Blankensee : Flughafen Lübeck: Rettung erster Klasse

Neues Geld für Lübeck-Blankensee: Der chinesische Investor signalisiert, dass er es ernst meint. Am Donnerstag muss die Lübecker Bürgerschaft auf ihrer Sondersitzung zustimmen.

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06. Juli 2014, 10:37 Uhr

Lübeck | Einmal mehr ist der Lübecker Flughafen für eine Überraschung gut. Nach Monaten voll mit schlechten Nachrichten ist dort diese Woche mit der chinesischen PuRen-Gruppe ein neuer Investor hervorgezaubert worden. Verträge sind bereits unterzeichnet, Geld schon geflossen. Es wäre eine Rettung in letzter Sekunde, wenn die Lübecker Bürgerschaft auf ihrer Sondersitzung am kommenden Donnerstag zustimmt. Und bei allem, was bisher vom und über den Investor zu hören ist, wäre es auch eine Rettung erster Klasse.

Gemessen an der zeitlich und finanziell engen Situation, hatte Insolvenzverwalter Klaus Pannen geradezu Märchenhaftes zu verkünden: Der Betrieb soll zum 1. August an die PuRen Group übergehen, uneingeschränkt als Verkehrsflughafen fortgeführt und ausgebaut werden; sämtliche Mitarbeiter werden übernommen; eine Rücktrittsklausel gibt es nicht; über den Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart, aber er ist so erfreulich, dass die Gläubiger des Insolvenzverfahrens „eine recht hohe Quote“ erwarten dürfen. Und obwohl das letzte Wort über Pacht- und Mietverträge für rund 210 Hektar Fläche und Installationen wie das Instrumentenlandesystem noch bei der Bürgerschaft liegt, hat die PuRen Group für Juli bereits gezahlt. SPD-Fraktionschef Jan Lindenau ist insgesamt zwar noch skeptisch, die frühzeitige Zahlung signalisiere jedoch, „dass Geld vorhanden ist, um auch schwierige Situationen zu überbrücken“.

Gezeigt hat sich von der chinesischen Investoren-Gruppe noch niemand. Insolvenzverwalter Pannen weiß indessen zu berichten: PuRen hat seinen Sitz in Peking, ist in Hongkong registriert (eingetragenes Kapital: 660 Millionen Euro). Für das Lübecker Geschäft wurde die PuRen Germany GmbH mit Sitz in Lauenburg gegründet. Der Verwalter berichtet von Investor-Plänen, die den Medizin-Tourismus aus China bedienen sollen und Kooperationen mit Universität und Uni-Klinikum anvisieren. Die Rede ist von einer Anbindung an ein Drehkreuz, von neuen Einkaufsmöglichkeiten am Lübecker Airport, Pilotenausbildung und einem Wartungsbetrieb.

Wo nach dem Abtauchen des letzten deutsch-ägyptischen Investors, nach Insolvenz und dem kompletten Rückzug des irischen Billigfliegers Ryanair alle Zeichen auf „Aus“ deuteten, flammt Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft mit – das gehört zum Plan – einer Million Fluggäste pro Jahr. Zurzeit sind es zwischen 300.000 und 400.000.

Für Donnerstag stehen alle Zeichen auf Zustimmung der Bürgerschaft. Der Grüne Jürgen Schubert gibt allerdings zu bedenken, was seit Jahren im Raum steht: Die Nähe zum Hamburger Flughafen verhindere ein wirtschaftliches Betreiben des Lübecker Airports. Und Anke Jansen von den Linken sagt argwöhnisch: Der neue Investor sage das gleiche, was der alte auch gesagt habe: „Man denkt manchmal, im Himmel ist Jahrmarkt.“

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