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Lübeck

22. September 2017 | 02:50 Uhr

„Es gehört zu ihrer Würde“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bei Verstorbenen, für die niemand die Bestattung bezahlt, bieten Pastoren Kollektiv-Trauerfeiern an

von
erstellt am 21.Apr.2014 | 16:23 Uhr

13 Kerzen, kleine Teelichter, leuchten am Ende der Trauerfeier. Jede steht auf einer Urnenkapsel. Jede steht für einen Namen und ein Leben, das zu Ende gegangen ist. Ein Leben, das nicht leicht, vielleicht sehr bitter war. Sogar das eigene Ende ist anders, als sie es sich selbst wohl vorgestellt hatten. Doch die 13 Namen wurden noch einmal genannt, in einem kleinen und schlichten ökumenischen Gottesdienst. In einem Trauersaal bei einem Lübecker Bestatter. Seit etwas mehr als einem Jahr finden hier die Kollektiv-Trauerfeiern für verstorbene Kirchenmitglieder statt, deren Bestattungskosten das Gesundheitsamt übernimmt.

Zwei Lübecker Gemeindepastoren und ein katholischer Amtsbruder kommen ein Mal im Monat in die Innenstadt, um den Gottesdienst zur Kollektivtrauerfeier zu feiern. Matthias Liberman aus der Auferstehungsgemeinde und Christine Grossmann aus St. Georg-Genin stimmen sich mit Peter Otto ab. Ein Psalm wird gelesen, ein Fürbittengebet und das Vaterunser werden gesprochen, ein Segen und ein Lied gehören dazu.

„Die Menschen sollen nicht einfach verschwinden. Es gehört zu ihrer Würde, sie aus dem Leben zu verabschieden“, sagt Christine Grossmann. Mal sind es zwei, mal sind es zehn, dieses Mal 13 Urnenkapseln, die im Trauersaal stehen. Ein paar Blüten, Kerzen, Musik von der CD zum Eingang und Ausgang. „Die Feier ist sehr schlicht, aber würdig“, sagt Peter Otto.

Der Gottesdienst ist öffentlich. Wie viele Trauergäste kommen, wissen die Geistlichen nicht. Oft haben sie allein Gottesdienst gefeiert. Manchmal kommen ein paar Angehörige, einmal waren 50 Gäste da. Doch auch für sie ist dieser Termin eine letzte Möglichkeit, Abschied zu nehmen. Denn im Anschluss werden die Verstorbenen anonym bestattet.

Die Kirchengemeinden, in denen die Verstorbenen gelebt haben, werden informiert. Neben der Trauerfeier wird im darauf folgenden Gottesdienst für sie gebetet. „Es ist uns wichtig, dass niemand ohne Segen begraben wird“, sagt Pröpstin Petra Kallies. Jede christliche Trauerfeier enthalte beides: die Rückschau auf das Gewesene, ein Erdenleben ist zu Ende gegangen. „Ebenso erzählen wir von unserer Auferstehungshoffnung, das ist der Blick nach vorn.“

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