zur Navigation springen

Blankensee : Flughafen Lübeck beantragt Insolvenz

vom

Der Absturz für den Flughafen Lübeck: Vor dem Lübecker Amtsgericht wurde Insolvenz beantragt. Ein Investor war aus dem defizitären Geschäft ausgestiegen – und hinterließ Ratlosigkeit bei Mitarbeitern und Politik.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2014 | 16:18 Uhr

Lübeck | Der Lübecker Flughafen Blankensee hat Insolvenz beantragt. Das Gericht habe am Mittwoch die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und einen vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt, sagte eine Sprecherin des Lübecker Amtsgerichts.

Beantragt habe die Insolvenz Siegmar Weegen (49), der am Dienstag zum Notgeschäftsführer berufen worden war. Er glaube, dass in dieser Situation in einem Insolvenzverfahren auch ein Stück Hoffnung sein könne, sagte Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). In den kommenden Wochen muss nun der vorläufige Insolvenzverwalter prüfen, ob und wie der Flugbetrieb aufrechterhalten werden kann. Saxe hatte zuvor das Verhalten der Flughafeneigentümer kritisiert, die nicht zu erreichen sind. „Es ist unverantwortlich von den Eigentümern und dem eigentlichen Geschäftsführer, das Unternehmen drei, fast vier Wochen alleingelassen zu haben.“ Mit Weegen habe jetzt wieder jemand die Führung übernommen, der das Unternehmen kenne und wisse, was zu tun ist. „Das beendet die Krise nicht, aber gibt Handlungsfähigkeit zurück.“ 

Vor einigen Monaten noch schien die Zukunft des defizitären Betriebs mit dem Verkauf an den deutsch-ägyptischen Investor Mohamad Rady Amar mit Beginn des Jahres 2013 endlich geregelt. Dann schwelten Gerüchte um finanzielle Schieflagen. Schließlich wurde bestätigt, dass Amar sowohl als Geschäftsführer der Yasmina Flughafenmanagement GmbH als auch aus deren Muttergesellschaft, der 3-Y-Logistic und Projektbetreuung GmbH, ausgestiegen, die 3-Y-Logistic verkauft ist und dass Rechnungen offen sind.

Ein entscheidender Termin beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig zum Ausbau des Flughafens am 23. April wurde unterdessen kurzfristig aufgehoben. In der an den Airport grenzenden Gemeinde Groß Grönau, die vor dem OVG Klage gegen einen Flughafen-Ausbau führt, sind diese schlechten Nachrichten vorerst gute Nachrichten, insbesondere, weil im Zuge ihrer Klage auch die Bonität des Unternehmens eine entscheidende Rolle spielt.

Beim Verein „Pro Airport Lübeck“ klingt es, als sei die Beerdigung des Flughafen so gut wie sicher. Wie in einem Nachruf heißt es dort, man sei „überzeugt, dass der Flughafen Lübeck seinen Platz am Markt gefunden hätte, wenn er nicht zum Spielball verkommen wäre und man ihn als wirkliche Zukunftschance begriffen hätte“.

Kritiker werfen Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) vor, seit Monaten ausstehende Pachtzahlungen des Investors nicht hartnäckig genug verfolgt zu haben. Medienangaben zufolge stehen 189.000 Euro aus. Saxe habe lediglich ein Mahnverfahren eingeleitet.

Der ehemals städtische Flughafen Lübeck-Blankensee wurde nach langem politischen Streit Ende 2012 vollständig privatisiert. Der Flughafen macht - wie die meisten Regionalflughäfen in Deutschland - Verluste. Derzeit werden fünf Ziele regelmäßig von Lübeck aus angeflogen. Hinzu kommen Charterflüge. Bei den Billigfliegern beschränkt sich das Angebot auf zwei Gesellschaften: die ungarische Wizz Air, die nach Danzig und in die ukrainische Hauptstadt Kiew fliegt, und Ryanair.

Der irische Billigflieger bietet Verbindungen nach Bergamo, Pisa und Palma de Mallorca an. Nach der Privatisierung des Flughafens gab es mehrere Initiativen zur Gründung von Regionalfluglinien - bislang vergeblich. Die Geschichte des Flughafens reicht bis 1917 zurück. Damals hatte das Kriegsministerium eine Kaiserliche Flugschule zur Pilotenausbildung errichten lassen. Bis 1950 diente der Flughafen militärischen Zwecken. Versuche, Linienflüge zum Beispiel nach Skandinavien zu etablieren, scheiterten an den Luftraumbeschränkungen durch die nahe Grenze zur DDR.

Durch den Fall der Mauer 1989 bekam Lübeck-Blankensee Aufwind. 1995 wurden regelmäßige Charterverbindungen nach Malta, Kreta und Mallorca eingerichtet. Doch die Lage des Flughafens im Naturschutzgebiet Grönauer Heide, Klagen gegen den geplanten Ausbau und die Abhängigkeit von Ryanair führten letztlich dazu, dass die Passagierzahlen sanken. Rund 370.000 wurden 2013 abgefertigt, im bislang besten Jahr 2005 waren es knapp 716.000.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen