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Sportartikel-Discounter : Erste Filiale in SH: Decathlon eröffnet in Lübeck

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Aus der Onlineredaktion

Der weltgrößte Sportartikelhändler eröffnet am 19. Mai seinen ersten Shop in Norddeutschland. Und der zweite folgt bald.

Lübeck | Über 1000 Filialen betreibt der französische Sportartikelhändler „Decathlon“ in Europa, Asien und Südamerika – doch Norddeutschland und Dänemark lagen bislang nicht auf der Landkarte des mächtigen Filialisten. Mit der Eröffnung des 3.500 Quadratmeter großen Neubaus in Lübeck-Buntekuh am 19. Mai wird der weltgrößte kombinierte Sporthändler nun im wahrsten Sinne des Wortes in SH „seine Zelte“ aufbauen. Sportlich Aktive dürfen sich am alten Poco-Standort in die Lohgerberstraße über 35.000 präsentierte Artikel zu günstigen Preisen freuen, den Besitzern eingesessener Sportläden und Bekleidungsgeschäfte in der Innenstadt blühen durch die neue Konkurrenz aber Schwierigkeiten.

Decathlon sieht in Deutschland einen der größten Wachstumsmärkte für Sport-Produkte. Vor allem Fachhandelsketten wie Intersport, Sport 2000 und Sportcheck sehen in dem expansionswütigen Weltmarktführer eine Bedrohung.

Der französische Konzern ist vor allem für eines bekannt: Seine preisgünstigen Eigenmarken, so genannte „Passion Brands“, die nahezu jede Sportart einschließen. Wer auf Markenkult keinen Wert legt, der kann sich und seine Kinder bei Decathlon für vergleichsweise wenig Geld mit Alltäglichem oder Speziellem ausrüsten. Angler, Fußballer und Bergsportler werden ebenso mit Produkten aus den 18 spezifischen Haus-Marken versorgt wie Wassersportler, Golfer, Radler, Jäger und Kampfsportler. Wanderer finden unter dem Schirm der Hausmarke Quechua ihre Fleece-Jacke, Reiter stöbern unter dem Fouganza-Schild nach Mähnenspray, Schabracken und Gamaschen – und wer einen Tennisschläger will, der fragt nach „Artengo“. Nicht mal ein Viertel der Verkaufsfläche gehört letztendlich den großen Sportmarken wie Adidas, Nike und Co..

„Wir möchten jedem die Freude am Sport ermöglichen“, sagt die Sprecherin von Decathlon, Genevieve Mulack. Man habe sich für Lübeck entschieden, weil die Stadt und das Umland viele Möglichkeiten der sportlichen Betätigung ermögliche. Dazu gehöre unter anderem dem Reit-, Wasser-, und Segelsport.

Und die Produktionsbedingungen?

Forschung und Entwicklung finden in Frankreich statt, die Produktion aber in Fernost. Decathlon und das zugehörige Oxylane lassen in insgesamt 17 Ländern in Südeuropa, Asien, Südamerika und Afrika produzieren. Schon 1988 wurde in Asien gefertigt. Ein äußert effizientes Logistiksystem und der Verzicht auf teure Werbung und Marketing ermöglichen Decathlon die erfolgreiche Niedrigpreisstrategie.

Wie bei Sport- und Bekleidungsherstellern nicht selten, gab es vereinzelt Vorwürfe wegen mutmaßlicher Kinderarbeit in einem Zulieferbetrieb, die weitestgehend ausgeräumt werden konnten. Der Konzern verfügt über eine sogenannte „Interne Charta für soziale Verantwortung im Produktionsprozess“ und kontrolliert die Produktionsstätten und Lieferanten mit einer internen Kommission auf die Einhaltung der Norm SA8000, die Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Hungerlöhne untersagt sowie die Gründung von Gewerkschaften gewährleistet.

