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PuRen Germany GmbH : Flughafen Lübeck: Schon wieder pleite

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Das Konzept mit chinesischen Medizintouristen geht nicht auf: Die Betreiberfirma des Lübecker Flughafens meldet Insolvenz an.

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2015 | 17:01 Uhr

Lübeck | Mit dem Traum der Hilfe aus Fernost ist es am Lübecker Flughafen vorerst vorbei: Ziemlich genau ein Jahr und einen Monat nach Übernahme steht der Regionalflughafen erneut vor der Pleite. Peter Steppe, einer der beiden Geschäftsführer der Betreibergesellschaft PuRen GmbH hat Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Lübeck den Rechtsanwalt Klaus Pannen erklärt. Erneut.

Das Unternehmen PuRen hat seinen Sitz in Peking und ist in Hongkong registriert. Für das Lübecker Geschäft wurde die PuRen Germany GmbH mit Sitz in Lauenburg gegründet. Geschäftsführer sind Yongqiang Chen, Weilu Chen und Peter Steppe. PuRen ist für den Lübecker Flughafen der dritte Investor in zehn Jahren. 2005 übernahm das neuseeländische Unternehmen Infratil den Flughafen, trat aber 2009 vom Kauf zurück. Im November 2012 kaufte der ägyptische Geschäftsmann Mohamad Rady Amar den Airport. Im April 2014 zeigte sich, dass er seine Anteile an einen Berliner Unternehmer weiterverkauft hatte. Dieser war aber nicht aufzufinden. Ein Notgeschäftsführer reichte den Insolvenzantrag ein. Der chinesische Investor PuRen Germany rettete den insolventen Lübecker Flughafen im August 2014. Aktuell arbeiten dort 70 Beschäftigte.

Für den Flughafen Lübeck ist es bereits die zweite Pleite innerhalb kürzester Zeit. Im April vergangenen Jahres war die damalige Betreiberin, die Yasmina Flughafenbetriebsgesellschaft eines deutsch-ägyptischen Unternehmers, in die Pleite gerutscht. Daraufhin hatte die PuRen GmbH unter Leitung von Yongqiang Chen die Regie übernommen. Hinter der Gesellschaft soll letztlich die in Hongkong registrierte PuRen-Group stehen. Zu den konkreten Gründen der Zahlungsunfähigkeit äußerte sich die PuRen-Geschäftsführung nicht. In einer Mitteilung verwies der Flughafen Lübeck lediglich darauf, dass sich „das seit einiger Zeit auf Talfahrt befindliche Wirtschaftswachstum in der Volksrepublik China nun auch auf den norddeutschen Flughafen ausgewirkt“ habe. 

Es ist nicht das erste Mal, dass ziemlich große Erwartungen an chinesische Investoren in Schleswig-Holstein unerfüllt bleiben. 50 Millionen Euro hatte beispielsweise die chinesische Jiangsu Sincerity & Credit International Group aus der chinesischen Stadt Haimen noch 2010 als Investition für Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) angekündigt. Um den Deal auf den Weg zu bringen, hatte es sogar Treffen zwischen Schleswig-Holsteins damaligem Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen und dem chinesischen Investor Zhonghui Zhu gegeben. Konkret sollte ein Heimtextil-Center mit mindestens 1000 Arbeitsplätzen auf rund 60.000 Quadratmetern entstehen. Bis heute ist davon wenig zu sehen. Die King Energy GmbH aus der chinesischen Provinz Yongkang wiederum hatte in Neumünster ein Grundstück erworben, auf dem Lagerhallen entstehen sollten. Das Unternehmen, das zum chinesischen Qunsheng-Konzern gehörte, beabsichtigte Photovoltaik-Fertigmodule im Norden zwischenzulagern. Investitionssumme: Bis zu fünf Millionen Euro. Es blieb in großen Teilen bei der Ankündigung.

In Lübeck wiederum hatte Chen mit der PuRen GmbH ebenfalls große Pläne. Ein Medizin-Tourismus sollte aufgebaut werden. Chinesische Patienten sollten für die Behandlung in den „echten Norden“ gebracht werden. Bis zu eine Million Passagiere pro Jahr wurden vorausgesagt. Später war davon nur noch wenig zu hören.

Bereits in den vergangenen Monaten hatte es mehrfach Irritationen zum Betrieb des Flughafens gegeben. Zum einen war es zu Verzögerungen bei Gehalts- und Pachtzahlungen gekommen. Zum anderen hatte Yongqiang Chen die deutschen Gesellschaften der PuRen-Gruppe neu geordnet. Unter anderem hatte Chen Anteile an einer zweiten Gesellschaft, der PuRen Airlines GmbH, an die Unternehmerin Manli Li abgetreten und sie so zur Mehrheitseigentümerin gemacht hat. Die PuRen Airlines GmbH soll unter anderem eine Flugschule auf dem Gelände des Lübecker Flughafens aufbauen. Eine Lizenz dafür wurde erst kürzlich erteilt – ebenso wie die Lizenz  zur Wartung von Maschinen.

Nach Angaben des Unternehmens soll der Betrieb am Flughafen vorerst weitergehen. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) äußerte die Hoffnung, dass der Airport in der Insolvenz erfolgreich neu ausgerichtet werden kann.

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