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Stillstand nach der Insolvenz : Flughafen Lübeck: Betreiber träumt von den Chinesen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach der Insolvenz ist es um und auf dem Flughafen Lübeck still geworden. Die Träume sind geblieben.

Lübeck | Fast nichts los am Flughafen Lübeck. 100 Tage, nachdem die PuRen Germany die Betriebs-Zügel übernommen hat, operiert mit dem ungarischen Billigflieger Wizz eine einzige Linie in Lübeck-Blankensee; ihre Ziele: Kiew und Danzig. Trubel hat es zuletzt lediglich über den Rauswurf der Segelflieger des Aero Club Lübeck gegeben, die scheinbar Knall auf Fall das Gelände mit dem 31. Dezember räumen müssen. Deprimiert wirken der Flughafen-Geschäftsführer Markus Matthießen und der per November als Leiter „Airport Operations“ frisch installierte Peter Steppe indessen nicht. Die Rede ist von großen Plänen, einer Million Passagiere pro Jahr und dem 100. Airport-Geburtstag, der 2017 gefeiert werden soll.

Drei Mal die Woche von und nach Danzig, zwei Mal die Woche von und nach Kiew. Mehr ist zur Zeit nicht am Airport Lübeck. 93 Mitarbeiter sind in Blankensee beschäftigt – und sollen es auch bleiben. Womit die beschäftigt sind? „Der Airport unterliegt der Betriebspflicht“, sagt Matthießen und zählt Feuerwehr, Gepäck, Service und Wartung auf. „Wer kommt, muss abgefertigt werden.“

Bleiben soll die Tristesse nicht; dass sie da ist, sieht Matthießen als logische Folge der jüngsten, vom vorigen Betreiber verursachten Turbulenzen. „Wir begegnen einem gewissen Misstrauen“, sagt Mattießen, „Um Vertrauen müssen wir erst wieder werben. Das ist nun mal so.“ Werbung habe er beispielsweise auf Messen betrieben. Die Region um Lübeck und Travemünde mit dem Herzogtum-Lauenburg, Stormarn und Segeberg hält er allemal für attraktiv genug, um Touristen über den Airport zu schleusen. Den chinesischen Markt hat er dabei im Blick, spricht vom „China-Faktor“. Von den 3,7 Millionen Chinesen die schon bisher Europa bereisen, soll Lübeck seinen Teil abbekommen: Er führe Gespräche mit den entsprechenden Tourismus-Partnern über Angebote für ein, zwei Tage in der Region, sagt Matthießen. „Wir haben hier viele Geschichten zu erzählen.“ Die Idee ist naheliegend, schließlich ist der Flughafenbetreiber, die PuRen Germany GmbH, Ableger der chinesischen PuRen-Unternehmensgruppe. Und Chen Yongqiang, Chef der in Honkong registrierten Gruppe, sei den gesamten Oktober in Lübeck gewesen und durchaus angetan von Schleswig-Holstein.

Umgekehrt soll China auch für Deutsche von Lübeck aus erreichbar sein. Ziele wie diese brauchen einen langen Atem. In Schwung sollen die Geschäfte schon vorher kommen, erste Schritte sind zehn Pauschalreisen, über das kommende Jahr verteilt, Richtung Südeuropa. Start ist im März 2015.

Ab April 2015 fliegt Wizz Air mit der lettischen Hauptstadt Riga eine dritte Destination an. „Gespräche mit weiteren Airlines und Chartergesellschaften laufen“, sagt Matthießen. Auch eine neuerliche Zusammenarbeit mit Ryanair wäre in Lübeck durchaus wünschenswert, aber, so schränkt Matthießen mit Blick auf die Vergangenheit ein, „keine alleinige Ausrichtung auf Ryanair“. Grundsätzlich wolle sich PuRen neben dem klassischen Aviation-Business mit Linien- und Charterverkehr sowie Pilotenausbildung, Cargo und technischem Service weitere Geschäftsfelder aufbauen und sich breiter aufstellen als ein reiner Airport-Betreiber.

Zudem sehen sich die Lübecker in Bereitschaft, wenn Nachbarairports wegen schlechten Wetters nicht angeflogen werden können. Wann ist das zuletzt vorgekommen? „Seit ich hier bin, drei Mal“, sagt Matthießen und berichtet von Maschinen, die Hamburg und Bremen anfliegen sollten, dann aber in Lübeck landen mussten. Als Nachbarn sieht er in solchen Fällen auch Hannover und Kopenhagen. „Die Metropolregion Hamburg kann einen Airport Lübeck gut vertragen“, sagt er.

Am Ziel, den Flughafen auszubauen, hält PuRen fest. Das wegen der Insolvenz zuletzt gestoppte Gerichtsverfahren zum Ausbaubeschluss soll wieder aufgenommen werden. Im Blick haben Betreiber und Geschäftsführer schon mal das Jahr 2017: Die Vorbereitungen zum 100. Airport-Geburtstag starten in Kürze, heißt es. Welche Pläne PuRens allerdings die Segelflieger vom Aero Club vertrieben haben, verrät Matthießen nicht. Nüchtern erklärt er: „Uns bindet kein Pachtvertrag, sondern eine Nutzungsvereinbarung bis 31. Dezember 2014. Das war allen Beteiligten bekannt.“

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erstellt am 23.Nov.2014 | 08:30 Uhr

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