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Lübeck

17. Oktober 2017 | 16:10 Uhr

Flow – der Start ins neue Leben

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Neues Projekt in Lübeck will jungen Flüchtlingen Integration in der Hansestadt erleichtern helfen

„Flow – Für Flüchtlinge! Orientierung und Willkommenskultur“, so heißt das neue Projekt der Gemeindediakonie Lübeck. Flow wendet sich an junge Flüchtlinge zwischen 16 und 25 Jahren und setzt sich zum Ziel, die Integration der jungen Menschen in Lübeck zu verbessern.

2015 werden bis zu 1700 Asylsuchende in der Hansestadt erwartet. Die Gemeindediakonie nimmt die Flüchtlinge im Auftrag der Stadtverwaltung in Empfang, besorgt Unterkünfte, begleitet bei Behördengängen, vermittelt Plätze in Schulen, Kindergärten und Sprachkursen, berät bei Fragen zum Asylverfahren und vielen anderen Belangen.

„Es fiel immer wieder auf, dass insbesondere junge Flüchtlinge zwischen 16 und 25 Jahren es schwer haben, sich in ihrer neuen Heimat zu integrieren“, berichtet die Geschäftsführerin der Gemeindediakonie, Pastorin Dörte Eitel. Ursachen: Jeder dritte Flüchtling in Deutschland ist minderjährig und hat Krieg, Gewalt oder traumatische Erlebnisse erfahren. Die Aufenthaltssituation ist häufig über einen langen Zeitraum ungeklärt, die von den Behörden einbestellten Vormünder für minderjährige Flüchtlinge müssen sich um zu viele Jugendliche gleichzeitig kümmern.

Sind die Jugendlichen mit ihrer Familie gekommen, so fühlen die Eltern sich häufig ebenfalls mit der Situation überfordert, kennen sich in der neuen Heimat noch nicht aus, finden sich in der Alltagswelt der Jugendlichen nicht zurecht. Das Ergebnis: „Die Jugendlichen fühlen sich isoliert, finden häufig keinen Zugang zum Bildungssystem und in der Folge auch keinen Zugang zum Arbeitsmarkt“, so Eitel.

Hier setzt Flow an. Die Projektleiterinnen Gabriele Sester und Maryam Gardisi entwickelten mit der Bereichsleiterin Migration und Integration, Cornelia Bauke, ein Angebot. „Ziel von Flow ist die allgemeine Verbesserung der in vielen Bereichen schwierigen Lebenssituation von Flüchtlingen zwischen 16 und 25 Jahren. Wir sprechen dabei verschiedene Gruppen an: natürlich die jungen Flüchtlinge selbst, dann ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten, weiterhin Fachkräfte, die mit den Jugendlichen arbeiten und schließlich auch alle Lübecker“, erläutern Sester und Gardisi die Grundstrukturen des Projektes.

Flow besteht aus verschiedenen Modulen. Eines ist ein Mentoring-Programm für die jungen Flüchtlinge. Hier bilden Ehrenamtliche mit den Jugendlichen individuelle Tandems und fördern so den Spracherwerb, aber auch die Integration durch den gemeinsamen Besuch von Sport- und Kulturveranstaltungen oder durch die Unterstützung bei alltäglichen Herausforderungen.

Ein weiteres Modul beinhaltet den Aufbau eines Netzwerkes für Psychotherapie- und Traumabehandlung. Eltern und Erziehungsberechtigte der Flüchtlinge werden mit Orientierungskursen zu Bildungs- und Integrationsthemen angesprochen. Die Fachkräfte in Schulen, Verwaltung, Betreuung und Sozialarbeit will das Projekt durch Austausch, Vernetzung und Weiterbildung mit einbeziehen. Zudem bietet Flow Kultur- und Infoveranstaltungen an. Dadurch soll in der Hansestadt eine Willkommenskultur gefördert werden, die Flüchtlingen die Orientierung und Integration erleichtert.

Die Senatoren Sven Schindler (SPD) und Kathrin Weiher (parteilos) werden das Konzept mit ihren Fachbereichen Wirtschaft und Soziales sowie Kultur und Bildung unterstützen. „Flow ist ein fantastisches Projekt um dazu beizutragen, dass Integration der Flüchtlinge zwischen 16 und 25 Jahren gelingen kann“, sagt Senator Schindler. Kathrin Weiher: „Wir haben sehr viele Angebote im Bereich junger Familien und kleinerer Kinder, die Altersgruppe der 16- bis 25-Jährigen erreichen wir dagegen bisher nur schwer. Flow schließt hier eine Lücke für Jugendliche und junge Erwachsene, die sich in einer entscheidenden Lebensphase befinden – dem Einstieg ins Berufsleben.“

Den größten Anteil an der Finanzierung übernimmt die Possehl-Stiftung mit 300  000 Euro. Stiftungsvorsitzenden Renate Menken: „Wir müssen gerade diese jungen Menschen integrieren, denn sie werden als qualifizierte Arbeitskräfte gebraucht.“

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