt für eine Wartungsfirma eine Genehmigung des Luftfahrtbundesamtes vor. Allerdings gilt diese Genehmigung nur für vier kleine Maschinentypen, allesamt Zwei- und Dreisitzer. Offenbar sind für diese Sparte gerade einmal drei Mitarbeiter eingestellt.

Lübecks Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) bestätigt gegenüber „Panorama3“: „Ob tatsächlich Wartungsarbeiten oder die Herstellung von Flugzeugteilen realistisch sind, davon hat man uns nichts mitgeteilt.“ Das erste Jahr sei „sicherlich nicht so gelaufen, wie man sich das vorstellt. Aber wir haben darauf keinen Einfluss. Das ist die Unternehmensphilosophie eines Unternehmers, der hier am Standort eine Vision hat, die wir nur schemenhaft kennen“, so Schindler

Auf Nachfragen von „Panorama 3“ und „Zeit Hamburg“ reagierten zunächst weder der Investor Chen noch die Flughafengesellschaft. Ein Interview wurde abgelehnt. In einer schriftlichen Stellungnahme hieß es schließlich: Es gehöre nicht zur Geschäftspolitik, über interne Angelegenheiten in der Öffentlichkeit zu berichten. „Über ungelegte Eier (wie man in Deutschland sagt) sprechen wir jetzt und in Zukunft nicht“, so Chen.

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