„Ein großer Gewinn für Lübeck“

Mehr als eine Milliarde Euro an Investitionen sind in den vergangenen zehn Jahren in den Hochschul  stadtteil geflossen.
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Mehr als eine Milliarde Euro an Investitionen sind in den vergangenen zehn Jahren in den Hochschul stadtteil geflossen.

Hochschulstadtteil: Zuhause für mehr als 5000 Menschen / Letztes Grundstück steht vor Verkauf / Projektgesellschaft zieht Bilanz

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26. November 2013, 00:34 Uhr

War es Weitblick? Als Ende der 1980er Jahre die ersten Überlegungen zum Hochschulstadtteil starteten, hieß das Motto bei vielen Lübeckern eigentlich nur „Raus aus der Stadt“. Seit einigen Jahren geht der Trend in die entgegengesetzte Richtung – bedingt durch den Wunsch vieler Menschen, wieder in der Stadt zu wohnen, leben heute mehr als 5000 Menschen in dem Bezirk. Inklusive dem angrenzenden Baugebiet Bornkamp ist hier eine Heimstatt für insgesamt 6000 Menschen geschaffen worden – mit höchstens 3000 hatten die Planer zuvor gerechnet. „Ohne den Hochschulstadtteil hätte Lübeck seine Bevölkerungszahl nicht halten können“, sagt Dirk Gerdes, Geschäftsführer der federführenden Hochschulentwicklungsgesellschaft (HEG).

Jetzt, nach etwa zwölf Jahren, hat die HEG das Projekt Hochschulstadtteil abgeschlossen. 300 Grundstücke wurden verkauft. Bei dem letzten, noch nicht verkauften Grundstück „laufen zurzeit die Vertragsabschluss-Verhandlungen“, sagt Gerdes und ergänzt: „Der Geschäftsbetrieb der HEG wird deshalb zum Ende dieses Jahres eingestellt. Wir haben fertig!“ Schließlich habe die Projektgesellschaft damit ihre Arbeitsgrundlage verloren. Dennoch wird niemand entlassen, denn die HEG bediente sich stets aus einem Mitarbeiter-Pool anderer stadtnaher Planungs- und Koordinierungstellen.

Mission erfüllt, mag so mancher da sagen. Der Weg bis zum Vorzeige-Stadtteil war aber steinig. Um Platz für die Reihen-, Doppel- und Einzel- sowie Mehrfamilienhäuser zu schaffen, mussten Ackerland gekauft und Kleingärtner umgesiedelt werden. Kein einfacher Prozess, wie sich Gerdes erinnert, aber jetzt könne eine „überaus positive und erfolgreiche Bilanz“ gzogen werden. „Ein großer Gewinn für Lübeck“, fasst Renate Gröpel (SPD) aus dem HEG-Aufsichtsrat die geleistete Arbeit zusammen.

Und wie erhofft, wohnen im Hochschulstadtteil vorwiegend junge Familien mit Kindern, obwohl die damaligen Grundstückspreise von 165 bis 225 Euro pro Quadratmeter nicht gerade günstig waren und noch heute, zehn Jahre später, in Lübeck gezahlt werden müssen. In jüngster Zeit wohnen hier angesichts der Nähe zu Universität und Fachhochschule immer mehr Studenten. Aber auch viele Senioren wissen das Quartier zu schätzen, nehmen das Angebot an barrierefreien Wohnungen und Pflegeeinrichtungen gern in Anspruch. Eine „gute Durchmischung innerhalb der Sozialstruktur“ bescheinigt Lübecks Bau-Senator Franz-Peter Boden (SPD) dem Hochschulstadtteil. Und lobt das Projekt: „Der Hochschulstadtteil bietet einen großen Mehrwert für die ganze Stadt.“ Boden zieht aber noch ein Ass aus dem Ärmel, denn der Bereich könnte doch noch etwas wachsen: Die Sportanlage am Bornkamp werde nicht wie geplant genutzt. Sie stelle „eine wertvolle Fläche für universitäre Einrichtungen inklusive Wohnungen am Randbereich“ dar. Bereits 2014 könnte die Sportfläche umgenutzt werden. Bereits genutzt werden kann hingegen ab dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember der Bahn-Haltepunkt im Hochschulstadtteil. „Dafür haben wir lange gekämpft“, sagt Sabine Haenitsch von der HEG.

Der letzte Baustein im Projekt Hochschulstadtteil ist damit gesetzt – was kommt jetzt? „Die Stadt beschränkt sich nun auf die Innenverdichtung“, sagt Boden. Nach der Auffrischung von Buntekuh stehe in den kommenden Jahren Moisling auf dem Plan.

>Information: Die HEG hat eine Dokumentation veröffentlicht, die die Entwicklung des Projekts zusammenfasst – abrufbar im Internet unter www.hochschulstadtteil.de.

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