Beihilfe zum Mord : Ehefrau des Opfers hilft Täter: „Habe für ihn gelogen“

Zwölf Jahre nach dem Mord an ihrem Mann startete in Lübeck der Prozess gegen die 63-jährige Witwe.

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23. Mai 2018, 16:36 Uhr

Lübeck | „Ich habe für ihn gelogen, weil er mich darum gebeten hat.“ Mit diesem Teilgeständnis hat am Mittwoch in Lübeck der Prozess gegen eine 63 Jahre alte Witwe begonnen, die vor zwölf Jahren Beihilfe zum Mord an ihrem Ehemann geleistet haben soll. Ein damals 20 Jahre alter Einbrecher hatte im Mai 2006 ihren damals 63 Jahre alten Mann mit mehreren Messerstichen so schwer verletzt, dass er mehrere Wochen später starb.

Sie sei kurzzeitig in den 20-Jährigen verliebt gewesen und habe ihn in ihr Haus aufgenommen, sagte sie am Mittwoch aus. „Dass er meinen Mann töten wollte, habe ich nicht geahnt.“ Die Eheleute lebten damals getrennt in zwei nebeneinanderstehenden Häusern in Neustadt in Holstein.

Die Witwe hatte sexuelles Verhältnis mit dem Täter

Der Ehemann hatte den 20-Jährigen in seinem Haus überrascht, als er von einem Wochenendausflug nach Rügen zurückkehrte. Er wurde niedergestochen, konnte sich aber noch bis vor das Haus schleppen, wo er zusammenbrach. Mehrere Wochen später starb er in einer Klinik.

Der 20-Jährige wurde im November 2006 zu einer Jugendstrafe von acht Jahren und drei Monaten verurteilt. In diesem Prozess hatte die Witwe ausgesagt, sie kenne den 20-Jährigen nicht. „Das war eine Lüge“, gestand sie nun. Sie habe sogar ein kurzzeitiges sexuelles Verhältnis mit ihm gehabt.

Wortreich, wenn auch recht sprunghaft, schilderte die Angeklagte vor Gericht die Wochen vor der Tat. Sie habe den späteren Mörder ihres Mannes 2005 in einer Tagesklinik kennengelernt. „Im März 2006 stand er dann mitten in der Nacht vor meiner Tür. Er bat darum, für drei Tage bei mir wohnen zu dürfen, weil er von der Polizei gesucht werde.“ Aus Mitleid habe sie ihn aufgenommen und in ihrem Keller schlafen lassen. Ihrem Ehemann erzählte sie aus Angst vor einem Wutausbruch nichts davon. „Mein Mann durfte tun was er wollte, ich hatte zu gehorchen. So lief das bei uns.“

Ein Urteil wird Mitte Juni erwartet

Am Tattag, am 14. Mai 2006, habe sie den späteren Mörder ins Haus ihres Mannes gelassen, sagte die Angeklagte. „Er brauchte Geld. Da gab ich ihm den Tipp, dass im Büro meines Mannes unter dem Aktenvernichter 400 Euro liegen“, sagte sie. „Ich habe ihm gesagt, er solle es wie einen Einbruch aussehen lassen. Ich konnte doch nicht ahnen, was er wirklich vorhat“, sagte die Angeklagte.

Die Ermittlungen gegen die Witwe waren ins Rollen gekommen, weil sie 2014 die Frau des Täters wegen Erpressung anzeigte. Die hatte nach Darstellung der Witwe damit gedroht, deren Falschaussage öffentlich zu machen. Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil wird Mitte Juni erwartet.

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