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Lübeck

19. November 2017 | 02:33 Uhr

Erfolgreiche Frischzellenkur

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Touristenmagnet und Unikat: Astronomische Uhr in der Lübecker Marienkirche für 125 000 Euro saniert

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2014 | 13:13 Uhr

Wenn eine Armbanduhr nicht mehr läuft, bringt man sie zum Uhrmacher. Bei der Astronomischen Uhr der Lübecker Marienkirche ist es genau anders herum, da musste der Uhrmacher ins (Gottes-)Haus kommen – kein Wunder bei den Abmessungen: Sie ist 12,41 Meter hoch und etwas mehr als vier Meter breit. Und allein die Datumsscheibe ist etwa 20 Zentimeter stark und wiegt 350 Kilogramm.

In den vergangenen acht Monaten wurde die gesamte Astronomische Uhr saniert, blieb für die Öffentlichkeit seit August 2013 hinter einer Plane verborgen. Seit gestern ist die Uhr wieder im neuen, alten Glanz zu bewundern.

Es ist das erste Mal seit dem Einbau Anfang der 1960er Jahre, dass die Uhr gereinigt, restauriert und repariert wurde. Und das war dringend notwendig, denn das Uhrwerk und der so genannte Figurenlauf hatten Aussetzer. Uhrmachermeister Jochen Otto hatte mächtigen Respekt vor dem Unikat: „Ich hatte so etwas noch nie vorher gemacht“, sagte der Neustädter gestern zum Abschluss der Arbeiten.

Und wo sonst bei Armbanduhren nur auf der Rückseite ein Deckel geöffnet werden muss, um an das Uhrwerk zu gelangen, war hier schwere Technik nötig. „Das Uhrwerk war so sperrig und so schwer, dass wir es nicht über die Treppe hinunter tragen konnten“, sagt Otto. So blieb dem Spezialisten-Team nichts anderes übrig, als das Herz der Uhr per Flaschenzug über die Fassade ins Kirchenschiff zu bringen. „Einige tausend Teile“ umfasste laut Otto die gesamte Konstruktion.

Da der Erbauer, der Lübecker Uhrmachermeister Paul Behrens, keine Pläne hinterlassen hatte, habe es laufend Überraschungen gegeben, erinnert sich Joachim Otto. Bei vielem musste erst herausgefunden werden, wie das Zusammenspiel funktioniert. „Es handelt sich bei der Astronomischen Uhr in St. Marien ja auch um ein Unikat. Auf Erfahrungswerte konnte also niemand setzen“, sagte Projektleiter Justus Deecke.

Rund 125 000 Euro hat die Frischzellenkur gekostet. Etwa 60 000 Euro sind durch Spenden zusammen gekommen. „Die Possehlstiftung hat großzügig gefördert, sowie die Gemeinnützige Sparkassenstiftung“, sagte Marienpastor Robert Pfeifer gestern.

Jetzt läuft die Uhr wieder rund, die vergoldeten Elemente sind gereinigt und teilweise erneuert worden, und der alte Handaufzug ist passé: Joachim Otto baute einen elektrischen Mechanismus ein, der dafür sorgt, dass der Küster nicht mehr wöchentlich die Uhr aufziehen muss.

„Dieses Bauwerk ist ein Anziehungspunkt für Touristen und Gäste der Stadt und eine besondere Attraktion St. Mariens und Lübecks“, sagt Pastor Robert Pfeifer, der sich glücklich zeigte über den Abschluss dieses „sehr aufwändigen Projekts“. Erst in etwa zehn Jahren müsse die Uhr wieder gewartet werden, schätzt Joachim Otto. So lange würde die Frischzellenkur mindestens halten.

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