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Ein neuer Klüverbaum für die „Lisa von Lübeck“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Flaggschiff der Hansestadt hat nach dem schweren Seeunfall vor den Niederlanden wieder Kontur

Auf diesen spannenden Moment haben viele in der Hansestadt gewartet: Vereinsmitglieder packten am Dienstag auf der „Lisa von Lübeck“ kräftig mit an: Das Schiff – ein Kraweel – erhielt einen neuen Klüverbaum. Er war zusammen mit dem Kastell, dem vorderen Teil des Schiffes, am 20. Juni bei einer Kollision mit dem Segelschiff Sedov zerstört worden.

Der zerstörte Klüverbaum war das noch sichtbare Zeichen des schweren Schiffsunfalls bei der „Sail Texel“ in den Niederlanden. Den vorderen Teil des Kraweel (das Kastell) hatten die Mitglieder der Gesellschaft Weltkulturgut bereits mit einfachen Mitteln aus dem Baumarkt wieder aufgebaut, damit die lange eingeplanten Segel-Touren stattfinden konnten. Gestern kam dann der schwere Teil der Instandsetzungsarbeiten. Zunächst musste der Rest des zerstörten Klüverbaums entfernt werden. Ein Schwerlastkran wurde aufgebaut, aber der Stamm verkeilte sich und musste an Bord erst zersägt werden. Das Einsetzen des neuen Klüverbaums klappte aber auf Anhieb. Das Holz stammt – wie bei der gesamten Kraweel – aus Lübecker Forsten. Die die „Lisa von Lübeck“ muss im Oktober dennoch für einen Monat auf eine Werft in Dänemark. Das Vorschiff hat sich bei der Kollision verzogen und zeigt jetzt etwa fünf Zentimeter nach Steuerbord. Auch das provisorisch aufgebaut Kastell wird erneuert. Die Kosten von 250 000 Euro trägt die Reederei der Sedov.

Die „Lisa von Lübeck“ wurde im März 2004 zu Wasser gelassen. Das „Kraweel“ (die Bezeichnung für einen glatt beplankten Schiffstyp) löste im 15. Jahrhundert die kleinere Hansekogge ab. Eigens für den Nachbau wurde vor einigen Jahren am Rand der Lübecker Altstadt eine Werft gegründet, genau an der Stelle, wo schon im Mittelalter Schiffe gebaut wurden. Anlass für dieses Projekt war im Sommer 1991 der Einlauf des Nachbaus einer Bremer Kogge in den Lübecker Hafen. Da wollte Lübeck nicht nachstehen und gründete einen Verein, der beauftragt wurde, ein Hanseschiff zu bauen, das größer ist als die Bremer Kogge.

Kirchenbilder und einige Aufzeichnungen zeitgenössischer Chronisten dienten als Vorbild für den Nachbau. Der Schiffstyp Kraweel ist nach der Art der Beplankung benannt. 170 Eichen wurde zu Spanten und Planken gesägt. Daumendicke Nägel mussten handgeschmiedet werden. Über 40 Jugendliche arbeiteten im Rahmen mehrerer ABM fünf Jahre lang an diesem Projekt.

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erstellt am 25.Sep.2013 | 00:36 Uhr

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