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Lübeck

18. Dezember 2017 | 06:35 Uhr

Flüchtlinge: Stadt macht Tempo

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Aber: Lübecker CDU lehnt Pläne des Landes zum Bau der Erstaufnahmeeinrichtung an der Kronsforder Allee ab

Die Hansestadt Lübeck muss im Dezember mehr Flüchtlinge unterbringen als im gesamten Jahr 2014. Und die Zahlen steigen weiter. Jetzt will die Stadt handeln: In Travemünde rücken in Kürze an der Ostseestraße die Bagger zum Bau einer Unterkunft an. Und das bestehende Containerdorf auf Marli wird in den kommenden Tagen seine Kapazität verdoppeln.

Ankommende Flüchtlinge werden für die ersten Wochen in Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) des Landes untergebracht – in Lübeck auf dem Volksfestplatz an der Travemünder Allee. . Wenn erste Formalitäten erledigt sind, verteilt das Land die Asylsuchenden weiter an Kommunen. Und die haben mit einem Problem zu kämpfen: Die Umverteilung erfolgt nämlich mittlerweile so kurzfristig, dass die kaum Zeit hat, sich vorzubereiten.

Im September schickte das Land rund 250 Menschen nach Lübeck, im November waren es knapp 500. In den ersten drei Dezember-Wochen sollen es 700 sein. Zwischen den Feiertagen wird nach Zusage des Innenministeriums in Kiel keine Verteilung vorgenommen.

Den zunächst befürchteten Rückstau von Transitflüchtlingen (auf dem Weg nach Skandinavien) hat es dagegen nicht gegeben. Die vorbereiteten Sporthallen am Burgfeld und in der Mühlenstraße werden deshalb wieder für Schulen und Vereine freigegeben. Der ehemalige Baumarkt „Praktiker“ in Genin soll dagegen als Gemeinschaftsunterkunft genutzt werden (wir berichten).

Die von der Stadt geplanten Unterbringungsprojekte werden beschleunigt: Für die Unterkunft an der Ostseestraße in Travemünde beginnen in zwei Wochen die Erdarbeiten, Mitte Januar werden die Holzhäuser gebaut. Am Bornkamp werden in zwei Wochen die ersten vier von 56 kleinen Hütten stehen, die bis zu vier Personen Platz bieten. Sie sind bis zu 35 Quadratmeter groß, besitzen eine Nasszelle und eine Pantryküche sowie zwei über Leitern erreichbare Schlafbereiche. Ende Februar soll die komplette Anlage fertig sein. Die Anzahl der Container auf dem Gelände des ehemaligen Autohauses an der Schlutuper Straße auf Marli wird verdoppelt. Und im Stadtteil Schlutup entsteht Anfang 2016 ein weiteres Containerdorf. Außerdem werden zahlreiche Ferienwohnungen genutzt. So sind auf dem Priwall aktuell rund 120 Menschen untergebracht.

Umstritten ist weiterhin der Bau einer Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Lübeck. Nach dem Scheitern des Vorhabens im Stadtteil Bornkamp (wir berichteten) will das Land eine EAE an der Kronsforder Landstraße errichten. „Die Pläne der Landesregierung für den Bau einer großen Erstaufnahmeeinrichtung an der Kronsforder Landstraße sind nicht glaubwürdig“, sagt Andreas Zander, CDU-Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft Andreas Zander.

„Mit jeder Äußerung der Landeregierung erhöht sich die Anzahl der Flüchtlinge, die an der Rothebek untergebracht werden sollen. Erst waren es 600, dann sprach Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) von 850 Personen. Jetzt heißt es offiziell, es werden weniger als 2000 Flüchtlinge“, so Zander. Die CDU halte die Befürchtungen der Anwohner für realistisch. Die Grundstücke an der Kronsforder Landstraße, mit denen die Landesregierung plane, hätten durchaus eine Kapazität bis zu 4500 Personen. „Eine Erstaufnahmeeinrichtung in dieser Größenordnung halte ich für sozial unverträglich“, so Zander. Daher fordere die CDU-Fraktion die Landesregierung auf, von diesen Expansionsplänen abstand zu nehmen. Zander: „Die Hansestadt Lübeck hat genügend soziale Brennpunkte. Um die Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu korrigieren, planen wir ganze Stadtteile neu und strukturieren sie um. Einen weiteren Problembereich, kann sich die Hansestadt nicht leisten.“


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