Eine Rallye auf drei Rädern

Am kommenden Sonntag startet in Lübeck die erste, 3000 Kilometer lange Ostsee-Rundtour für vollverkleidete Fahrräder, sogenannte Velomobile.

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30. Juni 2014, 12:20 Uhr

Es ist eine Mischung aus Rennbob, Flugzeugrumpf und Kabinenroller. Und ist ein seltener Anblick, denn häufig anzutreffen sind Velomobile nicht. Das futuristische Gefährt hat keinen eigenen Antrieb, sondern kommt mit Muskelkraft auf Touren. Ein Velomobil ist ein voll verkleidetes Liegefahrrad. Und alltagstauglich: „Die meisten von uns fahren regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit, im Sommer wie im Winter“, erklärt Josef Janning. Der 58-Jährige ist Organisator und Kapitän der ersten Ostsee-Rundtour für vollverkleidete Fahrräder. Am kommenden Sonntag,
6. Juli, startet die Rallye für Velomobile in Lübeck.

Das ambitionierte Zeil des „Great Baltic Sea Ride“: in drei Wochen 3300 Kilometer durch acht Ostsee-Anrainerländer zurückzulegen. 19 Fahrer aus fünf Nationen nehmen an der Premieren-Tour teil. Den Startschuss gibt Lübecks Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer um 10 Uhr auf dem Markt am historischen Lübecker Rathaus.

Die Dauer der Rundfahrt und Länge der Etappen entsprechen denen des weltweit härtesten Ereignisses im Radsport, der Tour de France. „Doch diese Tour ist völlig anders“, sagt Josef Janning. Was den meisten Freizeitradlern als Tortur erscheinen mag, schreckt die Teilnehmer dieser speziellen Rundfahrt kaum. Sie sind keine Amateurrennfahrer oder gar Profis. Das Training der 19 Männer und einer Frau im Alter zwischen 35 und 62 besteht im wesentlichen aus Alltagsfahrten. „Regelmäßiges Ausdauertraining ist die beste Vorbereitung auf eine Tour wie den Great Baltic Sea Ride“, sagt Janning, der selbst seit vielen Jahren mit dem Rad zur Arbeit pendelt.

Die Herausforderung ist dennoch enorm. Nach zwei Tagen ist Kopenhagen erreicht – ein Tag Zeit für Begegnungen in der dänischen Hauptstadt, bevor es mit einer Nachtfahrt Richtung Schweden geht. Weitere drei Tage später erreichen die Radler Stockholm, eine Woche nach dem Start in Lübeck campen sie bereits vor den Toren Helsinkis.

Der eigentliche Grund für den Spaß, den sich die Radler von der Ostseeumrundung versprechen, liege jedoch in der Liebe zu ihren Spezialrädern, so Janning. Denn an dieser Tour nehmen nur Velomobile teil. Und mit Drahesel-Technik haben die dreirädrige Liegeräder nur wenig zu tun: windschlüpfrige Karosserie aus Glas- oder Kohlefaser, 27-Gang-Schaltung, Überrollbügel, elektrische Beleuchtung, Zugklingel und Warnsirene. „Im Innern können wir ebenso viel Gepäck verstauen wie an ein übliches Tourenrad passt“, so Janning.

Zwischen vier und neun Stunden wollen die Velomobilisten in den Sitzschalen ihrer Velomobile verbringen, um die Tagesetappen zwischen 150 und 280 Kilometern Länge zu absolvieren. Eine ausgiebige Mittagsrast, Besichtigungstage mit geringer Kilometerleistung und die offenen Abende auf dem Campingplatz bieten reichlich Gelegenheit, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und die vielen Nachfragen und Fotowünsche zu befriedigen. „Wir tun dies in erster Linie, weil es Spaß macht und mit einer Gruppe ein ganz besonderes Erlebnis ist“, sagt Janning, der auch schon eine Velomobilgruppe in vier Wochen quer durch die USA vom Pazifik zum Atlantik geführt hat. „Aber, wir wollen auch zeigen, welch erstaunliche Leistung normale Menschen mit der Kraft der eigenen zwei Beine und moderner Fahrradtechnik vollbringen können.“


Weitere Infos zur Tour, den Teilnehmern, der Reiseroute finden sich online unter: http://gbsr2014.eu.



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