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Lübeck

22. Oktober 2017 | 17:51 Uhr

Eine Testwand für St. Petri

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Mauern unter Laborbedingungen: Kirchenbauhütte probt an Musterwand mit historischem Baumaterial für Gotteshaus-Sanierung

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2014 | 13:04 Uhr

Sie mauern, um zu testen: Bevor die Arbeiten am maroden Turm der Lübecker Petri-Kirche beginnen, testet die Bauhütte aktuell ihr Vorgehen nahezu unter Laborbedingungen.

Die Backsteinfassade der Petri-Kirche aus dem 12. Jahrhundert ist durch Frost und eintretende Feuchtigkeit erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Risse durchdringen das Mauerwerk an einigen Stellen bis zu drei Mauerwerksteine tief. 75 schmiedeeiserne Anker müssen fachmännisch begutachtet und eventuell ersetzt werden. Die geschätzten Kosten liegen bei 2,8 Millionen Euro.

Im Fokus der jetzt gestarteten Testarbeiten steht an der kleinen Musterwand der Hochbrandgips. In den einzelnen Feldern des Gefaches arbeitet Maurer Jürgen Kreutzfeldt zum Beispiel mit verschiedenen farblichen Zusammensetzungen.

„Am Turm von St. Petri haben die Fugen ganz unterschiedliche Farben“, sagt Hüttenmeister Bernd Leinert. Die einen sind dunkler, die anderen heller. Das soll auch bei der Sanierung des Mauerwerks berücksichtigt werden. Um für das Muster den Gips zu mischen, haben Leinert und Kreuztfeldt Holzkohle mit der Kaffeemühle gemahlen. So konnten sie die Schattierungen grammgenau bemessen.

Hochbrandgips ist ein historisches Baumaterial, das überwiegend für die Innenstadtkirchen genutzt worden ist. Auch für die Sanierung der Petri-Kirche soll es verwendet werden. Für die Maurer sind die Testarbeiten wichtig, um das Material kennen zu lernen. Denn Hochbrandgips ist sehr aufwendig zu verarbeiten. „Er muss langsam aufgerührt werden“, erklärt Leinert. „Dafür bindet er schnell ab.“

An der Musterwand wird sich auch zeigen, wie lange es dauert, einen Quadratmeter zu mauern oder zu verfugen. „Diese Zeitwerte sind wichtig für die Planungen der Arbeiten am Petriturm“, sagt Leinert.

Für die Musterwand hat Jürgen Kreutzfeld bereits 80 Stunden aufgebracht. Wenn sie fertig ist, wird sie auf dem Hüttengelände der Witterung überlassen. So können die Fachleute am Modell über einen langen Zeitraum beobachten, wie sich Backstein und Gips verändern. „Mit diesen Modellarbeiten wollen wir mögliche Bauschäden vermeiden“, sagt Bernd Leinert. Zugleich diene die Testwand aber auch als Vorlage. „Daran können wir uns während der Bauarbeiten immer wieder orientieren.“

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