Flughafen gerettet – wieder einmal

Lübecks designierter Flughafenchef:  Der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Markus Matthießen.
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Lübecks designierter Flughafenchef: Der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Markus Matthießen.

Vier Eigentümer in neun Jahren: Jetzt will die Pu-Ren-Gruppe den Lübecker Airport betreiben / Eine Million Passagiere pro Jahr angepeilt

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11. Juli 2014, 18:44 Uhr

Die Erwartungen an ihn sind hoch – das gibt der neue Lübecker Airport-Chef unumwunden zu. Markus Matthießen – ehemaliger Bank-Filialleiter und noch CDU-Kreisgeschäftsführer in Stormarn, Ex-Landtagsabgeordneter und zurzeit Vorsitzender der CDU-Fraktion Lauenburg/Elbe – hat sich gestern als neuer Geschäftsführer des Lübecker Flughafens der Öffentlichkeit vorgestellt.

Wenige Stunden zuvor hatte die Bürgerschaft der Hansestadt der Übernahme des insolventen Regional-Airports durch die chinesische Pu-Ren Germany GmbH in einer nicht-öffentlichen Sitzung zugestimmt. Der vom Elmshorner Insolvenzverwalter Dr. Klaus Pannen vorgeschlagene neue Investor – der vierte Eigentümer in neun Jahren – schien die Politiker überzeugt zu haben. Am 1. August soll die Pu-Ren Germany GmbH mit Matthießen als Geschäftsführer den Airport übernehmen.

„Einen Hochglanzprospekt mit hehren Zielen gibt es noch nicht“, scherzte Matthießen angesichts der kurzfristigen Verhandlungen in der Insolvenzzeit des Airports. Dennoch schmiede Pu-Ren große Pläne: Ziel sei es, eine „schwarze Null“ zu erwirtschaften. Dazu solle langfristig eine Million Passagiere pro Jahr angepeilt werden. „Das Potenzial ist da“, sagt Matthießen. Ein unterschriebener Vertrag mit einer Airline liege bereits seit längerem vor, sagte der neue Flughafen-Chef. Jetzt müsse man wieder in die Gespräche einsteigen. Und man sei auch in Gesprächen mit zehn weiteren Fluggesellschaften.

Einen Zeitplan dafür mochte der 41-Jährige jedoch nicht nennen – ebenso schwieg er zum Kaufpreis, den die Pu-Ren gezahlt hat. Der alleinige Gesellschafter der in Hongkong registrierten Pu-Ren-Group, Yongqiang Chen, will bereits in der kommenden Woche nach Lübeck reisen, um die notwendige Unterschriften zu leisten. Das Misstrauen gegen den bisher nicht in Erscheinung getretenen Investor versuchte Matthießen auszuräumen – es sei den Vorbesitzern des Flughafens geschuldet. Darunter befindet sich auch der bisherige Flughafen-Eigentümer Mohamad Rady Amar, der seit April untergetaucht ist. Die Pu-Ren-Group stehe finanziell gut da, so Matthießen. Das 2006 gegründete Unternehmen könne ein Stammkapital von umgerechnet 660 Millionen Euro vorweisen.

Auf den Lübecker Flughafen war Chen durch einen Hinweis der Wirtschaftsförderung der Stadt Lauenburg aufmerksam geworden. Den Kauf des Aiports nannte Matthießen eine „strategische Investition“. Bislang betreibt die Pu-Ren-Gruppe in China drei Krankenhäuser und plant den Neubau eines Flughafens. Für die Pacht des Geländes und die Miete der Landebahnbefeuerung sowie des Instrumentenlandesystems, die nach wie vor Lübeck gehören, zahlt Pu-Ren der Stadt jährlich rund 400 000 Euro.

Matthießen ließ keinen Zweifel daran, dass der Flughafen „die Kurve kriegt“. Jetzt gehe es vor allem darum, den Betrieb zu stabilisieren, vorsichtig zu erweitern und das Planfeststellungsverfahren zum Abschluss zu bringen.

In ersten Planungen geht es dem neuen Eigentümer auch darum, die Behelfszelte auf dem Flugfeld abzubauen und durch moderne Gebäude zu ersetzen. Lübeck solle zum Standort einer internationalen Flugschule werden, da insbesondere China zurzeit seinen Luftraum auch für Privatpiloten öffnet. Und Medizintouristen aus dem Ausland, die sich wegen des guten Rufs deutscher Kliniken und Medizintechnik hier behandeln lassen wollen, sollen über innerdeutsche Verbindungen nach Lübeck kommen.

Weiter offen ist hingegen das Schicksal der Segelflieger in Blankensee (wir berichteten): Es seien „rechtsgültige Vereinbarungen nötig“, so Matthießen, damit die Mitglieder des Aero-Clubs wieder fliegen können. „Ihnen stehen alle Türen offen“, sagte der neue Flughafen-Chef und spielte den Ball zu den Hobby-Piloten.

Die Mitarbeiter des Flughafens können derweil aufatmen: Sie sollen weiterhin am Airport angestellt bleiben. Kündigungen schloss Matthießen jedoch nach Ablauf eines Jahres nicht aus – je nach dem, wie sich der Flughafen entwickeln wird.

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