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Landgericht Lübeck : Familiendrama in Kabelhorst: Angeklagte gesteht Mord am Ehemann

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Eine 58-Jährige hat gestanden, ihren Mann erstochen zu haben. Am Mittwoch will sie sich persönlich äußern.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2016 | 17:01 Uhr

Lübeck | Im Prozess um den Mord an einem Familienvater hat die angeklagte Ehefrau am Mittwoch in Lübeck unter Tränen ein umfassendes Geständnis abgelegt. Sie habe ihren Mann getötet, sagte die 43-Jährige. Es tue ihr sehr leid, was passiert sei und dass sie so viel gelogen habe, sagte die Angeklagte mit leiser Stimme. Ihr wird vorgeworfen, im Oktober 2015 in Kabelhorst im Kreis Ostholstein ihren schlafenden Ehemann mit 14 Messerstichen heimtückisch ermordet zu haben.

Der Mord in Kabelhorst sorgte landesweit für Schlagzeilen. Die Frau hatte erst angegeben, Unbekannte seien in ihr Haus eingedrungen. Doch dann geriet sie selbst in den Fokus der Ermittler.

„Es tut mir sehr leid. Er ist der Vater meiner Kinder, ich weiß nicht, was ich den Kindern erzählen soll“, sagt die Angeklagte. Die kleine, kräftige Frau sitzt zusammengesunken auf der Anklagebank.

Ihren Blick hält sie gesenkt, ihre Stirn stützt sie auf ihre gefalteten Hände. In Pidgin-Englisch schildert die aus dem zentralfrikanischen Land Kamerun stammende Frau, wie sie am Abend des 22. Oktober 2015 mit einem großen Fleischmesser auf ihren 58 Jahre alten, ebenfalls aus Afrika stammenden Ehemann eingestochen hat. „Ich habe die Kontrolle über mich verloren. Ich kann mich an Einzelheiten nicht erinnern“, sagt sie. Dabei ist ihre Stimme so leise, dass selbst die neben ihr sitzende Dolmetscherin sie kaum versteht.

Ihr Mann habe keineswegs geschlafen, als sie ihn attackierte, sagte sie. „Nach dem ersten Stich hat er seinen Arm gehoben und versucht, mich festzuhalten, aber ich habe weiter gemacht“, sagte sie. Als sie realisiert habe, dass ihr Mann tot war, habe sie die Polizei und den Rettungsdienst gerufen, sagte die Angeklagte vor Gericht. Bei der Polizei hatte sie behauptet, Fremde seien in das Haus eingedrungen und hätten ihren Mann umgebracht. Unter Tränen schilderte sie, dass ihre Ehe zunehmend schlechter geworden sei. „Mein Mann hat mich beleidigt und gedemütigt. Er hat gesagt, mein Körper sei verrottet und stinke“, sagte sie vor Gericht.

Außerdem habe sie Angst davor gehabt, von ihrem Mann nach Afrika zurückgeschickt zu werden. Vom am ersten Verhandlungstag erwähnten Voodoo-Zauber des Ehemannes war dagegen in der Aussage am Mittwoch keine Rede mehr.

Das Paar hatte 2010 in Kamerun geheiratet und war 2011 in ein Einfamilienhaus in den kleinen Ort Kabelhorst gezogen. Die beiden Kinder wurden 2011 und 2013 geboren. Nachbarn hatten vor Gericht ausgesagt, das Paar habe auf sie einen harmonischen Eindruck gemacht. Der Prozess wird fortgesetzt.

Ein Rückblick auf die Ereignisse aus dem Herbst 2015:

22. Oktober

Ein Familienvater liegt am Donnerstagmorgen tot in seinem Haus. Die Obduktion ergibt, dass das Opfer aufgrund multipler Stichverletzungen verblutet ist. Später berichtet eine Nachbarin: „Um 6.30 Uhr klingelte seine Ehefrau bei mir, schrie und weinte.“. Immer wieder habe sie gerufen: „Mein Mann ist tot, mein Mann ist tot!“ Und aus dem rot geklinkerten Haus des Paares sei zu hören gewesen, wie die beiden Söhne, drei und fünf Jahre alt, nach Mama und Papa schrien. Die Nachbarin bricht bei der Erinnerung daran in Tränen aus. „Bevor ich den Notruf wählen konnte, kam auch schon der Rettungswagen.“ Nach Polizeiangaben rief die Ehefrau die Rettungskräfte. Sie wird zunächst mit einem schweren Schock ins Krankenhaus nach Oldenburg gebracht und behandelt.

In Kabelhorst ist die Erschütterung an jeder Ecke spürbar. Der Getötete war bei allen beliebt. Als Jean Claude T. (58) vor ein paar Jahren aus Afrika kam und das Häuschen in Kabelhorst kaufte, haben die Menschen in der ostholsteinischen Provinz den dunkelhäutigen Mann sofort ins Herz geschlossen. Das Opfer stammt aus dem westafrikanischen Benin, war aber deutscher Staatsbürger. Er arbeitete in der Küche des Gosch-Hotels im nahen Grömitz. Von 9 bis 22.30 Uhr, wie die Kabelhorster erzählen.

23. Oktober

Einen Tag nach dem gewaltsamen Tod des Familienvaters gibt es erste Tatverdächtige. Es sei aber noch niemand festgenommen worden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lübeck, Ulla Hingst. Nähere Angaben machte sie nicht, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Sie betonte: „Hinweise auf eine fremdenfeindliche Tat liegen nicht vor.“

27. Oktober

Fünf Tage nach dem Mord erlässt das Amtsgericht Lübeck Haftbefehl gegen die Ehefrau.Sie stehe in dringendem Verdacht, ihren Ehemann im Schlaf erstochen zu haben, sagt der Pressesprecher der Lübecker StaatsanwaltschaftRalf-Peter Anders. Das ergebe sich unter anderem aus den Spuren am Tatort. Angaben zu einem möglichen Tatmotiv macht er nicht.

„Auffällig war unter anderem, dass es keinerlei Einbruchspuren am Haus gab“, sagte Anders. Auch die widersprüchlichen Aussagen der Frau hätten den Verdacht bestärkt, dass sie ihren Mann getötet habe. „Die Tatsache, dass das Opfer im Schlaf erstochen wurde, erfüllt den Tatbestand der Heimtücke. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen Mordes beantragt.“

26. April 2016

Mit einem Geständnis der Angeklagten hat Ende April in Lübeck der Prozess um das Familiendrama begonnen. Die Angeklagte sagte, sie habe ihren Ehemann mit 14 Messerstichen getötet, weil dieser sie seit Jahren gedemütigt und erniedrigt habe, hieß es in einer von ihrem Anwalt verlesenen Erklärung. Seine Mandantin habe auch berichtet, dass ihr Mann Hexerei und Voodoo-Zauber praktiziert habe, sagte er. Die Angeklagte habe keinen anderen Weg gesehen, um ihr Martyrium zu beenden.

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