Familientragödie in Bad Schwartau : Ehefrau erstochen – Zehn Jahre Haft für 50-Jährigen

Der Mann hatte die Tat schnell gestanden. Die Nebenkläger verlangten eine Verurteilung wegen Mordes.

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07. September 2018, 12:12 Uhr

Lübeck | Blutiges Ende eines Ehestreits: Im Streit um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn greift ein 50 Jahre alter Mann im Dezember 2017 in Bad Schwartau im Kreis Ostholstein zum Messer und ersticht seine Frau. Vor Gericht gesteht er die Tat und sagt, dass es ihm leidtue – vor allem für seinen Sohn. Das Landgericht Lübeck verurteilte ihn am Freitag wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft. Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte neun Jahre Haft beantragt.

Still und gefasst nahm der Angeklagte – ein Computerspezialist  mit kurzem grau meliertem Haar und exakt gestutztem Bart – das Urteil auf. In seinem Schlusswort vor einer Woche hatte er gesagt: „Ich habe meinem Sohn Mutter und Vater genommen.“ Um den heute Siebenjährigen ging es auch bei dem Streit, der zu der Tat geführt hat. Die Ehe des Paares war gescheitert, Vater und Mutter stritten seit Monaten um die Sorgerechtsregelung für das Kind. Der Vater wollte unbedingt, dass das Kind abwechselnd bei ihm und der Mutter lebt. Seine Noch-Ehefrau war dagegen.

Am 17. Dezember 2017 eskalierte der Streit. „Sie sagte mir, sie werde dafür sorgen, dass ich unseren Sohn gar nicht mehr sehen dürfe“, hatte der Angeklagte vor Gericht ausgesagt. Da sei er in Panik verfallen. „Ich warf ihr einen Kaffeebecher an den Kopf, es entwickelte sich eine Rangelei“, hatte er ausgesagt. Dann habe er sich ein Messer gegriffen und zugestochen. Nach der Tat packte der Angeklagte Sachen für sich und seinen Sohn, steckte noch einen Umschlag mit Bargeld ein. Dann trug er seinen Sohn ins Auto und brachte ihn zur Großmutter nach Norderstedt. Dort stellte er sich der Polizei. Zuvor hatte er noch seiner Mutter eine Liste der Konten und Bankschließfächer übergeben und seiner Schwiegermutter telefonisch mitgeteilt, dass er ihre Tochter getötet habe. „Dieses sehr geordnete und planvolle Verhalten nach der Tat spricht gegen eine Tat im Affekt“, sagte Richter Christian Singelmann in der Urteilsbegründung.

Die Aussage des Angeklagten, er habe von vorn auf seine Frau eingestochen, sei allerdings durch das gerichtsmedizinische Gutachten widerlegt, sagte der Richter. „Ihre Leiche wies zehn Stichverletzungen auf, alle befanden sich an der Rückseite des Körpers.“  

Für das Gericht sei der heute siebenjährige Sohn Opfer und Verlierer der Tat, sagte Singelmann. Der Junge war während der Tat im Haus. Nach Aussage des Angeklagten hatte der Junge gerufen: „Tu Mama nicht weh“, bevor der Vater ihn ins Kinderzimmer schickte. 

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