In der nach einigen schwächeren Jahren wiederbelebten Sportartikel-Branche läuft das Geschäft vor allem in Asien wieder auf Hochtouren. Decathlon ist voll mit dabei. 2015 eröffnete der Filialist weltweit über 100 neue Verkaufsposten – davon 32 in China und zehn in Indien. Dadurch konnten die Umsätze im Geschäftsjahr 2015 um mehr als zwölf Prozent auf 9,1 Milliarden Euro steigen. Das Online-Geschäft ist um satte 35 Prozent gestiegen, liegt anteilig aber nur bei 3,5 Prozent des Gesamtergebnisses. Zu den derzeit 27 Märkten in Deutschland werden 2016 noch sieben hinzukommen, darunter ab Herbst (26. September) auch eine Filiale in Hamburg-Wandsbek.

Das Unternehmen Decathlon

1976 eröffnete Michel Leclercq den damaligen Sportartikelladen Decathlon in Lille. 85 Prozent der Anteile an dem Unternehmen hält heute die Holding Association Familiale Mulliez. Die Mulliez-Familie gehört zu den reichsten in Frankreich. 1999 expandierte die Firma in den USA, konnte sich dort allerdings nicht durchsetzen. Decathlon hat weltweit etwa 70.000 Mitarbeiter.

Die Entwicklung in der Sportartikel-Branche ging in den letzten Jahren vor allem hin zu Mono-Marken-Geschäften, die in ihrem Marketing-Konzept deutlich von den Billig-Märkten abgrenzen. Decathlon hat sich vor allem in Südeuropa mit seiner weit verbreiteten Trekking-Linie einen festen Stand im Bereich Outdoor erarbeitet, steht also auch in Konkurrenz mit dem Marken-Anbieter Globetrotter Ausrüstung, der in Hamburg eine große Erlebnisfiliale mit Schlafsacktest-Kühlraum und Ameisenkolonie betreibt. Ganz so auf Grenzerfahrungen und Lifestyle getrimmt sind die Decathlon-Geschäfte, die eher Baumarktflair ausstrahlen, aber nicht. Ausprobiert und anprobiert werden dürfen die Waren auch dort und die Zelte sind aufgebaut. Zudem soll vor dem Markt ein 500 Quadratmeter großer Sportpark entstehen, der als Kundenmagnet frei zugänglich ist. Etwa 40 Mitarbeiter sollen in der Lohgerberstraße 1 beschäftigt werden.

Nicht nur den unabhängigen Einzelhändlern, sondern auch den großen Ketten lehrt der als gierig und expansionswütig geltende Marktführer Decathlon inzwischen das Fürchten. Die Marktdominanz in Südeuropa ist für die Freizeit-Branche beispiellos. Ab 2008 ist es dem Unternehmen nach einer Untersuchung des französischen Wirtschaftsministeriums gelungen, die Konkurrenz sowohl bei den Gewinnmargen, beim Marktanteil, als auch beim Kriterium höchster Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche abzuhängen. 35 Prozent seines gesamten Umsatzes erwirtschaftet Decathlon in seinen 300 Filialen in Frankreich, eine ähnliche Monopolstellung hat es in Spanien erlangt.

2012 hatte der Konzern bereits den Versuch unternommen, sich auf den 5000 Quadratmetern Fläche im alten Bauhaus-Gebäude in der Schleswiger Straße in Flensburg einzumieten. Doch die Stadt bestand darauf, an dem Standort produzierendes Gewerbe zu etablieren. Decathlon-Märkte befinden sich beinahe ausnahmslos in Industriegebieten, in Mannheims Innenstadt hat sich der mächtige Franzose aber auch niedergelassen. Es gebe derzeit über Hamburg und Lübeck hinaus keine weiteren Expansionspläne in Schleswig-Holstein und Dänemark, heißt es nach Anfrage bei Decathlon. Man habe aber immer Ballungszentren im Blick.

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erstellt am 05.Apr.2016 | 14:04 Uhr

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