Ferienwohnungen in der Altstadt

Die Altsadtinsel lockt die Touristen an. Immer mehr Hausbesitzer widmen daher ihre Immobilie zu Ferienwohnungen um. Ein Trend, der auch Nachteile hat.
Die Altsadtinsel lockt die Touristen an. Immer mehr Hausbesitzer widmen daher ihre Immobilie zu Ferienwohnungen um. Ein Trend, der auch Nachteile hat.

Neue Regelungen sollen der zunehmenden Umnutzung von Wohnungen in der Lübecker Altstadt Einhalt gebieten

shz.de von
18. Januar 2018, 16:23 Uhr

Die Vielzahl schmaler Gänge in der Lübecker Altstadt, die  zu den kleinen Hinterhäusern aus Mittelalterzeiten führen, haben hohe Anziehungskraft. Touristen aus aller Herren Länder werfen gern hier einen Blick hinein, und es sind nicht wenige, die mal eine Nacht in einem Altstadthaus verbringen möchten. Kein Wunder also, wenn immer mehr Hauseigentümer ihre Altstadt-Immobilie als Übernachtungsquartier anbieten. Es lohnt sich. Aber nicht allen gefällt das.

Besonders in den Altstadtgängen sorgt die Zunahme der Ferienwohnungen für Ärger. In einigen Gängen ist das nachbarschaftliche Verhältnis bereits gestört, denn gut gelaunte Touristen haben zuweilen eine andere Lärmtoleranz als die langjährigen Altstadthausbewohner. Außerdem, so die Einschätzung in der Lokalpolitik, könnte eine Verödung von Teilen der Altstadt eintreten, wenn Wohnareale letztlich zu Gewerbeflächen würden.

Jetzt gibt aber es eine neue Rechtslage. Und eine Klarheit: In Gängen, in denen bisher nur gewohnt wird, können keine Übernachtungsquartiere entstehen. Das Thema sorgt seit Jahren für Ärger vor allem in der Innenstadt. Seit Mai 2017 gibt es endlich eine Rechtslage. Der neue Paragraf 13a der Baunutzungsverordnung nennt die Ferienwohnungen einen „nicht störenden Gewerbebetrieb“. Sie sind also in reinen Wohngebieten verboten. In allgemeinen Wohngebieten sind sie möglich, wenn sie eine „untergeordnete Bedeutung gegenüber der in dem Gebäude vorherrschenden Hauptnutzung“ haben.

Große Teile der Innenstadt sind kein „reines Wohngebiet“, sondern ein „allgemeines Wohngebiet“. Das heißt, es muss im Einzelfall geprüft werden, ob Ferienwohnungen zulässig sind. Der Gebietscharakter muss gewahrt bleiben. Die Stadtverwaltung muss prüfen, ab wie viel Ferienwohnungen sich das Gebiet verändert.

In den meisten Altstadtgängen ist es einfacher. Gibt es dort noch kein Gewerbe, handelt es sich um ein reines Wohngebiet. Hier darf nicht an Urlauber vermietet werden. Gibt es aber bereits ein „Nichtwohnraumnutzung“ können bis zu 15 Prozent für die Touristen genutzt werden, so die Einschätzung des Innenministeriums des Landes. Werden bereits Ferienwohnungen vermietet, handelt es sich um ein Mischgebiet. Hier ist weiteres Gewerbe zulässig.

Auf die Lübecker Verwaltung kommt viel Arbeit zu, um den Frieden in den Stadtmauern wieder herzustellen. Zuerst muss aber die Liste aller Ferienwohnungen aktualisiert werden. Dann soll die Diskussion über die Zukunft der Altstadt in diesem Jahr abgewartet werden. Erst dann folgen Bebauungspläne, die Bereiche zu reinen oder allgemeinen Wohngebieten erklären.


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